
Fruchtbarkeitsmerkmale bei den Kühen (Mittelwert der letzten 12 Monate)

Für eine leichtere Reinigung sind die kippbaren Tränken auf einer Höhe von mind. 70, maximal 80 cm zu installieren (Foto: Mahlkow-Nerge)

Körperkondition der Tiere

Tabelle 1: Ration der laktierenden Kühe

Tabelle 2: Ration der Jungrinder bis zur Belegung

Tabelle 3: Ration der Früh-Trockensteher und Jungrinder ab der Belegung
Der aktuelle Rationscheck KW 50
Wie kann man mit Hilfe der Rationsgestaltung auf Probleme besonders in der Nachgeburtsphase reagieren?
Ausgangs- bzw. Problemsituation in einem Milchkuhbetrieb
100 Schwarzbunte Milchkühe, die aktuelle Leistung liegt bei 9.000 kg (Tagesmelkdurchschnitt: 28 kg, 4,1 % Fett, 3,34 % Eiweiß), Vorjahr 9500 kg
Fütterungssystem: Teil-Mischration
Problem: vermehrt gesundheitliche Probleme in der Nachgeburtspha
- fast jede Kuh hat Fieber p.p.,
- viele Kühe haben Milchfieber (fast alle Tiere müssen p.p. behandelt werden (Ca subkutan, Antibiotikabehandlung...)
- gehäuft Labmagenverlagerungen (v.a. bei Färsen)
- schlechte Fruchtbarkeit bei den Kühen (Mittelwert der letzten 12 Monate siehe Tabelle 1)
- Gesundheit (Mittelwert der letzten 12 Monate):
- schlechte Klauengesundheit (v.a. Mortellaro)
- Tierarztkosten (incl. Medikamente, Klauenbehandlungen): 250 €/Kuh und Jahr --> 2,8 Cent/kg Milch (normal: 1,4 Cent/kg Milch; gute Betriebe: 1,2 Cent/kg)
- zahlreiche Kuhabgänge (alles Schlachtungen)
Betriebsrundgang
Haltung: laktierende Herde
- schlechte Licht- und Luftverhältnisse --> wird durch Überbelegung noch extremer
- den Wandliegeboxen fehlt der Kopfschwungsraum
- von den 90 Liegeboxen sind 3 unbenutzbar (da durch die angrenzenden Tränken völlig durchnässt) --> bleiben 87 Boxen für 99-100 laktierende Milchkühe ->10 % Überbelegung!
je schlechter die Haltungsbedingungen im Stall sind, desto gravierender sind die Auswirkungen einer Überbelegung -> führt zu:- Stress,
- beeinträchtigter Klauengesundheit durch zu langes Stehen,
- mangelhafte Futteraufnahme durch zu geringe Liegezeiten
Empfehlung: keine Überbelegung! für jedes Tier eine wirklich benutzbare Liegebox
- glatte Spalten
- 4 Kraftfutterstationen: Tiere stehen im Dreck; je mehr Anrecht die Tiere auf Kraftfutter haben (also je höherleistend sie sind), desto öfter müssen sie in die Kraftfutterbox, also kommen deren Klauen sehr oft und lange mit diesem feuchten Schmutz in Berührung --> Mortellarogefahr
Empfehlung: Spalten abschieben
- Fressgang: es liegt extrem viel (verschimmeltes) Futter im vorderen Bereich der Fressplätze --> Mortellarogefahr
- Futtertisch:
- raue Oberfläche (viele kleine Steinchen); wird nie gefegt, nur mit Schiebeschild abgeschoben --> dadurch bleiben viele alte, geruchsintensive Futterpartikel liegen und wirken einer hohen Futteraufnahme entgegen
- bei der praktizierten einmaligen Futtervorlage ist der vorgelegte Futterberg sehr hoch, so dass die Tiere viel von dem Futter auf den Fressgang herunterziehen
- Kühe fressen lieber und mehr von einer glatten Oberfläche
- eine glatte Oberfläche lässt sich viel leichter und besser abschieben/reinigen
Empfehlung: Futtertischsanierung (Epoxydharzbeschichtung)
- Tränken
- stehen offen zu den angrenzenden Liegeboxen -> dadurch verschmutzen und durchnässen dieses Liegeboxen (Hygiene!), so dass die Tiere diese Boxen nicht annehmen
