
Der Betriebsleiter Helge Haase Fotos: K. Mahlkow-Nerge

Milchkühe werden in zwei Boxenlaufställen gehalten

Kuhkomfort

Kälber in überdachten Einzeliglus.

Vorwartehof

Blick in den Melkstand

Das Stroh aus der Grassamenvermehrung ist ein wertvoller Rationsbestandteil

Rapsschrot und Rapskuchen dienen als Eiweißergänzung

Der wichtigste Gradmesser ist die tägliche Futteraufnahme der Tier

Die Autorin Katrin Mahlkow hilft am Wochenende mit
Hohe Milchleistungen sind nur bei bestem Futter möglich
Wie mit der Bereitstellung von bestem Grundfutter "Top Milchleistungen" erzielt werden können, erfahren Sie in unserer aktuellen Betriebsreportage. Betriebsleiter Helge Haase aus dem nördlichen Weesby in Schleswig-Holstein berichtet uns seine Erfolgfaktoren.
Der Boden ist mit seinen eher 20 als 35 Bodenpunkten das, was man bei kräftigem Wind – und den gibt’s hier im Norden eigentlich immer reichlich - schon mal davonfliegen sieht. So karg, wie dieser Geestboden ist, so karg bezeichnen viele auch diesen Landstrich. Wenn man hier aber eines kann, dann Milchkühe halten.
Geschichte des Betriebes
Der Milchkuh- und Futterbaubetrieb, über den nachfolgend berichtet werden soll, hat mittlerweile eine über 50-jährige Geschichte. Er war der erste Erprobungsbetrieb der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, verfügte im Gründungsjahr 1957 über 20 ha und einen Tierbestand von 35 Kühen, 12 Jungrindern, 10 Kälbern und 100 Mastschweinen je Mastperiode, also insgesamt 49 Großvieheinheiten.
Das Erprobungsvorhaben der Landwirtschaftskammer stand damals unter dem Motto: der 20 Hektar-Ein-Mann-Betrieb – eine wahrhaft enorme Herausforderung zu der damaligen Zeit.
Der Betrieb heute
Seitdem hat sich der Betrieb erheblich verändert und verfügt derzeit über eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 192 ha. 1/3 davon dient der Grassilagebereitung; der überwiegende Anteil wird zur Maissilageherstellung genutzt. Des Weiteren werden ca. 60 ha Getreide angebaut, nicht zuletzt wegen der benötigten Strohmenge.
Bis zum Sommer 2007 verfügte der Betrieb über eine Milchquote von knapp einer Million kg. Im September 2007 wurde das Quotenvolumen aufgestockt, so dass derzeit 200 Milchkühe zum Betrieb gehören und bis vor kurzem auch 350 Kälber und Jungrinder. Die Jungrinderaufzucht ist dann im Herbst 2008 ausgelagert worden. Die Kälber werden 14 Tage nach der Tränkeperiode in einen 15 km entfernten Aufzuchtbetrieb gebracht und kommen hochtragend ca. 6-8 Wochen vor der ersten Kalbung wieder zurück.
Betriebsspiegel
Helge Haase, Norderheide 6, 24994 Weesby
Tel.: 04605/491, Email: Helge.Haase(at)t-online.de
Natürliche Verhältnisse | Höhe über NN: 10 |
Betriebsgröße und Nutzung | LN: 192 ha, davon 71 ha Eigentum |
Tierbestand | Bis Sommer 2007: |
Arbeitskräfteausstattung | 1,0 AK Betriebsleiter |
Gebäude | Milchkühe: |
Maschinen und Geräte | Futtermischwagen: 14 m3 |
Fruchtbarkeit
ZKZ: 422 Tage
RZ: 105
Güstzeit: 145
BI: 1,8
EKA: 26 Monate
Künstliche Besamung: 100 %
seit 2007 Eigenbestandsbesamung
Auswahlkriterien für Genetik
- Abstammung, Fruchtbarkeit, Gesundheit, Langlebigkeit und RZE
- RZG und RZM
Haltung der Tiere
Die Milchkühe werden in 2 Boxenlaufställen, der eine Baujahr 1987 (alter Kuhstall), mit 90 Liegeplätzen und Spaltenboden (seit 2008 mit Gummiboden ausgelegt), der andere Baujahr 2005 (neuer Kuhstall), mit 100 Liegeplätzen und planbefestigtem Boden (Gussasphalt), gehalten.
