Veranstaltungen, Betriebsreportage
14.07.2010

EDF-Kongress 2010: 300 Milcherzeuger aus Europa treffen sich in Saluzzo, Italien

Vom 22. bis zum 26. Juni fand der diesjährige EDF-Kongress in Saluzzo, Italien statt. Etwa 300 Teilnehmer (370 am Eröffnungstag) aus 20 Ländern nahmen am Kongress teil. Die meisten Teilnehmer waren Landwirte, Berater und Wissenschaftler aus Europa. Es kamen aber auch Delegierte aus Argentinien, Australien und den USA. Der Kongress wurde von der neuen italienischen EDF-Gruppe organisiert und in Zusammenarbeit mit CRPA (Research Centre of Animal Production) von den italienischen Landwirten Antonio Bedino und Claudia Morisiasco geleitet.

Vom 22. bis zum 26. Juni fand der diesjährige EDF-Kongress in Saluzzo, Italien statt. Etwa 300 Teilnehmer (370 am Eröffnungstag) aus 20 Ländern nahmen am Kongress teil. Die meisten Teilnehmer waren Landwirte, Berater und Wissenschaftler aus Europa. Es kamen aber auch Delegierte aus Argentinien, Australien und den USA. Der Kongress wurde von der neuen italienischen EDF-Gruppe organisiert und in Zusammenarbeit mit CRPA (Research Centre of Animal Production) von den italienischen Landwirten Antonio Bedino und Claudia Morisiasco geleitet.

Jean Francois Verdenal, EDF-Präsident und Landwirt aus Frankreich, begrüßte die Teilnehmer im Castello Villanova Solaro in Saluzzo. Er freute sich, dass erstmalig der EDF-Kongress in Italien, dem ?Land der 1000 Käsesorten?, stattfand. Verdenal eröffnete den Kongress, indem er erklärte, dass sich die Milchviehhalter nun nach der Milchpreiskrise im vergangenen Jahr verstärkt auf ihre Produktionskosten konzentrieren müssen. Verdenal unterstrich die Bedeutung der intensiven Diskussionen auf dem Kongress: neue Ideen und Konzepte mit Kollegen aus anderen Regionen auszutauschen helfe dabei, den eigenen Betrieb zu optimieren. Aufgrund hoher Weltmarktpreise und sinkender EU-Lagerbestände, geht er von einer Konsolidierung der Milchpreise aus. In Zeiten von unsicheren Preisen und neuen politischen Beschlüssen sollten europäische Milchviehhalter von Kollegen in Ländern wie den USA und Australien lernen, die diese Herausforderungen bereits seit mehreren Jahren bewältigen. Anlässlich des ?Jahres der Biodiversität? unterstrich Verdenal auch die Bedeutung der Biodiversität für Milchviehhalter. Diese hätten einen großen Einfluss auf die Biodiversität  und sollten sie daher durch nachhaltige Bewirtschaftung fördern.

Umgang mit zukünftigen Herausforderungen

Richard Doyle, Präsident der ?International Dairy Federation? (IDF), konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die zukünftigen Herausforderungen der Milchindustrie. Die größte Herausforderung sei die Anpassung der Milcherzeuger an volatile Milchpreise sowie die Information von Verbrauchern über Milch als gesundes Nahrungsmittel. Milchviehhalter und Milchverarbeiter müssen sich den neuen Veränderungen anpassen und bisher nicht genutzte Hilfsmittel wie beispielsweise Options- oder Termingeschäfte verwenden. Ebenso könnten fixe Kontrakte mit Lieferanten und kollektive Vermarktungsmöglichkeiten Produzenten beim Umgang mit der Preisvolatilität helfen. Doyle betonte die Bedeutung eines positiven Images von Milch, um eine Verbraucherverunsicherung, wie sie etwa durch Ernährungswertangaben über Fettgehalte auftreten könnte, entgegen zu wirken. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt sei die Position der Milchviehhaltung in der Diskussion über den Klimawandel. Doyle hielt es für wichtig, Standards für die Produktion einzuführen, die eine Reduzierung der Emissionen in den Betrieben garantieren.

Die Aussichten im Milchsektor

Brigitte Misonne, Policy Officer der Europäischen Kommission und Marktanalystin für Milch und Milchprodukte erklärte, dass die Situation an den Märkten momentan relativ entspannt sei. Die Abschätzungen zur Quotenauslastung zeigen, dass die Quote in der gesamten EU um etwa 7 % unterliefert werde. Nur in den Niederlanden sei eine leichte Überlieferung um 0,8 % zu erwarten. Ausgehend von 2006 werde die Milchquotenmenge bis 2014 auf 108,3 % im Vergleich zum Jahr 2006 ansteigen, während die Milchproduktion im gleichen Zeitraum lediglich bei 103,5 % liegen werde. Misonne schätzte, dass die Milchproduktion in der EU unter ihren Möglichkeiten bleiben werde.

Einer der Vorschläge der ?High Level Group on Milk? sei unter anderem eine Formalisierung der Vertragsbeziehung zwischen dem Landwirt und der Molkerei sowie ein Gleichgewicht bei Verhandlungen zwischen Molkereien und Milchproduzenten zu erreichen und eine europäische Instanz zur Kontrolle der Nahrungsmittel einzurichten, die die Transparenz erhöhen soll. Um der Preisvolatilität in der Landwirtschaft zu begegnen, befürworte die ?High Level Group on Milk? eine Beibehaltung des Interventionssystems. Des Weiteren sollen Terminmärkte als Mittel zur Risikominimierung beworben werden. Misonne betonte, dass die Ergebnisse der Gruppe nun von der Kommission sorgfältig geprüft werden. Die Kommission hatte zwar die Leitung der Gruppe inne, die Zusammenstellung oblag ihr jedoch nicht.

