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Fachartikel
11.05.2011

Lohnt es, in der Schweinemast auf Nachzügler zu warten?

Das aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen bestimmte optimale Mastendgewicht von Schweinen hängt neben den unabänderlichen Randbedingungen (Systemgrenzen der Schlachtunternehmen) auch von der Höhe der Futterkosten pro kg Zuwachs, bestimmt durch die aktuellen Futterpreise und die betriebsindividuelle Futterverwertung ab. Es ist damit für jeden Betrieb einzeln zu optimieren.

In einem gegebenen Gewichtsbereich wird die Futterverwertung entscheidend vom Wachstumspotenzial der Schweine beeinflusst. Mit steigenden täglichen Zunahmen sinkt der Futteraufwand pro kg Zuwachs. Die Wachstumsleistungen der Schweine sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. So lagen in norddeutschen Leistungsprüfungsanstalten 1980 die Tageszunahmen der Sauen bei 826 g. Bis zum Jahr 2008 wurde die Wachstumsleistung der Sauen auf durchschnittlich 874 g gesteigert, die der Kastraten überschritt die 1.000 g Marke (vit, 2009). In der landwirtschaftlichen Praxis wird dieses Leistungspotenzial moderner Herkünfte jedoch nicht ausgeschöpft. Nach Auswertungen des Erzeugerrings Westfalen betrugen die durchschnittlichen Tageszunahmen in seinem Einzugsbereich im gleichen Jahr 732 g und lagen damit fast 20 % unter denen der Mastprüfungsanstalten. Suboptimale Haltungs- und Fütterungsbedingungen lassen in der landwirtschaftlichen Praxis optimale Leistungen häufig nicht zu. Hohe Mastendgewichte bei hohen Muskelfleischanteilen sind jedoch anzustreben, da sie zum einen die Kosten für das zugekaufte Ferkel relativieren, zum anderen Ausschlachtung und Anteil wertvoller Teilstücke verbessern.

Jedoch sind auch zwischen landwirtschaftlichen Betrieben große Unterschiede in den Tageszunahmen zu verzeichnen. Um einen Überblick über die Entwicklung von Tageszunahmen und Futterverwertung in der Endmast in modernen Schweinemastanlagen zu erhalten, wurden auf fünf Betrieben Tiere während der Ausstallphase gewogen, um die tatsächlich realisierten Tageszunahmen zu den einzelnen Verkaufsterminen zu erfassen. Die Betriebe wurden so ausgewählt, dass aufgrund der Mastgruppengrößen betriebsindividuelle Auswertungen möglich waren.

Insgesamt gingen 2599 Mastschweine in sieben Mastdurchgängen in die Untersuchung ein. Zu jedem Ausstallungstermin wurden alle Schweine gewogen, um die durchschnittliche Futterverwertung der jeweiligen Bucht zu erfassen. Für die verkauften Tiere wurden Tageszunahmen ab Einstalldatum, Ausschlachtung und Indexpunkte ermittelt. Für die im Stall verbliebenen Tiere wurden die Tageszunahmen zwischen den Verkaufsterminen bestimmt.

Management in der Endmast
Das Mastmanagement unterschied sich erheblich zwischen den Betrieben. Die Ferkel wurden je nach Betrieb mit 25,5 kg, 27 kg, 28 kg, bzw. 29,5 kg eingestallt. Das angestrebte Ausstallgewicht lag in vier Betrieben bei 118 kg. Ein Betrieb stallte jedoch nach einer Mastdauer von 100 Tagen zum ersten Mal, und dann im Abstand von zwei Wochen alle Tiere ab jeweils 107 kg Lebendgewicht aus. So schwankte auch die Anzahl der Verkäufe je nach Betrieb von drei bis zu fünf Terminen mit Mastdauern von 95 bis 156 Tagen.

