Markt
08.03.2018

Mehr Effizienz und mehr Tierwohl in der Schweinehaltung

Fachforum der Landwirtschaftskammer: Forscher, Berater und Praktiker diskutieren in Cloppenburg über Tierschutz, Haltungsfragen und optimale Nährstoffverwertung.

„Um die Nutztierhaltung der Zukunft gibt es eine intensive gesellschaftspolitische Diskussion – die Landwirte sind bereit, ihren Beitrag zu leisten, damit entscheidende Aspekte wie der Tierschutz, der umsichtige Einsatz von Medikamenten, die Lebensmittelsicherheit und der effiziente Umgang mit Nährstoffen bei der Aufzucht von Schweinen noch stärker zum Tragen kommen.“ Mit diesen Worten eröffnete Hermann Hermeling, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, am Mittwoch (7. Februar) das Fachforum Schwein in der Cloppenburger Münsterlandhalle. Rund 1.500 Besucher kamen zu der Spezialveranstaltung mit zahlreichen Vorträgen und einer Messe, auf der knapp 80 Aussteller Produkte und Dienstleistungen rund um die Schweinehaltung zeigten.

Von den Praktikern mit Spannung erwartet wurden die ersten Ergebnisse des Forschungsprojekts „InnoPig“: Es prüft, wie praxistauglich und tierfreundlich zwei alternative Haltungssysteme – eine freie Abferkelbucht und eine Gruppenhaltung ferkelführender Sauen – im Vergleich zur konventionellen Einzelhaltung mit Ferkelschutzkorb sind. „Erste Auswertungen bezüglich der Leistungsfähigkeit zeigen, dass die getestete Freilaufbucht die höchsten Saugferkelverluste aufweist, gefolgt von der Gruppenhaltung ferkelführender Sauen und dem Ferkelschutzkorb“, berichtete Dr. Heiko Janssen, bei der LWK Fachreferent für Schweinezucht und Schweinehaltung.

„Um den höheren Saugferkelverlusten in den freieren Systemen zu begegnen, sind weitere Untersuchungen nötig, die die Effekte einer zeitweisen Fixierung der Sau in den ersten Tagen nach der Geburt analysieren“, betonte Prof. Dr. med. vet. Nicole Kemper, Leiterin des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Wachsen die Schweine bis zur Schlachtreife heran, lässt sich die Gesundheit der jeweiligen Tiere und damit die Lebensmittelqualität im Schlachthof auch anhand der Organbefunddaten feststellen. „Diese Informationen erlauben wertvolle Rückschlüsse auf Defizite im Fütterungs- und Haltungsmanagement“, sagte Dr. Friedrich Delbeck, bei der LWK Experte für Schlachttier- und Fleischuntersuchung. „Lebensmittelhersteller und der Einzelhandel können Indexwerte bezüglich der Schlachttier- und Fleischuntersuchung vorgeben, um einen Gesundheitsstatus zu definieren, den der Schweinelieferant zu erreichen oder zu halten hat.“

Mit Blick auf die neue Düngeverordnung geht es in den Veredlungsbetrieben um mehr Effizienz beim Umgang mit Nährstoffen – sowohl bei der Fütterung als auch bei der Verwertung von Gülle. „Bei vielen Betrieben erhöhen sich voraussichtlich die abzugebenden Nährstoffüberschüsse“, sagte Hans-Jürgen Technow, Landtechnikberater der LWK.

Größere Gülleabgabemengen und zunehmende Transportentfernungen steigerten die Kosten für die Lieferung der Nährstoffe in die Ackerbauregionen. Immer mehr Landwirte interessierten sich daher für Gülleaufbereitungsverfahren, so Technow: „Ziel der Aufbereitung – etwa mit Pressschnecken, Zentrifugen oder durch ein Sedimentationsverfahren –  ist es, durch Wasserentzug die Nährstoffkonzentration in den abzugebenden Produkten und damit deren Transportwürdigkeit zu erhöhen.“

„Die Fütterung bietet Möglichkeiten, die Nährstoffeffizienz von Schweinen zu erhöhen“, berichtete LWK-Expertin Andrea Meyer. Phosphor werde im Nordwesten im Schweinefutter bereits stark reduziert, ohne dass die Entwicklung der Tiere negativ beeinträchtigt würde. Wie weit sich Stickstoff und Phosphor noch ohne Nachteile reduzieren ließen, müssten weitere wissenschaftliche Untersuchungen klären, so Meyer. „Bei der Gestaltung nährstoffreduzierter Futterkonzepte gilt aber weiterhin der Grundsatz: Die Fütterung nach Bedarf des Tieres bleibt immer das Ziel.“

Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen


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