Markt
12.04.2019

Futtermittel: Verantwortungsbewusst für Klima und Umwelt - Hersteller für Tiernahrung passen sich den Verbraucheranforderungen an

Die Entwicklung in der Agrar- und Umweltpolitik zeigt auch in der Futtermittelindustrie deutliche Auswirkungen. Für Jan Lahde, Präsident des Deutschen Verbands Tiernahrung e. V. (DVT), hat sie einen erheblichen Anteil an dem aktuellen Abschwung in der Mischfutterproduktion.

Er betrachtet mit Sorge den zunehmenden Druck in der Landwirtschaft zur Reduzierung der Stickstoff- und Phosphorausträge, die durch die EU-Regelungen den nationalen Gesetzgeber noch einmal die Nachjustierung veranlasst haben: „Davon sind auch die Hersteller von Tiernahrung betroffen: direkt durch die Bereitstellung von Stickstoff- und Phosphorreduziertem Mischfutter und indirekt durch die Reduzierung der landwirtschaftlichen Produktion. Das wird sich mittelfristig auf die Betriebsstrukturen auswirken.“ Auch das letztjährige EuGH-Urteil zu den neuen Züchtungstechniken und die gesamte öffentliche Diskussion und Meinung zur Gentechnik sieht der Verband kritisch, weil damit auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Tierhaltung in Deutschland erschwert wird.

Offene Rohwarenmärkte und klare Regelungen für optimale Tierernährung 
Rohstoffe aus gentechnisch veränderten Organismen (GVO) müssen nach dem aktuellen Urteil als solche rückverfolgbar sein und dürfen auch nicht in der „Ohne Gentechnik“-Produktion von Lebensmitteln eingesetzt werden. Der DVT bedauert die Gerichtsentscheidung und ist besorgt über die Folgen für die Futtermittel-wirtschaft. DVT-Präsident Jan Lahde fordert eindringlich: „Wir brauchen Rechts-sicherheit für den Import dieser im Ausland erzeugten Rohwaren, die dort nicht als GVO-Ware eingestuft sind. Um eine sichere Anwendung der zu importierenden Rohstoffe zu ermöglichen, fordern wir die Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung dazu auf, die Gesetzgebung derart anzupassen, dass sie sich an wissenschaftlichen Grundsätzen orientiert und dem wissenschaftlichen Fortschritt in der Praxis nicht im Wege steht.“ Bislang sei von den politischen Entscheidungsträgern kein Vorstoß in dieser Richtung erfolgt.

Nachhaltigkeit fordert Anpassung des Rohstoffeinsatzes
„Die Nachhaltigkeit wird leider manchmal auf die sogenannte Gentechnikfreiheit reduziert oder mit ihr gleichgesetzt“, bedauert DVT-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Baaken. Stattdessen müssten Aspekte wie die Einhaltung der Prinzipien zur Erhaltung der Waldflächen und der umweltgerechte Landbau berücksichtigt werden. Derzeit stammen nach Schätzung des DVT rund 60 Prozent des in Deutschland eingesetzten Sojaschrots aus nachhaltig zertifizierten Programmen. Dieser Anteil solle weiter gesteigert werden, kündigt Baaken an. Er warnt zugleich davor, pauschal den Verzicht auf den wichtigen Eiweißträger Soja auszurufen, ohne sich Gedanken über die ernährungsphysiologischen Folgen und damit über die Folgen für die Tiergesundheit und den Klimaschutz zu machen. In den vergangenen Jahren sei der Sojaanteil bereits gesenkt und durch heimische Rohstoffe ersetzt worden, wann immer dies möglich und wirtschaftlich vertretbar war. Beispielhaft nannte er den reduzierten Sojaschrotanteil in den Rezepturen für Mastschweine. Er zeigt je nach Region und Fütterungsart jedoch eine erhebliche Spreizung und liegt zwischen 5 bis 20 Prozent einer mittleren Tagesration. Moderne Stickstoff- und Phosphorreduzierte optimierte Schweinemastalleinfutter haben einen Sojaanteil von rund fünf Prozent. 

Lebensmittel „ohne Gentechnik“ und regionale Programme 
Zudem steigt der Bedarf an gentechnikfreien Lebensmitteln. Der DVT schätzt den Anteil von „ohne Gentechnik“-Milch nach den Kriterien des Vereins Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) auf circa 60 Prozent. Ein Teil der Milchkühe frisst heute sogar Futterrezepturen, die weder GVO-haltige Komponenten noch Soja enthalten. Dieses Mischfutter ist jedoch kein Futter im Sinne der Gesetzgebung und des VLOG-Standards. Für die Putenmast schätzt der DVT diesen Anteil auf mindestens 80 Prozent. Im Eiersektor geht der Verband im Mittel von einem Anteil des non-GVO-Futters für Legehennen von mindestens 75 Prozent aus. 90 Prozent der in Deutschland produzierten Masthähnchen sind mittlerweile „gentechnikfrei“ gefüttert. Die Anforderungen des Marktes werden außerdem durch Programme mit Futtermitteln aus definierten regionalen Herkünften erfüllt.

Quelle: DVT e. V. 


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