Im alten Kuhstall sind vor einigen Jahren die Seitenwände herausgenommen worden, um deutlich mehr Licht und vor allem Luft in den Stall hineinzubekommen.
Der neue Stall ist in Offenbauweise erstellt worden: 5 m hoher First, offene Seitenwände, die ggf. durch Jalousien geschlossen werden können.
Die Liegeboxen sind alle als Tiefboxen ausgestattet und werden täglich mit Häckselstroh frisch eingestreut.
Auf Kuhkomfort, besonders auf viel Licht, gute Luft und beste Liegeboxenbedingungen sowie ausreichend Tränkwasser wird hier großer Wert gelegt.
Die Tränkwasserversorgung erfolgt über Kipptränken aus reinigungsfreundlichem, glatten Acryl. Jeweils 2 dieser 1,50 m breiten Tränken stehen 50 Kühen zur Verfügung. Diese Tränken haben einen Sensor außerhalb des Beckens, der über eine elektronische Steuerung den Wasserzulauf regelt. Damit verzichten die Tränken auf einen ansonsten oft sehr verschmutzenden, schwer zugänglichen Schwimmer. Sie haben darüber hinaus »runde Ecken«, was die Reinigung sehr erleichtert. Zudem lassen sich die Tränken im Vergleich zu anderen Tränken durch den geringen Wasservorrat (Wasserspiegel ~ 10 cm) wassersparend reinigen – alles Eigenschaften, die das tägliche Reinigen der Tränken erleichtern und zeitsparend und bequem ermöglichen.
Solche Details nehmen vor allem dann an Bedeutung zu, wenn man mit Mitarbeitern arbeitet, denn wenn Arbeitsschritte nicht gerne und nur mit großem Widerwillen erledigt werden, so ist die Gefahr groß, dass sie deshalb nicht konsequent und regelmäßig erledigt werden. In der konsequenten Ausführung der notwendigen Arbeiten aber liegt ein Großteil des Erfolges.
Da der Betrieb weiter wachsen will, wird auch die im Jahr 2007 gebaute Halle zukünftig Milchkühe beherbergen.
Die hochtragenden Färsen und trockenstehenden Kühe befinden sich in einem 1994 gebauten Boxenlaufstall mit Spaltenboden und Hochboxen.
Die Kälber werden in den ersten 14 Tagen in Einzel-Iglus unter Außenklimabedingungen und anschließend bis zur Auslagerung in den Aufzuchtbetrieb in einem Offenfrontstall mit Einstreu (~12 Kälber je Gruppe) gehalten. Alle Kälber erhalten während der 10-wöchigen Tränkeperiode Vollmilch (mit Ameisensäure angesäuert und mit Vollmilchergänzer aufgewertet).
Die Tränke aller Kälber erfolgt ausnahmslos über Eimer. Als sehr gute, körperlich leichte und schnelle Lösung hierfür erweist sich das H&L-Milchtaxi - ein Edelstahltank auf Rädern, mit dem die Kälbermilch aufgerührt und dosiert wird.
Die Tränkemengen belaufen sich auf 3 bis 7 l je Kalb am Tag.
Da die Vollmilch speziell den Eisenbedarf kleiner Kälber nicht ausreichend decken kann, wird sie mit Vitaminen, Spurenelementen (besonders Eisen) und verdauungsfördernden Wirkstoffen aufgewertet (Vollmilchaufwerter SALVANA K). Der hauptsächliche Grund für den Einsatz dieses Produktes ist für den Landwirt neben der guten Qualität vor allem auch die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Hersteller.
