Markt
17.11.2017

DLG-Präsident nimmt Politik und Gesellschaft in die Pflicht

Für offene Märkte sowie für eine sachgerechte Risikobewertung und Technikfolgenabschätzung von Innovationen – Landtechnikmesse Agritechnica 2017 offiziell eröffnet.

Der Präsident der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) Carl-Albrecht Bartmer hat sich zur Eröffnung der weltweiten Leitmesse für Landtechnik, der Agritechnica 2017, für offene Märkte sowie für eine sachgerechte Risikobewertung und Technikfolgenabschätzung von Innovationen ausgesprochen. Vor den mehr als 2.000 Gästen am traditionellen Max-Eyth-Abend der Landtechnik rief er angesichts der weiter zunehmenden Weltbevölkerung dazu auf, der globalen innovativen und kreativen Agrarbranche eine Chance zu geben. „Die weltweite Zivilgesellschaft sollte den Innovationen nach einem risikobasierten Diskurs eine Chance geben. Sie sollte dafür die Grenzen offen halten, damit alle weltweit die Chance haben, am Nutzen von Technologien zu partizipieren“, betonte der DLG-Präsident.

Ausreichende Lebensmittel für die wachsende Weltbevölkerung herstellen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen erhalten, diese Herausforderung könne die globale Landwirtschaft nur durch den Einsatz neuester Technologien und Verfahren bestehen. Einer nachhaltigen Intensivierung der Produktion komme essenzielle Bedeutung zu. Für Bartmer bedeutet Nachhaltigkeit eine bessere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit bei gleichzeitigem Schutz von Umwelt und Natur zum Erhalt der Lebensgrundlage kommender Generationen.

Der Blick in die Agrarwelt zeige, dass Nachhaltigkeitsziele konkurrieren können. Nährstoffüberhänge in vielen Regionen weltweit, Erosion, Resistenzen in eingeschränkten Fruchtfolgen, Verluste an Biodiversität seien Entwicklungen, „die wir weltweit selbstkritisch erkennen können.“ Die Nachhaltigkeit des einen oder anderen Entwicklungspfades globaler Landwirtschaft lasse Wünsche offen. „Hier müssen wir Lösungen finden.“ Gerade eine Agritechnica mit ihrem herausragenden Angebot an intelligenten, an die vielfältigen Standortbedingungen rund um den Globus angepassten Innovationen, zeige Lösungswege auf.

Gleichwohl sieht der DLG-Präsident die Zukunftsfähigkeit der globalen Land- und Ernährungswirtschaft, und damit die Fähigkeit, in 30 Jahren vermutlich zehn Mrd. Menschen ernähren zu können und zu müssen, gefährdet. „Unsere Debatten drehen sich heute um eine industriell wahrgenommene Landwirtschaft mit Diskussionen um Pflanzenschutzmittel, neue Züchtungstechnologien und um den Handel mit Agrarprodukten. Diese Auseinandersetzungen sind vielfach getragen von institutionellem Misstrauen, das eine sachgerechte Risikobewertung und Technikfolgenabschätzung von Innovationen kaum möglich macht“, sagte Bartmer. Er forderte daher einen Rechtsrahmen, der im Umgang mit Innovationen ein Risikomanagement auf einer wissenschaftlich abgesicherten, transparenten und für die Gesellschaft nachvollziehbaren Risikobewertung gründet.

Der Politik komme bei der gesamten Debatte eine wichtige Rolle zu, so der DLG-Präsident. Diese bestehe nicht in der Funktion des Moderators, sondern als verantwortlicher Entscheider und zugleich als Garant der Unabhängigkeit und Arbeitsfähigkeit wissenschaftlich arbeitender Institutionen. „Auf Basis von deren Expertise genehmigen wir schließlich Medikamente, prüfen wir die Tragfähigkeit von Brücken, aber eben auch die Unbedenklichkeit von Lebensmitteln und Agrartechnologie“, so der DLG-Präsident.

Quelle: DLG e.V.

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Foto: DLG e.V.