Die gemeinsame Agrarpolitik nach 2013 werde vor allem durch die finanziellen Perspektiven, zusammen mit den Grundsätzen der ?Europe 2020?-Strategie bestimmt.

EDF-Produktionskostenvergleich

EDF zeichnet sich nicht nur durch die aktive Kommunikation zwischen den Mitgliedern aus, sondern auch durch aktuelle Analysen der wirtschaftlichen Ergebnisse von Mitgliedern. In der jährlichen Produktionskostenanalyse wurden in diesem Jahr Daten von 280 Betrieben aus ganz Europa zusammengestellt. Die Daten sind nicht repräsentativ für die einzelnen Länder, erlauben aber dennoch erste Einschätzungen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der nationalen EDF-Gruppen. Steffi Wille, Wissenschaftlerin bei EDF, zeigte, dass die durchschnittlichen totalen Kosten der teilnehmenden Betriebe bei 41,8 EUR ct/kg ECM lagen, während die durchschnittlichen Gesamterlöse 33,9 EUR ct/kg ECM betrugen.

Die teilnehmenden Betriebe machten somit durchschnittlich einen Unternehmerverlust. Folglich betrug der durchschnittliche Arbeitslohn lediglich 0,20 EUR pro Arbeitstunde. Allerdings gab es eine weite Spannbreite bei den Betriebsergebnissen. Eine tiefer gehende Analyse der Input- und Outputseite zeigte, dass die besseren EDF-Betriebe nicht nur mit geringerem Input pro Kuh wirtschafteten, sondern auch einen höheren Milchertrag aus der gleichen Menge an Input erzielten wie die weniger erfolgreichen Betriebe.

Die Ergebnisse der Produktionskostenanalyse zeigten die Bedeutung der Färsenaufzucht für das Kostenmanagement. In den Niederlanden kostete die Färsenaufzucht 4,5 EUR ct/kg. Diese Kosten wurden von Jappie Rijpma EDF-STAR-Mitglied von ?Alfa Accountants en Adviseurs? aus den Niederlanden berechnet. Die Färsenaufzucht auszulagern, sei häufig nicht viel billiger. Demgegenüber scheint es vorteilhaft zu sein, die Jungtiere zu verkaufen und die Färsen, die benötigt werden, wieder einzukaufen. Dabei sollte die Remontierungsrate immer im Auge behalten werden. Werden die Färsen auf dem Betrieb großgezogen, ist eine Möglichkeit zur Kostensenkung, automatische Fütterungssysteme für Kälber einzusetzen, um Arbeitskosten zu sparen, stellte Gaid Peton vom BTPL aus Frankreich und EDF-STAR-Mitglied fest. Eine weithin bekannte Möglichkeit zur Kostensenkung ist die Verfütterung günstiger rohfaserreicher Futtermittel wie Heu oder Stroh.

Ein Blick auf 2015

Zusammen mit dem internationalen Netzwerk agri benchmark führt EDF einmal pro Jahr eine Befragung unter Milchviehhaltern durch. An der aktuellen Analyse ?Dairy cows on the move ? where to?? nahmen über 2000 Milchviehhalter aus ganz Europa teil. Die nicht repräsentative Befragung wurde im Zeitraum von Dezember 2009 bis März 2010 durchgeführt. Zwei Drittel der Teilnehmer kamen aus Schweden, Deutschland und Spanien. Trotz der aktuellen Marktsituation, die für viele Betriebe zu einer schwierigen ökonomischen Situation führte, zeigen die Ergebnisse, dass Milchviehhalter für die zukünftige Entwicklung optimistisch sind: Spezialisierung scheint für viele Landwirte immer noch eine geeignetere Antwort darzustellen als die Diversifikation. Obwohl einige Investitionen als Reaktion auf die Krise aufgeschoben wurden, wollen immer noch drei von vier Landwirten in den kommenden zwölf Monaten in ihren Betrieb investieren. Der Großteil der Landwirte will dabei in die Milchproduktion investieren.

Birthe Lassen, Koordinatorin von EDF-STAR im vTI in Deutschland, zeigte, dass fast alle Milchviehhalter einen Anstieg der Erneuerbaren Energien in ihrer Region erwarten. Im Bereich der Milchproduktion erwarten nur Landwirte aus Irland, den Niederlanden, Belgien sowie der Ukraine eher einen Anstieg der Produktion als einen Rückgang. Während der Großteil der Landwirte aus ?Zentraleuropa? eine Stagnation bzw. einen leichten Rückgang der Milchproduktion erwartet, gehen Betriebe in Nord- und Südeuropa deutlicher von einem Rückgang der Milchproduktion aus. Markus Oskarsson (Svensk Mjölk, Schweden) und Claudio Lopez Garrido (Centro de Investigations Agrarias de Mabegondo, Spanien), beides EDF-STAR-Mitglieder, erläuterten die Ergebnisse aus ihren Ländern.

 

Die Vorträge der Konferenz können unter: http://www.dairyfarmer.net/annual-congress.html#c18587 eingesehen werden. Weitere Informationen zu den European Dairy Farmers oder zum EDF-Kongress 2010 erhalten Interessenten von Birthe Lassen und Steffi Wille (edf(at)vti.bund.de) oder im EDF-Büro, Ansprechpartner ist Dieter Mirbach, Tel. 069/24788-312 oder E-mail: D.Mirbach(at)DLG.org.