Leistungsentwicklung
Jahr | Milch, kg | Fett, % | Eiweiß, % | Ø Kuhzahl, Stck. |
1998 | 10900 | 3,89 | 3,29 | 100 |
2002* | 9472 | 3,75 | 3,36 | 115 |
2003 | 11202 | 3,46 | 3,2 | 107 |
2004 | 10417 | 3,61 | 3,2 | 102 |
2005 | 10316 | 4,03 | 3,28 | 102 |
2006 | 10771 | 3,87 | 3,2 | 101 |
2007 | 11631 | 3,54 | 3,14 | 112 |
2008** | 10155 | 3,69 | 3,2 | 163 |
*April 2000 – Oktober 2001: Kooperation mit Nachbarbetrieb, November 2001: Auflösung der Kooperation
**Herbst 2008: Herdenaufstockung (Zukauf einer Herde von 80 Tieren)
Fütterung Milchkühe
Seit 1990 werden alle Tiere mit gemischten Rationen versorgt. Der eingesetzte Futtermischwagen ist seit jeher ein 3-Schnecken-Horizontalmischer der italienischen Firma Gilioly. Das erste Fabrikat leistete ununterbrochen seit 1990 seine Dienste bis zum Januar 2009. Seit einem Monat ist nun ein Nachfolger im Einsatz- gleiches Fabrikat, nur zwei Nummern größer: 14 m3. Warum sich der Landwirt für dieses Modell der gleichen Firma entschied, lag zum einen an der Qualität und dem Durchhaltevermögen des letzten Mischwagens.
Die Erfahrungen waren durchweg sehr gut, besonders aufgrund der ungewöhnlich langen Nutzungsdauer. Zudem neigt der Mischwagen nicht zum Musen, zeichnet sich aber durch eine sehr gute Mischgenauigkeit und eine leichte Handhabung aus. Bei den laktierenden Kühen war es viele Jahre eine Teil-Mischration, unter Beibehaltung der Kraftfutterabrufanlagen. Im Jahr 2002 erfolgte dann die Umstellung auf eine Voll-TMR (ganzjährige Stallhaltung/Silagefütterung).
Bis zum Herbst 2007 wurde die gesamte laktierende Milchkuhherde als eine Gruppe gefüttert (7,2 MJ NEL/kg TM, für > 35 kg Milch ausgelegt bei 20 kg TM-Aufnahme). Ab Herbst 2007 – mit der Herdenaufstockung – wurde eine 2. Fütterungsgruppe eingerichtet. Ca. 120 Kühe befinden sich in der Gruppe 1, der Hochleistungsherde. Die restlichen ca. 60 Tiere bilden die Gruppe 2, die Niedrigleistungs- bzw. Altmelkergruppe.
Futterrationen der laktierenden Kühe
Die Futterrationen für die laktierenden Kühe sind im Betrieb schon immer maisbetont gewesen, weil Mais eine leicht silierbare Futterpflanze ist, die nahezu immer eine sehr gute Silagequalität erzielen lässt. Maissilage ist das preiswerteste, energiereichste Grundfutter im Betrieb, die Ernte ist unproblematisch und der Landwirt erhält für all seine Maisflächen eine Ackerprämie. Damit die notwendige Strukturversorgung sichergestellt werden kann, werden grundsätzlich zwischen 800 und 1000 g Stroh in die Rationen eingemischt.
Dabei handelt es sich nicht um Getreidestroh, sondern um Stroh aus der Grassamenvermehrung. Dieses zeichnet sich durch eine hervorragende Akzeptanz bei den Tieren aus und wird daher, obwohl es nicht kurz gehäckselt ist, sehr gut aufgenommen.
Durch den großen Maissilageanteil muss eine entsprechende Eiweißergänzung der Ration erfolgen. Dieses geschieht – vor allem aus Kostengründen – zum größeren Teil mit Rapsschrot und –kuchen. Letzterer wird v.a. wegen seines hohen Energiegehaltes geschätzt. Um bei dieser hohen Leistung der Tiere – zumindest in der Hochleistungsgruppe - eine ausreichende nXP-Versorgung der Tiere zu gewährleisten, setzt Herr Haase hier immer zwischen 1 und 1,5 kg geschützte Eiweißträger ein. Auf Sojaschrot will der Landwirt, trotzdem die Energie- und Eiweißlieferung deutlich teurer ist als beim Rapsextraktionsschrot, wegen des Aminosäuremusters und wegen der etwas höheren RNB nicht ganz verzichten.
Die dann noch fehlenden Kraftfutter-Energieträger bilden Getreide und Trockenschnitzel. Der Trockenschntzelanteil ist dabei doppelt so hoch wie der Getreideanteil, da die gesamte Ration ohnehin schon aufgrund der hohen Maissilagenmenge sehr stärkereich ist. Beim Getreide setzt der Betriebsleiter seit Jahren ausschließlich auf Roggen – die preiswertere Alternative zum Weizen und nach seinen Erfahrungen mindestens genauso gut.
