Foto: Manfred Weber


Dateien zum Download:
Reportage_AG_Ballerstedt.pdf253 K
Betriebsreportage, Grundlagen-Schweine
08.10.2010

AG Ballerstedt – Ein konsequentes „Ja“ zur Schweinehaltung

Der Betrieb Obwohl in der Altmark auf Grund der natürlichen Gegebenheiten die Milchkuh­haltung vorherrscht, finden sich dort auch einige gute und größere Schweine haltende Betriebe. Ein leuchtendes Beispiel stellt die Agrargenossenschaft in Ballerstedt dar. Schon im Jahre 1953 wurden in Ballerstedt die ersten Herdbuchsauen der deutschen Edelschwein­zucht gehalten.

Diese Tradition wurde unter Fritz Grabert über die DDR-Zeit hinweg weiter gepflegt und von Janette Deutsch, die zunächst die Leitung der Schweine­produktion übernahm und vor einigen Jahren auch die Geschäftsführung der Agrar­genossenschaft, mit gleichem Enthusiasmus fortgeführt. Das Unternehmen ist in der Nähe von Osterburg (Landkreis Stendal) angesiedelt und betreibt neben der Schweinehaltung noch Ackerbau auf 690 ha.

Zur Fotogalerie...

Schweinehaltung auf drei Standorten

Auf drei verschiedenen Standorten widmet man sich der Erzeugung von Ferkeln, Mastschweinen und Jungsauen. Im Betriebsteil Storbeck stehen 530 Elterntiere der Herkunft Hermitage (Grundlage die Rasse Large White). Alle erzeugten Ferkel aus diesem Betriebsteil werden dann in die Jungsauenaufzucht (700 Aufzuchtplätze), die Ferkelaufzucht (2200 Plätze) und die Mastabteile (3250 Mastplätze) am Standort Zedau verbracht. Dort befindet sich auch der neu errichtete Schau- und Verkaufsraum für den Jung­sauen­verkauf. Der größte Betriebsteil befindet sich im Dorf Rossau. Hier stehen 1000 Sauen mit der dazu gehörenden Quarantäne und Ferkelaufzucht. Auf diesen Teil des Betriebes konzentrieren sich die folgenden Aussagen.

Nach dem Motto „Lust auf ne Schweinerei“ das als Aufkleber an allen Stalltüren klebt, befindet sich am Standort unter der Leitung von Nick Weirauch, eine hoch motivierte Mannschaft. Mit insgesamt sechs Personen werden die 1000 Sauenplätze, zwei Quarantäneabteile und 3600 Ferkelaufzuchtplätze bearbeitet. Diese auf den ersten Blick sehr gute Personalausstattung ist nach den Worten von Frau Deutsch, die übrigens im Jahr 1999 auch Landwirtin des Jahres des DLZ-Magazins war, unbedingt notwendig, um Urlaub, Wochenenddienst, Nachtdienst, Krankheitsver­tretungen und sonstige soziale Belange abdecken zu können. Innerhalb des Teams hat eine Spezialisierung statt­gefunden, sie sind aber auch in der Lage zeit­begrenzt Arbeiten in den anderen Bereichen abzudecken. Hygiene wird nicht nur im Tierbereich groß geschrieben, sondern drückt sich auch in der vorbildlich gestalteten Hygieneschleuse aus, die nur unter Duschzwang, durchquert werden kann. Zudem ist das Kadaverhaus nur von außen zu leeren, wie auch die Futtersilos nur von außen zu befüllen sind.

Dass die Betreuer ihr Handwerk verstehen, zeigen die in Tabelle 2 dargestellten Leistungen.

Tabelle 2: Leistungsdaten in der Rossauer Herde

Parameter

Einheit

Leistung

Sauenzahl

Zyklusdauer

Umrauscher

IGF je Wurf

LGF je Wurf

Ferkelverluste

Abgesetzte Ferkel/Sau

Stk.

Tage

%

Stk.

Stk.

%

Stk.

905

147,2

16

13,5

12,4

14,8

26,0

 

In Rossau werden die ca. 1000 Sauen im Drei-Wochenrhythmus mit vier Wochen Säugezeit betrieben. Somit ergeben sich Gruppengrößen von 140 Tieren, die jeweils zur Besamung anstehen. Die produzierten Ferkel werden alle über die Erzeuger­gemeinschaft Altmark hauptsächlich an feste Abnehmer vermarktet.

Drei Futtermittel für die Sauen – Rapsprodukte willkommen

Da im Betrieb keine Mahl- und Mischanlage vorhanden ist, wird das gesamte Futter  als Fertigfutter schon über einen langen Zeitraum vom gleichen Hersteller zugekauft. Über die Deutsche Tiernahrung Cremer wird in Ballerstedt auch die Fütterungsberatung durch­geführt. „Da die Futtermittel aufeinander abgestimmt sind, kommt es auch beim Futterwechsel zu keinen Problemen“ berichtet Nick Weirauch und rechtfertigt damit den Futterbezug von nur einem Unter­nehmen. Im Sauenbereich wird auf drei verschiedene Futtermittel zurückgegriffen und damit den unterschiedlichen Bedürfnisse der Sauen sowohl in der Zeit der Nieder- und Hochträchtigkeit, wie auch der Säugezeit, Rechnung getragen. Vom Absetzen bis zum 85. Tragetag wird das Tragefutter I (siehe Tabelle 3) eingesetzt.

