Markt
21.09.2018

EuroTier 2018: Orientierung für die Nutztierhaltung weltweit

Plattform für Innovationen in der modernen Tierhaltung – Leitthema „Digital Animal Farming“ – mehr als 2.500 Aussteller aus 62 Ländern angemeldet – Dr. Reinhard Grandke skizziert für Proteinmarkt.de die Rahmenbedingungen.

Die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen für Tierhalter lassen heute national und international viele Fragen offen. Wo findet zukünftig Nutztierhaltung wettbewerbsfähig statt und wie? Betriebsleiter brauchen verlässliche politische Rahmenbedingungen sowie professionelle Konzepte, um ihre Betriebe zukunftsfähig auszurichten.

Die Weltleitmesse für Tierhaltungs-Profis, die EuroTier, wird vom 13. bis 16. November auf dem Messegelände in Hannover Innovationen und Trends für die Landwirtschaft präsentieren und Orientierung geben. 2.526 Aussteller aus 62 Ländern zeigen auf mehr als 260.000 m² Hallenfläche ein vollständiges Angebot rund um die moderne Tierhaltung und Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft.

In zahlreichen Fachvorträgen und Diskussionsrunden werden hierzu auf der EuroTier neueste Erkenntnisse und Lösungswege an allen Ausstellungstagen diskutiert. Veranstalter der Messe und ihres Fachprogrammes ist die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft).

Leitthema „Digital Animal Farming“
Wohl keine Innovation beschäftigt die Landwirtschaft derzeit so massiv wie die Digitalisierung, entsprechend intensiv wird sie diskutiert. Gefragt sind fortschrittliche Konzepte, die an die Vielfalt der Standorte angepasst sind und den Wettbewerb stärken. Dabei wird Digitalisierung eine führende Rolle einnehmen. Sie trägt auch dazu bei, dass sich Produktionsprozesse, aber auch Liefer- und Wertschöpfungsketten neu ordnen.

Die EuroTier 2018 setzt daher mit dem Leitthema „Digital Animal Farming“ einen Schwerpunkt in ihrem Fachprogramm. Ein tierartenübergreifendes Special in Halle 26, Stand A06, stellt die aktuellen Entwicklungen von digitalen Lösungen für die Tierhaltung in den Mittelpunkt.

Rahmenbedingungen auf den Märkten
Die Dürre hat nicht nur in der EU zu einem Rückgang der Ernteerträge geführt, sondern auch in wichtigen Erzeugerländern wie Russland oder der Ukraine. Dadurch dürften die Bestände der großen Weizenexporteure um etwa 20 Mio. Tonnen zurückgehen und den Weizenpreis steigen lassen. Betrieblich betrachtet dürften die Ernterückgänge bei Ackerbauern zwar teilweise durch Preissteigerungen kompensiert werden, dennoch gibt es individuelle finanzielle Engpässe bei von der Trockenheit besonders betroffenen Betrieben.

Die Milchanlieferungen der deutschen Produzenten normalisieren sich nun nach dem hitzebedingten Rückgang im Juli und August. Die Molkereien rechnen wegen der knappen Futterversorgung mittelfristig mit sinkenden Anlieferungsmengen. Einige Milcherzeuger sind sehr stark von der Dürre betroffen und müssen die schlechte Ernte von Grünfutter durch den Zukauf von fremdem Futter zu hohen Preisen kompensieren. In diesen Regionen wird ein Rückgang der Milchlieferungen um fünf Prozent erwartet.

Die knappen Schweinebestände im Sommer führten in der EU zu meist festen Preisen für die Schweinemäster. Ein großes Problem für die Sauenhalter ist derzeit jedoch die Unklarheit, wie es mit der Ferkelkastration weitergeht. Die Diskussion um eine Verschiebung des gesetzlichen Stichtages 1. Januar 2019 ist in vollem Gang und keine Lösung in Sicht. Zudem ist die Afrikanische Schweinepest ein großes Risiko für die Schweinemärkte. Viele neue Ausbrüche in Rumänien, Bulgarien und China sowie der erste Ausbruch bei Wildschweinen in Belgien zeigen ein hohes Risikopotenzial für die Schweinebranche.

„DLG-Agrifuture Insights“ zeigt internationale Investitionsbereitschaft
Die DLG hat 2017 mit DLG-Agrifuture Insights eine neue Wissensmarke für internationale Marktanalysen gestartet. Aus inzwischen neun Ländern stehen damit Trendanalysen weltweit wichtiger Agrarregionen zur Verfügung: Deutschland, Frankreich, UK, Polen, Niederlande, USA, Russland, Brasilien und Südafrika.

Das Geschäftsklima hat sich diesen Analysen zufolge 2018 wegen der Dürre in fast allen Ländern, insbesondere in Westeuropa und in Russland, verschlechtert. Trotzdem liegt in Europa die Investitionsbereitschaft noch über dem langjährigen Durchschnitt. Vor allem in der Milchwirtschaft herrscht ein Ersatzbedarf nach der Rezession 2015/16. In manchen Regionen müssen Milchviehhalter wegen der Trockenheit jedoch Futter zukaufen und werden daher Investitionen aufschieben.

Die Stimmung der US-Farmer, insbesondere der Schweinehalter, ist wegen des Handelskonfliktes mit China gedrückt. Dennoch will jeder zweite US-Farmer in den kommenden 12 Monaten investieren. In Südafrika, Russland und Frankreich wollen die Betriebsleiter die Tierhaltung grundsätzlich ausbauen.

Während in Westeuropa bei den Milchviehhaltern als größte Herausforderungen das Herdenmanagement und die Tiergesundheit angesehen werden, stehen in den USA die Sicherung der Wirtschaftlichkeit und die Erfüllung von Umweltanforderungen im Mittelpunkt.

Gesellschaftliches Umfeld rückt in den Mittelpunkt
Das gesellschaftliche Umfeld der Tierhaltung spielt eine immer bedeutendere Rolle für die Tierhalter und deren Familien. Nach den Zahlen von DLG-Agrifuture Insights von August 2018 interessieren sich Betriebsleiter weltweit, wie sie Tierwohl und Tiergesundheit verbessern können.

Darüber hinaus erachten sie Innovationen in Techniken zur digitalen Tiererkennung sowie Monitoring als besonders wichtig. „Das Auge des Herrn mästet das Vieh“ – daher sind elektronische Maßnahmen, den Blick auf das Tier zu unterstützen, gefragt.

In Deutschland, Frankreich, Polen, Russland und den USA wollen Schweinehalter die Klimaführung in den Ställen verbessern. Französische, polnische und britische Milchviehhalter wollen neue, tiergerechtere Ställe bauen. In den Niederlanden werden Ställe modernisiert, um Umweltauflagen zu erfüllen. Tierhalter in Deutschland investieren vorwiegend, um Ansprüchen an Umwelt und Tierwohl zu genügen.


Foto: EuroTier