Als einziger Futterzusatz – und auch nur in der Hochleistungsgruppe - kamen in der Vergangenheit 300 g eines geschützten Futterfettes (BERGAFAT: ein rein pflanzliches Produkt aus Palmfett) zum Einsatz. Diese zusätzliche Ausgabe war dann aber im Jahr 2009 dem niedrigen Milchauszahlungspreis „zum Opfer gefallen“. Seitdem enthält die Ration keinen einzigen Futterzusatz mehr.
Alle Kraftfutterkomponenten werden von zwei namenhaften, in der Region ansässigen Mischfutterherstellern, bei denen die Futtermittel einer ständigen Qualitätskontrolle unterliegen und zu denen Herr Haase seit Jahren ein vertrauensvolles Verhältnis hat, zugekauft.
Auch wenn solche Rationseckparameter „nur“ berechnete Werte darstellen und durchaus von der täglichen Realität abweichen können, ist zumindest die Ration für die Hochleistungsgruppe seitens der Strukturlieferung (strukturwirksame Rohfaser, ADF, NDF) grenzwertig. Dessen ist sich Herr Haase bewusst.
Deshalb legt er auch sehr großen Wert auf die Reaktion seiner Tiere, speziell die Entwicklung des Milchfettgehaltes, auf das Wiederkauverhalten, die Kotkonsistenz und das Aussehen der unverdauten Bestandteile. Zudem haben die Tiere aber auch noch die Möglichkeit, aus der täglich frischen Einstreu der Boxen einen Teil ihres Strukturbedarfes zu decken, wenn es doch mal zu knapp werden sollte.
Weiterhin gewinnt gerade dann, wenn Rationen so „knapp an der Kante“ gefüttert werden, die Rationskonstanz eine große Rolle. Deshalb werden täglich alle geladenen Futtermengen jeder einzelnen Komponente notiert. Dieses Vorgehen- das Führen eines Mischprotokolls – ist umso bedeutungsvoller, je mehr (wechselnde) Personen mit dem Füttern der Tiere beschäftigt sind. Solche Mischprotokolle animieren jeden, der im Betrieb füttert, wesentlich stärker die Rationsvorgaben auch tatsächlich einzuhalten.
Solche „theoretischen“ Rationsberechnungen verdeutlichen immer „nur“ den Start für die Fütterungssaison. Wie die Qualität der eingesetzten Gras- und Maissilagen dann tatsächliche „füttert“, kann kein Labor exakt ermitteln, das weiß nur das Tier allein. Und genau das gilt es dann herauszufinden. Entsprechend der Reaktionen der Tiere auf diese Fütterung erfolgt dann das „Feintuning“, wenn nötig auch mal mehrmals innerhalb kurzer Zeiträume, bis die Milchinhaltstoffe (Fett und Eiweiß; Zielwerte: 3,8-3,9 % Fett, 3,3-3,4 % Eiweiß bei einer Milchleistung von ~10.000 kg) und vor allem der Kot – als Spiegelbild der Verdauung – wieder in die gewünschte Richtung eingehen.
Sowohl das Wiederkauverhalten, als auch die Kotkontrolle erfolgen immer nur „im Vorbeigehen“, dafür aber mehrmals täglich: bei der Brunstbeobachtung, beim Zusammentreiben der Tiere zum Melken, beim Melken selbst und bei jedem Futter heranschieben.
Als weiteres Controlling-Instrument diente in der Vergangenheit auch die Körperkonditionsbeurteilung der Kühe und Färsen. Ein Jahr lang wurde diese regelmäßig alle 1 bis 2 Monate durchgeführt und ergab mit großer Konstanz, dass der größte Anteil der Tiere optimal konditioniert war.
Der Landwirt hat ein gutes und sicheres Gefühl bzgl. des Fütterungs- und Gesundheitszustandes seiner Herde, aber auch des notwendigen Zeitpunktes zur Umgruppierung einzelner Tiere von der Hoch- in die Niedrigleistungsgruppe. Deshalb verzichtet er nun auf die monatliche konkrete Beurteilung der Körperkondition. Er hat es ja im Blick und im Griff.