Alle Futtermittel enthalten ein Enzymmix zum Kohlehydratabbau, organische Säuren und Probiotica

Neben einem hohen Energiegehalt von 12 MJME ist der Roh­protein­gehalt mit 13,5 % sehr niedrig, mit 0,7% die Amino­säureversorgung der Tiere aber gewähr­leistet. Ab dem 85. Tragetag wird auf ein Futter mit 13 MJME und 0,95% Lysin umgestellt, dass gleichzeitig eine höhere Ausstattung mit Calcium und Phosphor besitzt und somit auf den Bedarf der wachsenden Ferkel im Uterus ausgerichtet ist. In beiden Futtermitteln sind je nach Preisrelation von Soja und Raps zwischen 4 und 8% Rapsprodukte (RES und Rapskuchen) enthalten. Nach Aussagen des Anlagenleiters gab es nur gute Erfahrungen mit dem Verfüttern von Rapsprodukten. Aus seiner Sicht könnten auch 10% Rapsprodukte eingemischt werden, wenn damit das Futter günstiger zu erstellen ist. Leider gibt es aber nach Aussagen der Fütterungsberaterin immer noch unbegründete Aver­sionen der Tierhalter und Tierärzte gegen Raps­produkte im Schweinefutter. Die Zuteilung der Futter geschieht konditionsabhängig. Erläuterungen dazu werden weiter unten gegeben.

Mit dem Umstallen in den Abferkelbereich wird dann auf ein Laktationsfutter umgestellt. Besonders wichtig ist Herrn Weirauch dabei die Kotkonsistenz. Daher hat er sich in diesem Haltungsabschnitt für ein Futter mit hoher Energie, aber auch einem höheren Roh­faseranteil von 6,5 % entschieden. Die beim Betriebs­besuch vorgefundene Kotkonsistenz war auch bei den Sauen, die kurz vor bzw. kurz nach der Abferkelung angetroffen wurden, optimal. Daher rät der Osterburger bei Zusammenkünften mit anderen Betrieben diesen, solche Futter im Abferkelbereich einzusetzen.

Im Ferkelaufzuchtbereich greift man in Rossau auf drei Futtermittel zurück. Nachdem in der Abferkelung schon ab dem fünften Tag eine hochverdauliches und energie­reiches Futter in kleinen Mengen angeboten wird, folgt darauf ein mit aufgeschlossenen Getreiden und 8,5 % Molkepulver versehenes Futter, dass ebenfalls hoch verdaulich und dem Bedarf der Ferkel in diesem Alter angepasst ist. Zudem sollen mit einem Anteil von Fischölen die Akzeptanz gesteigert werden. Im Folgefutter ist der Aminosäurengehalt, wie auch der Molkeanteil leicht reduziert, aber auch dort werden aufgeschlossene Getreideanteile genutzt. Das in der dritten Aufzuchtphase gefütterte Futter beinhaltet dann keine Milchbestandteile mehr, da die Ferkel in dieser Zeit bereits in der Lage sind allein aus pflanzlichem Protein ihren Bedarf zu decken. Allen Ferkelfuttermitteln sind zur Darmstabilisierung und Verdaulichkeits­verbesserung organische Säuren, Probiotika und NSP-spaltende Enzyme zugesetzt. Die Ferkelversorgung ist somit als optimal zu bezeichnen.

Futterhygiene wird großgeschrieben

Im Hinblick auf eine optimale Futterhygiene weist Nick Weirauch insbesondere auf die Silohygiene hin. Nachdem es in den letzten Jahren mangels Mannloch an den Silos sehr viel Mühe machte diese zu reinigen, hat man sich in Ballerstedt in diesem Jahr dazu entschlossen solche Mannlöcher nachrüsten zu lassen und alle Silos einer professionellen Reinigung zu unterziehen. „Ausgezahlt hat sich diese Maßnahme schon jetzt, da nach jedem Durchgang die Silos viel einfacher grob zu reinigen sind“ stellt der Anlagenleiter schon nach drei Monaten fest.

