Grundlagen-Schweine, Markt
08.08.2018

Forschung zur Schweinefütterung - Roggen könnte vor Salmonellen schützen

Roggen, vorzugsweise angebaut auf ertragsschwachen sandigen Böden und trockenen Standorten Nordeuropas, könnte der Schlüssel dazu sein, die Schweinefütterung grundlegend neu zu denken. Dazu will ein gemeinsames Forschungsprojekt von Wissenschaft und Wirtschaft beitragen: Das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderte 6-R-Konzept mit dem Titel „Regionale Renaissance von Roggen und Raps zur Reduktion von Problemen in Pflanzenbau und Tierproduktion durch Reevaluation der Inhaltsstoffe und deren gezielte Nutzung zur Förderung des Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutzes“. Das Fütterungsprojekt aus dem Innovationsförderprogramm des Bundes wurde heute in den Räumen des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) in Berlin erstmals vorgestellt.

„Schweinehalter suchen nach neuen Methoden, wie sie ihre Tiere gesund und nachhaltig füttern können. Gleichzeitig stehen Sojaimporte für die Futtermittelproduktion gesellschaftspolitisch zunehmend in der Kritik und die Versorgungssituation könnte durch die aktuellen Handelsstreitigkeiten in Zukunft beeinträchtigt werden. Roggen und Raps können zur Lösung dieser Fragen beitragen“, sagte DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers vor Journalisten. 
Roggen hat gegenüber anderen hiesigen Getreidearten viele Vorteile: Die Pflanzen brauchen weniger Wasser, weniger Pflanzenschutzmittel sind nötig und Roggen hat die höchste Effizienz bei der Verwertung von Stickstoff und Phosphor. „Daher gewinnt der Roggen dann an Bedeutung, wenn Flächen weniger stark gedüngt werden sollen“, sagt Dr. Andreas von Felde, Leiter Produktmanagement der KWS Lochow GmbH mit Sitz in Bergen.
Für diese positiven Auswirkungen von Roggen in der Schweinefütterung sind besondere Inhaltsstoffe des Korns verantwortlich, die in der klassischen Futteranalytik nicht erkannt werden. „Es sind bestimmte Kohlenhydrate, die keine Stärke im eigentlichen Sinn darstellen. Diese als Nicht-Stärke-Polysaccharide bezeichneten Substanzen – unter anderem Fructane – werden nur von der Darmflora abgebaut und schließlich genutzt. Roggen – und nicht Gerste oder Hafer – ist dadurch das ballaststoffreichste Getreide überhaupt“, erklärt Prof. Josef Kamphues, Direktor des Instituts für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover. 
Die Nicht-Stärke-Polysaccharide sind für die Magen-Darm-Flora eine besonders geeignete Grundlage für die Bildung von Buttersäure. Von dieser im Darm gebildeten Buttersäure erhoffen sich die Initiatoren des 6-R-Projektes vielfältige gesundheitsfördernde Effekte bei Schweinen. Die Wissenschaftler verfolgen die Hypothese, dass erhöhte Buttersäurewerte zum Schutz vor Salmonellen beitragen und den Ebergeruch vermindern. 
In dem bis zum Jahr 2021 laufenden Projekt übernehmen die Beteiligten spezifische Aufgaben: Die KWS setzt – gemeinsam mit der Viehvermarktung Walsrode und dem Mischfutterhersteller Raiffeisen Mittelweser – die Versuche mit definierten Roggen-Qualitäten in die Praxis um. Die richtige Futtermischung wird im Tierernährungsinstitut der Tierärztlichen Hochschule Hannover entwickelt. Die Tierernährer an der Freien Universität Berlin prüfen unter anderem die Auswirkungen roggenreicher Mischfutter an der Darmschleimhaut und auf Entzündungen. Die Tierernährer der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn schließlich gehen bei den besonderen Kohlenhydraten ins Detail. Sie fragen zum Beispiel, welche der Roggeninhaltsstoffe überhaupt den Dickdarm erreichen oder welche ein Sättigungsgefühl bei tragenden Sauen erzeugen, wodurch diese ruhiger werden könnten. 
Vorversuche haben dazu geführt, dass sich die Betrachtung der Verdauung des Schweins grundlegend geändert hat. DRV-Hauptgeschäftsführer Ehlers: „Das verspricht für unsere Genossenschaften einen Innovationsschub. Deshalb unterstützen wir als Verband und unsere Mitgliedsunternehmen das Projekt gerne.“ 

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Quelle: DRV


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