In speziellen Situationen, wenn z.B. eine neue Maissilage angebrochen wird und die Tiere daraus unerwünscht reagieren oder aber wenn die Milchinhaltstoffe unerklärlich sinken, bedient sich der Betriebsleiter auch bestimmter Stoffwechseluntersuchungen. Dann werden speziell Harnproben von Tiere, vordergründig aus der Hochleistungsgruppe, gewonnen, um besonders Parameter zur Beurteilung des Säure-Basen-Haushaltes abzuklären.
Der wichtigste Gradmesser zur Beurteilung der Fütterung aber ist die tägliche Futteraufnahme der Tiere. So legt, wie bereits oben erwähnt, der Betriebsleiter großen Wert auf die regelmäßige Erfassung der tatsächlich vorgelegten Futtermengen (Futtermischwagen mit Waage). Die täglich in den Futtermischwagen geladenen Mengen aller Komponenten werden handschriftlich in einem Kalender, der im Beladefahrzeug liegt, erfasst und regelmäßig in einer Excel-Datei ausgewertet. Hierdurch werden relativ schnell Entwicklungstendenzen sichtbar.
Herr Haase passt immer die täglichen Belademengen dem aktuellen Fressverhalten der Tiere an, um einerseits den Tieren allzeit Futter anzubieten, andererseits aber auch um massiv Futterreste zu vermeiden. Wenn Futterreste anfallen, werden diese entsorgt, nicht aber an Jungrinder und schon gar nicht an trockenstehende Kühe verfüttert.
Dieses „Füttern auf den blanken Futtertisch“ erfolgt mit großem und jahrelang erarbeitetem Fingerspitzengefühl und ist nicht für jeden anderen Landwirt empfehlenswert. Aber in diesem Betrieb hat es sich bewährt. Der Erfolg gibt Herrn Haase recht.
Neben der zumindest für die Hochleistungstiere zweimalig frischen Futtervorlage wird dem mehrmalig täglichen Futter nachschieben (mit einem Motorbesen) – um 22 Uhr letztmalig - eine große Bedeutung für die Futteraufnahme der Tiere beigemessen. Zwar ist für die Zukunft geplant, dass dieses ein automatischer Futterschieber (Lely) erledigen soll, aber derzeit bleibt auch diese Investition „dank“ der niedrigen Milchpreise erst einmal ausgesetzt.
Nicht zuletzt schafft das tägliche Säubern der Futtertische ebenfalls gute Bedingungen für eine höchstmögliche Futteraufnahme.
Trockensteher
Die trockenstehenden Kühe werden in 2 Gruppen gehalten, um einerseits den Früh-Trockenstehern eine energiearme Ration anzubieten und zum anderen die Tiere in den letzten 14 Tagen vor der Kalbung energie- und nährstoffreicher zu füttern und sie somit auf die Ration nach der Kalbung bestmöglich vorzubereiten.
Die Ration der Früh-Trockensteher enthält Gras- und Maissilage, Stroh und 80 g eines kalziumfreien Spurenelementminerals, hat 5,7 MJ NEL/kg TM und einen Eiweißgehalt von 12 % i.d.TM.
In der Vergangenheit war dieses auch die Ration für die Jungrinder ab dem 10. Lebensmonat. Zusätzlich bekamen diese Tiere dann noch Viehsalz und Futterkalk. Diese Futterration wird einmal täglich vorlegt und mehrmals herangeschoben.
Die Trockensteher in der Anfütterungsgruppe erhalten dieselbe Ration wie die laktierenden Kühe der Gruppe 2 („Altmelkerration“), weil diese Ration den Nährstoff- und Energiebedarf der Transitkühe recht gut deckt und arbeitswirtschaftlich einfach umzusetzen ist.
Bei der Fütterung der Transitkühe a.p. kommt der Milchfieberprophylaxe die größte Bedeutung zu. Da die Milchfiebergefahr v.a. mit dem Kationen- und hier vor allem mit dem Kaliumgehalt der Ration korrespondiert, lässt sich mit einer möglichst niedrigen Kalium“fracht“ dieser Ration die Milchfieber weitestgehend eindämmen.
Also sind maisbetonte Rationen diesbezüglich deutlich vorteilhafter als Rationen mit großen Anteilen an kaliumreicher Grassilage. Bei Herrn Haase liegt der K-Gehalt dieser Ration aufgrund des sehr hohen Maissilageanteils unter 15 g/kg TM. Somit ergibt sich eine DCAB von nur 75 meq/kg TM. Das ist in Bezug auf eine Milchfieberprophylaxe als sehr vorteilhaft anzusehen.