Quarantäne für Jungsauen obligatorisch

Mit einem Alter von etwa 180 Tagen kommen die neu in die Herde einzuführenden Jungsauen aus der Zuchtherde in die Quarantäne nach Rossau. Dort verbleiben sie  unter regelmäßiger intensiver Brunst­beobachtung für 6 Wochen in Gruppenhaltung. Wichtig dabei ist dem Betreuungspersonal auch der direkte Kontakt mit dem Menschen. So lassen sich die Tiere auch in der weiteren Zeit viel besser handhaben. In den sechs Wochen sollen sich die Schweine 5-6 mm Speck anfressen, damit sie zur ersten Besamung (ca. 240-250 Lebenstag) eine ausreichende Kondition besitzen. Sowohl bei Jungsauen, als auch bei den Altsauen wird die gesamte Palette der Biotechnik eingesetzt, um eine erfolgreiche Besamung hin zu bekommen. Nicht allein aus Kostengründen soll diese Praktik in der nächsten Zeit aber überprüft und ggf. verändert werden, so die Geschäftsführerin. Nach der zweimaligen Besamung, die nach den Empfehlungen von Prof. Uwe Hühn durchgeführt werden (Montag und Dienstag), verbleiben die Sauen noch für 4 Wochen im Deckstall in Einzelhaltung. Trotz der alten Bausubstanz wurde sehr gute Stallluft angetroffen.

Gruppenhaltung mit Rundautomaten schon lange aktuell

Nach der Deckstallperiode haben die Tiere einen kurzen Weg zum Wartestall. Insgesamt zwei mit je 288 Plätzen gibt es davon in Rossau. Bestehende Altgebäude erhielten dazu vor einigen Jahren eine neue Inneneinrichtung. Gruppenhaltung war schon damals, vor der gesetzlichen Forderung, unbedingt gewollt. Die Tiere stehen in 16er Gruppen (wegen der Übersichtlichkeit nicht größer) am Rundautomaten, die in Reihe in der Mitte der Bucht angeordnet und mit Fressplatzteilern versehen sind, so dass alle Sauen gleichzeitig fressen können. Über Dosatoren , die über den Rundautomaten hängen, ist eine reduzierte Fütterung der Gruppe möglich. Zwischen 3,2 und 3,8 kg bekommen die Sauen je nach Kondition. Bei acht bis neun Buchten je Sauengruppe lassen sich die Sauen sehr gut konditionsabhängig einstallen. Davon konnte man sich beim Betriebsrundgang vor Ort überzeugen.

Intensive Betreuung der Neugeborenen ist Pflicht

Am 105. Tragetag werden die Sauen in den 2003 neu gebauten Abferkelstall (vorher mussten alle Sauen nach Ballerstedt gefahren werden) überführt. Dieser Neubau brachte deutliche Ersparnisse hinsichtlich Arbeitszeit, aber auch deutlich geringeren Stress für die Sauen. Große Aufmerksamkeit wird im Stall der Geburtsphase geschenkt. Neben einer obligatorischen Abferkelwache (auch Nachts), die die Ergebnisse deutlich verbessert hat, werden alle Ferkel unmittelbar nach der Geburt, die zur Reduzierung des Geburtenzeitraumes spätestens am 114. Tag eingeleitet wird, mit Sägespänen trocken gerieben, an das Gesäuge angelegt und verirrte Ferkel  auf die Fußbodenheizung im Ferkelnest gelegt. Diese werden vor der Geburt auf optimale Temperaturen mittel Infrarotthermometer (mind. 39°C) überprüft und notfalls nachjustiert. Weitere Maßnahmen sind:

1. Tag: orale Eisengabe und Abschleifen der Eckzähne wenn nötig

3. Tag: Kastration mit Schmerzlinderung

ab 5. Tag: Zufüttern von Prestarter

10. Tag: Eiseninjektion (1ml Ursoferan)

Ein Wurfausgleich erfolgt bei Bedarf, der aber bei 120 Sauen unumgänglich ist. Bei Würfen mit sehr kleinen Ferkeln wird ab dem ersten Tag über einen eingestellten Trog Elektrolyte verabreicht.

Die Ferkelaufzucht wird in Altgebäuden (ohne Heizung) im Nürtinger System durchgeführt. Allerdings hat man in den Ferkelkisten anstatt der Warmluftgebläse Wastraelemente (Warmwasser-Aluprofile) nachge-rüstet. Hintergrund ist die seit vier Jahren erfolgte Wärmelieferung einer nebenstehenden Biogasanlage. Allerdings können im Winter nicht die benötigten 420 KW sondern nur 230 KW geliefert werden, so dass auch im Wärmemanagement Sparsamkeit angesagt ist. Eine Zonenheizung ist dazu natürlich besonders geeignet.

Einspar- und Verbesserungsmöglichkeiten sieht das Rossauer-Team in folgenden Bereichen:

  • Einsparung der Kosten für die Biotechnik
  • Reserven in den Zunahmen im Flatdeck (bisher ca. 430 g)
  • Erhöhung der Wärmelieferung durch größeren Wärmetauscher in der Biogasanlage
  • Einsatz von höheren RES-Anteilen evtl. auch in Säugefutter

Ich danke dem Schweineteam der AG Ballerstedt für die ausführlichen Informationen und die ehrlichen Einblicke in ihre Arbeit.