Futtermittel, Markt
08.10.2018

Proteinmarkt-Pressetreff Bremen / Ein außergewöhnliches Vegetationsjahr

Starke Engpässe bei der Versorgung der Tierbestände, eine zu geringe Menge an Heu und Silage, eine schwache Getreideernte mit weniger Futtergetreide und die Freigabe von ökologischen Vorrangflächen zur Futterversorgung – so sieht es 2018 zumindest im Norden Deutschlands aus.

Heu und Silage werden in diesem Jahr zur Marktfrucht, die lukrativ für die einen und betriebsgefährdend für die anderen ist. Über dieses Thema referierte Professorin Katrin Mahlkow-Nerge von der Fachhochschule Kiel auf dem Proteinmarkt-Pressetreff in Bremen. Da es eine große Variation bei den Maissilage-Qualitäten gibt und beispielsweise die Rohfasergehalte zwischen 15 und 30 % und die NEL-Gehalte zwischen 5,5 und 7,0 MJ/kg TM schwanken, sei die Rationsgestaltung schwierig und aufwändig. Es gebe zum einen die Maisbestände, die im Juni aufgrund von Niederschlagsmangel aufgehört haben zu wachsen, keine oder nur wenig Kolben, aber eine grüne Restpflanze haben, und zum anderen die vertrockneten, strohigen Maispflanzen, bei denen es zu Verdichtungsproblemen im Silo kommt.

Größere Varianzen, intensiveres Monitoring
Da der Entwicklungszustand der Maisbestände so heterogen sei, empfahl Mahlkow-Nerge ein intensives Monitoring und plädierte für die nasschemische Analyse des Futters. Abhilfe zum Schließen der Futterlücken könne gutes kurzgehäckseltes Stroh in Kombination mit Kraftfutter in der TMR sein, sagte die Wissenschaftlerin. Rechnerisch sind damit 33 kg Milch möglich, bei 30 % sei allerdings die Grenze in der Milchviehfütterung, während Jungvieh auch größere Mengen gefüttert werden könne. Wichtig sei hierbei allerdings die Wasserzugabe: „Je trockener die Ration, umso mehr selektieren die Tiere“, stellte Mahlkow-Nerge fest. Gegebenenfalls müsse das Stroh länger im Wasser eingeweicht werden. Auf die Nachfrage nach der Wirtschaftlichkeit des unter Umständen notwendigen teuren Strohzukaufes sagte Mahlkow-Nerge, dass eine teurere Ration trotzdem noch besser als das Schlachten von Tieren sei, wobei natürlich unter diesen Voraussetzungen viele Landwirte schärfer selektieren als in normalen Jahren. Unter der Prämisse des Klimawandels mit stärkeren Schwankungen und Extremen sei zukünftig eine bessere Lagerhaltung notwendig, der Zwischenfruchtanbau noch mehr auszubauen und noch mehr auf das Wasserhaltevermögen der Böden zu achten.

DCAB-Werte genau im Blick behalten
Danach ging die Professorin auf die DCAB-Problematik (Kationen-Anionen-Bilanz) beim Einsatz von Rapsextraktionsschrot in Milchkuhrationen ein. Hintergrund ist die Diskussion um GVO-freie Fütterung und der vermehrte Einsatz von heimischen Futterpflanzen. Von Natur aus haben Kühe als Pflanzenfresser eine deutlich positive DCAB. Rapsschrot eignet sich als Proteinergänzer sowohl zum Eiweißausgleich als auch als Kraftfutterkomponente in der Ration. Er hat einen hohen Phosphor- und einen hohen Schwefelgehalt, was bei der Rationsgestaltung berücksichtigt werden muss. Durch den anionisch wirkenden Schwefel hat er eine negative DCAB, die in der Trockensteher-/Transitphase vorteilhaft sein kann, weil sie das Milchfieber-Risiko senkt. Während der Laktation haben allerdings sowohl zu hohe als auch zu niedrige DCAB-Werte eine negative Auswirkung auf die Futteraufnahme und die Milchleistung. Bei einem DCAB von 270 meq/kg TM ist die höchste Futteraufnahme gegeben, bei einem DCAB von 360 meq/kg TM ergibt sich die höchste Milchleistung in FECM, so Mahlkow-Nerge. Rationen mit niedriger DCAB wie Rapsextraktionsschrot, Pressschnitzel, Biertreber Grassilagen von Niedermoor-Standorten mit höheren Cl-Gehalten können Stoffwechselstörungen im Säure-Basen-Haushalt bis hin zur metabolischen Azidose entwickeln, daher seien weitere Fütterungsversuche zu den DCAB notwendig, erklärte die Wissenschaftlerin. Aktuelle Ergebnisse eines Fütterungsversuches hierzu am Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden werden auf der EuroTier vorgestellt.

Foto: Prof. Katrin Mahlkow-Nerge, Fachhochschule Kiel 


Foto: Angelika Sontheimer