Klassische Milchfieberfälle, also Kühe, die mit kalten Ohren und seitlich eingeschlagenem Kopf richtiggehend festliegen, gibt es im Betrieb Haase so gut wie keine. Aber grundsätzlich wendet er bei allen Kühen ab der 2.Kalbung prophylaktische eine kombinierte Ca- und Glukose-Infusion an.
Kälber
Die Tränkkälber werden komplett mit Vollmilch und darüber hinaus bereits mit der ersten Lebenswoche mit Heu zur freien Aufnahme und ab der vierten Woche mit der Ration der Niedrigleistungsgruppe versorgt.
Grundfutter ist das A und O
Der wirkliche Dreh- und Angelpunkt – so der Betriebsleiter – ist die Qualität des Grundfutters. Hier steht neben einer möglichst sehr hohen Energiedichte die Gärqualität des Futters im Vordergrund, denn letztere entscheidet mindestens genauso wie der Energiegehalt über die Höhe der Futteraufnahme.
Herr Haase setzt bei seinen Kühen und Kälbern immer die Grassilagen des ersten Schnittes, im Notfall auch mal die des dritten Schnittes ein. Diese haben Energiegehalte > 6,4 MJ NEL/kg TM im 1.Schnitt und > 6 MJ NEL/kg TM in den Folgeschnitten, sind also immer früh geerntet worden. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch sehr gute Gärqualitäten aus, obwohl der Betriebsleiter das Gärsäuremuster nicht analysieren lässt. Die Farbe, der Geruch und das Gefüge der Silagen lässt ihn die Qualität weitestgehend sicher einschätzen.
Großes Augenmerk legt der Betriebsleiter auf die Maissilage als Energieträger und bestimmende Komponente in der Milchkuhration. In den Maissilagen erzeugt er immer höchste Energiedichten (> 6,8 MJ NEL/kg TM), setzt er bei der Wahl der Maissorten doch vordergründig auf den Stärkegehalt, den Trockenmasse- und Stärkeertrag, aber ebenso auf das Abreifeverhalten.
Er wählt geprüfte Sorten mit der Silozahl 200 bis 230.
Um den Stärke-, besonders aber den Energiegehalt im Erntegut und dann in der Maissilage zu maximieren, wird der Silomais seit vielen Jahren im Hochschnitt geerntet. Je nach Sorte und damit Ansatz des Kolbens bedeutet dieses, dass i.d.R. eine 40 bis 60 cm hohe Stoppel stehen bleibt. Kurz gesagt, möchte der Landwirt mit diesem Hochschnittverfahren Wasser, Sand und Fusarien möglichst nicht mit ins Silo einfahren.
Bei der Herstellung der Grassilagen gelten für Herrn Haase grundsätzlich die gleichen Maßstäbe – nämlich höchstmögliche Energiegehalte (Ziel: für den 1.Schnitt: > 6,4 MJ NEL/kg TM, für die Folgeschnitte: > 6 MJ NEL/kg TM) und bestmögliche Gärqualitäten. Kühe fressen nun einmal „über die Nase“; soll heißen: Geruch und Geschmack entscheiden maßgeblich darüber, wie viel die Tiere davon aufnehmen.
Die Grassilagen stammen fast ausschließlich vom Ackergras, welches alle zwei Jahre erneuert wird. Somit ist neben energie-, zucker- und ertragreichen Sorten immer auch eine möglichst dichte Grasnarbe sichergestellt – beste Voraussetzungen für qualitativ hochwertige, rohaschearme Grassilagen.
Alle Neuansaaten werden grundsätzlich gewalzt, die anderen Flächen geschleppt.
Das A und O bei der Silagebereitung ist eine maximal mögliche Verdichtung. Deshalb wird Silomais grundsätzlich kurz gehäckselt, d.h. mit einer theoretischen Häcksellänge von 7 mm. Sollte der Silomais mit mehr als 35 % TM mal etwas zu trocken sein, kann diese Häcksellänge etwas nach unten korrigiert werden. Anders ist es bei eher feuchterem Mais. Sollte dieser mal eher TM-Gehalte um 30 % aufweisen, wird die Häcksellänge eher in Richtung 10 mm eingestellt.
