Markt, Grundlagen-Rinder
13.03.2018

Die Kuh im Fokus – Zurück zum Tagesgeschäft!?

DLG-Forum Spitzenbetriebe Milcherzeugung tagte am 2. und 3. März 2018 im osthessischen Hohenroda.

Im Jahr 2017 lagen die Milchpreise erfreulicherweise über denen der beiden Vorjahre. Dies schaffte auf vielen Milchviehbetrieben die Grundlage, den Fokus in der Betriebsführung vom Managen der angespannten Liquidität wieder vermehrt auf das Tagesgeschäft und die Produktionstechnik zu legen. Das Jahr 2018 startete jedoch wieder mit sinkenden Milchpreisen. Es wird also weiterhin eine Herausforderung bleiben, am volatilen Milchmarkt bestehen zu können. So der Tenor der 275 Teilnehmer des DLG-Forums Spitzenbetriebe Milcherzeugung am 2. und 3. März 2018 im osthessischen Hohenroda.
 
Die Betriebszweigauswertung auf Vollkostenbasis, an der sich in diesem Jahr 285 Betriebe beteiligt haben, liefert wertvolle Hinweise, um die Milcherzeugung zu optimieren und Reserven aufzudecken. Dr. Stefan Weber von der LMS Agrarberatung Rostock verdeutlichte zum Konferenzauftakt, welche Hürden im vergangenen Wirtschaftsjahr 2016/2017 zu überwinden waren und welche Potenziale es in Zukunft zu nutzen gilt. Nach zwei, insbesondere durch den niedrigen Milchpreis bedingten Wirtschaftsjahren mit negativen kalkulatorischen Betriebszweigergebnissen, verschaffte das ausgeglichene Ergebnis in 2016/17 vielen Betrieben wieder Luft. Grund für die „schwarze Null“ war nicht nur der im Vergleich zum vorherigen Wirtschaftsjahr um rund 2,5 Cent pro Liter gestiegene Milchpreis, auch die Direktkosten konnten um einen Cent pro Liter reduziert werden. Reserven sieht Dr. Weber in den Arbeitserledigungskosten. Sie bieten eindeutig einen größeren Hebel in der betrieblichen Optimierung als die Direktkosten. Dies bezieht sich nicht nur auf die Arbeitserledigungskosten im Stall, sondern auch auf die Außenwirtschaft.
 
In einem Arbeitskreis wurde den Arbeitserledigungskosten auf den Grund gegangen. Betriebsleiter Timo Gravert von der Gravert GbR in Schleswig-Holstein diskutierte mit den Teilnehmern, wie man niedrige Arbeitserledigungskosten im Melkroboterbetrieb mit rund 250 Kühen erreichen kann. Deutliches Verbesserungspotenzial sieht Weber ebenfalls in der Umsetzung einer auf den Betrieb abgestimmten Strategie zur Jungrinderaufzucht. In vielen Betrieben werden noch zu viele, zu teuer produzierte Färsen erzeugt.
 
Sind wir in der Züchtung von Milchvieh auf dem richtigen Kurs? Wie können wir erfolgreicher selektieren? Diesen Fragen widmete sich Dr. Stefan Rensing in seinem Vortrag „Zuchtziele auf dem Prüfstand – wo stehen wir jetzt, wo in Zukunft?“. Er sieht eine große Chance in der genomischen Selektion, die es ermöglicht, auch auf der weiblichen Seite zu selektieren und Zuchtfortschritt zu beschleunigen. Milchviehbetriebe können dadurch das genetische Potenzial und damit die Wirtschaftlichkeit ihrer Herde deutlich verbessern und neben einer höheren Milchleistung auch die Langlebigkeit ihrer Kühe steigern. Im anschließenden Arbeitskreis wurde die praktische Umsetzung des genomischen Herdenmanagements vertieft.
 
Das Erfolgsrezept für eine gute Kommunikation erhielten die Teilnehmer von Dr. Stefan Junker, der als Trainer und Psychotherapeut Einblicke in „die Macht der Suggestion“ gab. Suggestion ist ein nützliches Handwerkszeug, um sich zu motivieren und seine Gesprächspartner für gute Ideen und Strategien zu gewinnen. Ein Arbeitskreis widmete sich zudem dem Thema Kommunikation, allerdings mit dem Ziel der Konfliktvorbeugung. Auch die Methode der Mediation (Klärungshilfe) wurde anhand eines betrieblichen Beispiels vorgestellt. Sie ist ein gutes Instrument, um Konflikte aufzulösen und der Eskalation vorzubeugen.
 
Einen Einblick in die Milchviehhaltung in der Slowakei erhielten die Teilnehmer durch den Vortrag von Lars Meyer. Er verantwortet in der Aktiengesellschaft First Farms als Bereichsleiter die Milchviehhaltung. Im Management des 2.500 Kuhbetriebes ist konsequentes Controlling der produktionstechnischen Kennzahlen genauso unerlässlich, wie das monatliche Finanzcontrolling.
 
Im Anschluss an die Konferenz besichtigten die Teilnehmer mit dem Betrieb Rahn/Farr GbR in Büdingen und der Plesse-Milch GmbH und Co. KG zwei Milchviehbetriebe mit spannenden Betriebskonzepten. Andrea Rahn-Farr stellte zuvor auf der Konferenz ihr Betriebskonzept „Milchviehhaltung 4.0“ vor, das sich durch eine konsequent durchautomatisierte Milchviehhaltung auszeichnet.

Quelle: DLG e. V. 

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Foto: DLG e. V.