Grundlagen-Rinder, Grundlagen-Schweine
04.02.2020

Gespräch mit dem Handel im Kanzleramt: Wettbewerb nicht auf dem Rücken der Landwirte austragen

Europäische Richtlinie gegen unlauterer Handelspraktiken kommt – Meldestelle für unlautere Handelspraktiken und Dumpingpreise soll eingerichtet werden – Arbeitstreffen Landwirtschaft und Handel unter Federführung BMEL folgt

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier haben am Montag Vertreter des Handels und der Lebensmittelindustrie zum Gespräch im Kanzleramt getroffen. Das Treffen war eines der Ergebnisse des Agrargipfels von Kanzlerin Merkel und Bundesministerin Klöckner Ende des vergangenen Jahres. Die Wertschätzung von Lebensmitteln sowie faire Preisgestaltung und Lieferbedingungen bei Lebensmitteln mit Blick auf Erzeuger und Handel standen im Mittelpunkt.

Die Politikerinnen betonten die Verantwortung des Handels bei der Preisgestaltung und Dumpingangeboten mit Lebensmitteln. Dauerhafte Tiefstpreise für manche Lebensmittel - mit denen Kunden in die Läden gelockt werden – sind ein fatales Signal für die Wertschätzung von Lebensmitteln. Aggressive Preisgestaltung im Handelswettbewerb gehe letztlich auch zu Lasten der Erzeuger.

Julia Klöckner: "Der Handel steht im Wettbewerb. Dieser darf aber nicht einseitig auf dem Rücken unserer Bauern ausgetragen werden. Nahrungsmittel für wenige Cent anpreisen und gleichzeitig immer höhere Standards einfordern, das kann nicht zusammengehen. Wie sollen Bauernfamilien davon leben? Es fehlt an Wertschätzung. Verbrauchern wird mit Lockangeboten aus dem Werbeprospekt suggeriert, dass Lebensmittel jederzeit billig zu haben sind. Die Supermarktketten haben hier eine ethisch-moralische Verantwortung. Wenn wir weiter regionale Erzeugung, mehr Tier- und Umweltschutz wollen, müssen Preise fair sein. Bezahlbar für jeden Geldbeutel - auskömmlich für unsere Landwirte."

In der Runde thematisiert wurde zudem, dass landwirtschaftliche Anbieter aufgrund des Marktungleichgewichts unlauteren Handelspraktiken ausgesetzt sind - die vier größten Handelsketten verfügen über eine große Marktmacht von über 85 Prozent. So kommt es etwa vor, dass sich Bauern Liefertermine kaufen oder einen Geldbetrag spenden müssen, um in neuen Filialen gelistet zu werden. Kurzfristig können zudem verderbliche Waren storniert werden, auf denen die Bauern dann sitzen bleiben, oder sie bekommen für verkaufte Ware erst nach drei Monaten ihr Geld. Hiergegen werde das Bundesministerium ordnungsrechtlich vorgehen, so die Ministerin: "Hartes Verhandeln, das gehört dazu - die Prinzipien des "ehrbaren Kaufmanns" sollten dabei immer selbstverständliche Leitlinie sein. Das scheint im Alltag jedoch leider nicht immer der Fall zu sein. Die Beispiele, die uns genannt wurden, sind zahlreich. Um einen Großteil dieser unlauteren Handelspraktiken zukünftig zu verhindern, werden wir die so genannte europäische UTP-Richtlinie sehr bald in nationales Recht umsetzen. Es muss ein faires Miteinander geben."

Quelle: © BUNDESMINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT


Foto: Bundesregierung/Sandra Steins