Auch beim Gras richtet sich die Häcksellänge nach dem TM-Gehalt – je trockener, desto kürzer. Bei üblichen TM-Gehalten von 35 % weist die Grassilage im Durchschnitt eine Schnittlänge von 4 cm auf.
Die gesamte Silagebereitung, angefangen vom Mähen übers Häckseln bis hin zum Walzen, ist ausgelagert. Deshalb muss sich der Betriebsleiter sehr auf den Lohnbetrieb verlassen können und legt großen Wert auf erfahrene Mitarbeiter. Er arbeitet bereits seit 20 Jahren mit seinem Lohnunternehmer zusammen.
Dass alle Silagen auf betonierten Siloflächen (die Maissilagen in Horizontalsilos) liegen, und dass diese grundsätzlich besenrein sind, erübrigt sich von selbst.
Neben dem Ziel, so wenig Sand wie möglich mit dem Erntegut ins Silo zu fahren, liegt bei der Gras- und Maissilagebereitung das Hauptaugenmerk darauf, innerhalb von 24 Stunden das entsprechende Silo luftdicht abzuschließen.
Da solch maisbetonte Rationen mit einem hohen Gehalt an Stärke und Zucker immer auch Pansenfermentationsstörungen befürchten lassen, bildet Stroh (Grassamenstroh) einen ganz wichtigen Bestandteil der Ration. Hiermit lässt sich die Strukturversorgung der Tiere sehr gut steuern.
Was sind Helge Haases Erfolgsfaktoren
Er selbst sieht es ganz nüchtern: Nichts Besonderes, was die Futterbereitstellung angeht:
- Intensive Graslandpflege: regelmäßige Neuansaat, intensive Düngung - früher Schnittzeitpunkt zum Rispenschieben (auch Folgeschnitte
< 30 Tagen), - kurze Feldliegezeit (24-h-Silage), - hohe Schlagkraft beim Walzen (schwere Technik),
- sofort und stramm abdecken (Unterziehfolie, Abdeckfolie, Siloschutznetz, ganzflächige Beschwerung mit Reifen und Sandsäcken).
„Bezüglich des Kaufes von Kraftfutterkomponenten entscheiden allein die Nährstoff- und Energiebedürfnisse der Tiere. Der Preis der Zukaufsfuttermittel ist dabei für ihn absolut zweitrangig. Es gibt an sich keine billigen oder teuren Futtermittel. Es gibt nur passende oder unpassende Komponenten. Ausschlaggebend ist doch das, was am Ende durch das Zusammenspiel dieser Futterkomponenten an Leistung und Gesundheit der Tiere möglich ist.“
Vermeintlich billige Futtermittel eher fadenscheiniger Qualität kommen dem Betriebsleiter nicht auf den Hof. Er setzt auf sichere Qualität vom Landhandel in seiner Region. Dabei holt er natürlich Preisangebote ein und wählt dann das günstigste Angebot. Auf keinen Fall springt er zwischen immer wieder neuen Futtermitteln hin und her. Für Herrn Haase zählen: möglichst lange Zeiträume mit gleichbleibenden Rationen stabiler bester Qualität
Auf die abschließende Frage, was ihm darüber hinaus noch wichtig ist, hat Helge Haase schnell die Antwort parat: „Neben der Bereitstellung von bestem Grundfutter sind wohl die wichtigsten Punkte:
- bestmögliche, komfortable Haltung,
- sich bewusst Zeit für die Tierbeobachtung (Aussehen, Verhalten) zu nehmen, um sich anbahnende Krankheiten bereits frühzeitig zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern,
- das, was wir wissen, möglichst jeden Tag gleich bleibend (gilt besonders auch für die Futterration) und v.a. konsequent umzusetzen,
- nach dem Ziel zu leben, die uns umgebenden Tiere in ihrem Verhalten verstehen zu lernen.“
- Alle Maßnahmen dienen einer möglichst stabilen Gesundheit der Tiere – die Grundvoraussetzung für hohe Leistungen bei guter Fruchtbarkeit.
Es gibt viele verschiedene Wege und sicher noch viel mehr unterschiedliche Fütterungsstrategien, um mit Kühen erfolgreich zu leben und zu arbeiten. Aber es gibt Dinge, die jeder Milchkuhbauer beherzigen sollte und dazu gehört in erster Linie die Erzeugung von qualitativ bestem Grundfutter.
Silagebereitung ist vor allem eine Sache des gesunden Menschenverstandes.