Markt
02.07.2019

Monatsbericht Juni 2019: Saison 2018/19 endet mit enttäuschenden Preisen, Umsätze alt- wie neuerntig gering, Weiterhin wenig Aktivität am Ölschrotmarkt, Sojaschrot profitierte vom Terminmarkt, Das Rohstoffangebot entscheidet

Lange Zeit hatten Rapserzeuger in Deutschland auf Preisbefestigung gesetzt. Erstmals zerschlug sich die Hoffnung Ende Februar/Anfang März 2019, als die Preise erdrutschartig verloren und innerhalb von zwei Wochen um 18 auf 341 EUR/t fielen.

Saison 2018/19 endet mit enttäuschenden Preisen
Lange Zeit hatten Rapserzeuger in Deutschland auf Preisbefestigung gesetzt. Erstmals zerschlug sich die Hoffnung Ende Februar/Anfang März 2019, als die Preise erdrutschartig verloren und innerhalb von zwei Wochen um 18 auf 341 EUR/t fielen. Rapserzeuger mit noch vergleichsweise großen alterntigen Restmengen im Lager bereuten zu diesem Zeitpunkt, nicht wenigstens die 360 EUR/t, die ihnen zuvor noch geboten worden waren, angenommen zu haben. Doch neuerliche Preisbefestigung schürte bald darauf neue Hoffnungen. Anbieter spekulierten auf 360 EUR/t und mehr im Mai/Juni 2019, doch so hoch sollten die Erzeugerpreise bis Saisonende nicht mehr kommen. Im Juni zogen die Preise mit Unterstützung vom Terminmarkt zwar an, aber das Kaufinteresse für Raps der Ernte 2018 war da schon erloschen.

Umsätze alt- wie neuerntig gering
Mangels Verkaufsbereitschaft stand der Kassamarkt in der zweiten Junihälfte fast still. Vordere Ware war für die Ölmühlen in der Regel nicht mehr interessant, während auf Terminen ex Ernte die Zurückhaltung der Rapserzeuger die Geschäfte bremste. Wegen Ertragsunsicherheit hielten sie sich mit Offerten zurück. Besonders im Osten der Republik war das zu beobachten; von dort wurden sehr heterogene Rapsfeldbestände gemeldet. Die geringe Abgabebereitschaft zeigte sich auch auf der Käuferseite: Handelsunternehmen in Deutschland hatten in der vorletzten Juniwoche erst 20 % Raps in den Büchern.

Weiterhin wenig Aktivität am Ölschrotmarkt
Am Ölschrotmarkt in Deutschland hat es auch im Juni keine wesentlichen Veränderungen gegeben. Mischfutterhersteller beschränkten sich in ihren Aktivitäten weiterhin auf Marktbeobachtung und Preisspekulation. Beim Sojaschrot hatte sich zur Monatsmitte immerhin preislich etwas getan, als die Preise kräftig anzogen, sodass auch die monatlichen Durchschnittspreise für Sojaschrot beider Qualitäten ein kräftiges Plus gegenüber Mai aufweisen. Doch selbst von diesen vergleichsweise kräftigen Preissteigerungen ließen sich die meisten Mischfutterhersteller nicht aus der Ruhe bringen. Hektik sollte aber auch wegen einer nach wie vor ausreichenden Versorgung vieler Betriebe nicht aufkommen – wer nicht dringend Ware kaufen musste, hielt sich vom hochpreisigen Sojaschrotmarkt fern.

Sojaschrot profitierte vom Terminmarkt
Auslöser der kräftigen Preissteigerungen für Sojaschrot im Juni waren deutliche Kurssprünge für Sojabohnen und deren Nachprodukte an der Börse in Chicago. Aussaatverzögerungen und damit einhergehende wachsende Erntesorgen für US-Soja 2019 waren die Ursache der Hausse. Während sich Sojaschrot zur Monatsmitte kräftig verteuerte, bewegten sich die Rapsschrotpreise kaum. Von den Geschehnissen an den internationalen Terminbörsen in Chicago und Paris zeigten sie sich eher unbeeindruckt. Auch zogen sie den festen Sojaschrotpreisen nicht, wie so häufig, hinterher. Im Gegenteil: Rapsschrot kostete zu Monatsbeginn noch 213 EUR/t und zum Monatsende dann keine 200 EUR/t mehr. Im Monatsdurchschnitt sind 207 EUR/t zwar genau so viel wie im Vormonat, aber die Tendenz war eindeutig nach unten gerichtet. Kauflaune kam deshalb aber nicht auf. Wie so häufig gilt: Wer nicht dringend Ware braucht, wartet auf weitere Preisnachlässe.

Das Rohstoffangebot entscheidet
Eine Belebung des Ölschrotmarktes deutet sich aktuell noch nicht an. Bleibt es bei einer ruhigen Nachfrage und damit bei einem impulslosen deutschen Kassamarkt, wird es im Juli vor allem auf die Rapsernte in Europa und auf die Entwicklung der Sojabohnenfeldbestände in den USA ankommen. Denn das Rohstoffangebot entscheidet maßgeblich auch über Verfügbarkeit und den Preisverlauf der Nachprodukte. In Europa sehen die Rapserträge besser aus als im Vorjahr, aber gebietsweise ist es immer noch viel zu trocken. Mit den Ende Juni trocken-heißen Temperaturen wächst die Sorge um Ertragseinbußen in einigen EU-Staaten. In den USA hat Regen die Sojaaussaat verzögert, doch mittlerweile ist die Bestellung der Flächen fast abgeschlossen. Die Bestände hinken jedoch in ihrer Entwicklung Normaljahren hinterher, manche sind lückig aufgelaufen, sodass gebietsweise neu ausgesät werden muss. Auch das Bestandbild ist schlechter als im Vorjahr. Nun kommt es auf die Witterung in den kommenden Wochen an. Wetterkapriolen könnten bis zur Ernte, die voraussichtlich Ende September (in diesem Jahr vielleicht später) beginnt, noch für die eine oder andere deutliche Kursbewegung in Chicago sorgen, die sich dann auch am hiesigen Sojaschrotmarkt abbildet.

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