Die durchschnittlichen Tageszunahmen ab Einstallung lagen bei den Schweinen des ersten Verkaufstermins bei Lebendgewichten von 114 bis 134 kg zwischen 829 und 1102 g und damit auf einem sehr hohen Niveau. In allen Durchgängen waren Tageszunahmen ab Einstalltermin zum ersten Verkaufstermin am höchsten und sanken im Verlauf der weiteren Mastperiode (Abb. 1). Wie in Abbildung 1 ersichtlich verläuft der Rückgang der Gewichtsentwicklung im Verlauf der Mast nicht immer linear. In drei der sieben Durchgänge ist ein großer Abstand zwischen den Tieren des ersten Verkaufstermins und den weiteren Terminen zu erkennen, wo hingegen in einem Betrieb ein deutlicher Rückgang der Tageszunahmen zum dritten Verkaufstermin hin ersichtlich ist.
Von Verkaufstermin zu Verkaufstermin sind allerdings große Schwankungen in den Tageszunahmen der verbleibenden Tiere zu verzeichnen. Im Allgemeinen sinken die Tageszunahmen, teilweise bis auf Werte unter 500g. Bei Betrieb 1 steigen jedoch die Tageszunahmen im ersten Durchgang nach dem vierten Verkaufstermin nochmals um 54 g auf 738 g an. Gleiches gilt für den Betrieb 3, auf dem zum ersten und zweiten Verkaufstermin die Tageszunahmen lediglich 528 g betrugen, dann zum nächsten Verkaufstermin auf 869 g stiegen. 

Die Futterverwertung wurde bei vier Mastdurchgängen erfasst, jeweils als Durchschnitt für eine ganze Mastgruppe. Der in Abb.2 dargestellte Futteraufwand berücksichtigt die Mast nach dem ersten Ausstalltermin. Im weiteren Verlauf der Mast ist jeweils die Futterverwertung ab dem letzen Ausstalltermin erfasst. Diese differierte zwischen den Betrieben erheblich, wurde jedoch in allen Betrieben im Verlauf der Mast höher und lag in einem Fall nach 153 Masttagen bei 4,34 kg Futter pro kg Zuwachs (Abb.2). 

Bei Ausschlachtung und Indexpunkten war kein Zusammenhang zur Mastdauer zu erkennen. Die Ausschlachtung variierte im Wesentlichen zwischen Betrieben und Durchgängen zwischen 76,5 und 84,7 %. Diese beiden Extreme wurden bei aufeinander folgenden Terminen im gleichen Mastdurchgang registriert. Zwei Werte um 70 % fielen aus dem Rahmen, hier lag das Gewicht der Mastgruppen bei durchschnittlich 134 kg. Bei den Indexpunkten pro kg Schlachtgewicht war ein kein Zusammenhang zur Mastdauer bzw. zum Schlachtgewicht zu erkennen.

Deutlich ist jedoch der Einfluss des Lebendgewichts auf die Ausschlachtung, die in einem Betrieb untersucht wurde. Pro kg höheres Lebendgewicht verbesserte sich die Ausschlachtung um 0,425 % (p<0,05). Insgesamt konnten 40 % der Variationen der Ausschlachtungsergebnisse auf das Lebendgewicht zurückgeführt werden.

Auf die Indexpunkte hatten weder Lebendgewicht noch Mastdauer einen Einfluss, wohl aber das Geschlecht. Bei 585 untersuchten Tieren hatten die weiblichen Tiere mit 1,041 signifikant höhere Indexpunkte pro kg Schlachtkörpergewicht als die Kastraten mit 1,000 Indexpunkten.

Fazit
Die Untersuchung zum Management der Endmastphase lässt große Unterschiede zwischen den Betrieben erkennen. In allen Betrieben wurden die Tiere in mehreren Partien verkauft, wobei die Anzahl der Verkaufstermine zwischen drei und fünf schwankte. Dadurch ergab sich zum Teil eine sehr lange Zeit von bis zu 41 Tagen vom ersten bis zum letzen Verkaufstermin, in der der Stallplatz aufgrund der noch verbleibenden Schweine nicht optimal genutzt werden konnte. Da mit zunehmender Mastdauer die Tageszunahmen sinken und der Futteraufwand pro kg Zuwachs steigt, könnte durch ein strafferes Ausstallmanagement die Effizienz der Schweinemast verbessert werden.  Dies gilt vor allem, wenn die Tageszunahmen auf unter 500 g sinken.

Die von vier Betriebsleitern angestrebten Verkaufsgewichte von 118 kg wurden im Durchschnitt der Verkaufsgruppe in 23 von 28 Schweinegruppen überschritten, zum Teil um mehr als 10 %. Dies bestätigt die Empfehlung der Beratung, die Verkaufsgewichte durch Kontrollwiegungen zu optimieren.

<media 2673>Die Grafiken und Abbildungen können Sie hier runterladen.</media>


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Autoren:
Mechthild Freitag, Fachhochschule Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft, Soest
Georg Freisfeld, Kristin Fechler, Erzeugerring Westfalen, Senden
Wilhelm Schulte Beckhausen, Agravis, Münster