Grundlagen-Rinder
29.12.2011

Emissionen aus der Tierhaltung auf der Spur

Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL) hatte zum dritten Mal zur Tagungsreihe „Emissionen der Tierhaltung" vom 6. bis 8. Dezember 2011 nach Kloster Banz in Bad Staffelstein eingeladen. Nationale und internationale Experten referierten in 24 Vorträgen über die Klimagase Methan und Lachgas, die Umweltbewertung tierischer Erzeugung und den Stand der Technik in der Tierhaltung.

Die Tagung wurde durch zahlreiche wissenschaftliche Posterbeiträge bereichert. In ihren Begrüßungsworten betonten Professor Thomas Jungbluth, Universität Hohenheim und Präsident des KTBL sowie Clemens Neumann vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) die Bedeutung der Umweltverträglichkeit der Nahrungsmittelerzeugung tierischer Herkunft für die Akzeptanz der Tierhaltung in  der Gesellschaft.

Im Themenblock „Umweltbewertung tierischer Erzeugung" gab es eine Bestandsaufnahme sowie einen Ausblick zu den Auswirkungen der Tierhaltung weltweit und auf EU-Ebene. Die Bedeutung geeigneter Bewertungsmethoden und Indikatoren für die Umweltbewertung wurde aufgezeigt. Dabei wurde deutlich, dass für die Weiterentwicklung von umweltverträglichen Tierhaltungssystemen einfach erfassbare, aber gleichzeitig ökologisch aussagekräftige Indikatoren eine Grundvoraussetzung sind. Doch wie gestaltet man Bewertungsverfahren, wo liegen die Systemgrenzen, welche Koppelprodukte werden berücksichtigt und für welche Umweltwirkungen sind das Produkt, die Fläche oder der Betrieb geeignete Bezugseinheit?In Beispielen aus verschiedenen europäischen Ländern wurden die Umweltwirkungen der Erzeugung von Milch, Eiern und Fleisch von Rind, Schwein und Hühnern anhand von aktuellen Ökobilanzen dargestellt. Für eine Vergleichbarkeit von Ökobilanzen sind eine stärkere Vereinheitlichung und Transparenz der Bewertungsmethoden dringend nötig. Dies gilt umso vordringlicher, wenn Ergebnisse der Umweltbewertung in Form von Lebensmittel-Label als Hilfsmittel für den Einkauf von umweltverträglichen, tierischen Nahrungsmitteln Verwendung finden.

Die Treibhausgasemissionen der Tierhaltung waren ein weiterer Schwerpunkt der Tagung. Insgesamt umfasst der Beitrag der Tierhaltung zu den Treibhausgasemissionen in Deutschland rund 8 %. Die Grundlagen, wie und wo Methan und Lachgas in der Tierhaltung entstehen, sind weitestgehend erforscht. Der Hauptanteil der Methanemissionen entfällt auf die Wiederkäuerverdauung. Dort können einige Fütterungsoptionen zur Reduktion der Methanemissionen ansetzen, mehr als 10 % erscheinen den Wissenschaftlern aber nicht realistisch. Eine verstärkte Nutzung der Weide nach regionalen Gegebenheiten und entsprechender Infrastruktur, eine effiziente Wirtschaftsdüngerlagerung, -ausbringung und -nutzung bieten weitere Optionen. Bei der Weidehaltung müssen hierzu die Vor- und Nachteile im Einzelfall diskutiert werden, bei der Ausbringung sind eindeutige Entscheidungshilfen wünschenswert, die die komplexen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Bodenparametern und Wirtschaftsdüngern sowie Ausbringungsart und -zeitpunkt berücksichtigen.

Im Themenblock „Stand der Technik der Tierhaltung" wurde der Stand der Revision des Merkblattes zur „Besten verfügbaren Technik (BVT)" in der Intensivtierhaltung von Schweinen und Geflügel vorgestellt. Eine Abstimmung der betreffenden Merkblätter auf europäischer Ebene liegt derzeit noch nicht vor, diese wird für das kommende Jahr erwartet. Die geringe Anzahl neuer Emissionsminderungsmaßnahmen in der Rinder- und Schweinehaltung zeigt, dass hier derzeit kaum geforscht wird, obwohl im Bereich der Haltung von Tieren in offenen Systemen ein erheblicher Bedarf besteht. Einigkeit bestand dahingehend, dass nur durch abgestimmte Messprotokolle, wie sie derzeit auf europäischer und nationaler Ebene erarbeitet werden, vergleichbare Emissionswerte für Haltungsverfahren und Minderungsmaßnahmen ermittelt werden können.Ein Überblick über die Kosten von Minderungsmaßnahmen für Ammoniakemissionen zeigte, dass effiziente und kostengünstige Maßnahmen verfügbar sind.

Die Beiträge der KTBL-Tagung „Emissionen der Tierhaltung" vom 6. bis 8. Dezember 2011 in Kloster Banz sind in der KTBL-Schrift 491 veröffentlicht. Sie sind für 25 Euro beim KTBL-Bestellservice (Tel.: 06151 7001-189, E-Mail: vertrieb(at)ktbl.de) oder im Online-Shop unter www.ktbl-shop.de erhältlich.