- fast alle Tränken sind stark verschmutzt
- mangelhafte Wasserversorgung senkt v.a. die Grundfutteraufnahme, begünstigt damit Ketosen, Pansenazidosen, Klauen- und Fruchtbarkeitsprobleme
Empfehlungen: hinter den Tränken eine betonierte Wand aufstellen, um eine Trennung von den Liegeboxen zu erhalten. Kippbare Tränken mit flachem Wasserspiegel auf einer Höhe von mindestens 70, maximal 80 cm installieren (die sind leichter zu reinigen) .
Haltung: Früh-Trockensteher und Transitkühe, Jungrinder ab 10 Monate
- schlechte Licht- und Luftverhältnisse
Empfehlung: Stallseitenwände öffnen
- Hochboxen aus Beton: nur mit etwas losem Stroh eingestreut sie sind sehr hart und ungepflegt. Die Tiere stehen viel, liegen kaum und ziehen viel Stroh auf die Spalten, die Spalten sind stark verschmutzt und verstopft. Es gibt Spaltenlieger und ein Hygieneproblem!
Empfehlung: entweder Gummimatte auf Hochbox legen oder Kantholz anflanschen und deutlich großzügiger einstreuen
- Tränken stehen offen zu den angrenzenden Liegeboxen, dadurch verschmutzen und durchnässen dieses Liegeboxen (Hygiene!), so dass die Tiere diese Boxen nicht annehmen
Auffälligkeiten und Körperkonditionen der Tiere
- auffallend viele unterkonditionierte Kühe zu Laktationsbeginn und ebenfalls zahlreiche zum Laktationsende unterkonditionierte Kühe und Färsen
- das starke Abfleischen zu Laktationsbeginn unterstreicht die allgemeinen gesundheitlichen Probleme der Tiere p.p.
- Ketose,
- mangelnde Futteraufnahme,
- schlechtes Wohlbefinden
- die Unterkonditionierung zum Laktationsende betrifft vorrangig lahme Tiere
- zahlreiche Tiere sind lahm bzw. hochgradig lahm (stark gekrümmter Rücken), zeigen also eine sehr schlechte Klauengesundheit (v.a. Mortellaro); dadurch entsteht auch der eher ruhige, abgespannte, schlappe, (fußlahme) Eindruck der Herde
- Mortellaro ist eine infektiöse, multifaktorielle Erkrankung, die ihre Ursachen in mangelnder Stallhygiene und mangelndem Kuhkomfort hat und durch schlechte Immunität der Tiere begünstigt wird
Empfehlung: die Haltungs- und Hygienebedingungen der Tiere verbessern, regelmäßige Klauenpflege
Fütterung
- alle Tiere werden einmal am Tag gefüttert, die großen Jungrinder auch mal nur alle 2 Tage
- Auffälligkeiten bei den Futtermitteln:
- die Grassilagen sind i.d.R. sehr sandreich, sehr/zu trocken, daher wenig angesäuert
- die Maissilage ist sehr stärkearm
Milchkühe
- aufgewertete Teilmischration mit Ausfütterung am Transponder; ab 22 kg Milch erhalten Kühe Kraftfutter am Automaten
- + Weidegang im Frühjahr bis Herbst (4 h tgl. -> angenommene Weidefutteraufnahme: 1,5 kg TM)
- + 2*0,45 kg Kraftfutter 20/4 im Melkstand
Diese Mischration (siehe Tabelle 1) am Futtertisch + Weidefutter + die Kraftfuttermenge beim Melken:
- 6,5 MJ NEL/kg TM
- 17,2 % XP
- 151 g nXP
- 16 % str.XF
- 26 % ADF
- 45 % NDF
- 26 % NFC
- 17 % Zucker+Stärke
- reicht für 21 kg Milch die Kalzium- (für 46 kg Milch!), Natrium- (40 kg Milch) und Vitamin- und Spurenelementversorgung über diese Ration ist deutlich bedarfsüberschreitend
Jungrinder bis zur Belegung
Mischration (siehe Tabelle 2) aus 1/3 Maissilage+2/3 Grassilage+1,5 kg Kraftfutter 20/4
- 6,1 MJ NEL/kg TM
- 17,2 % XP
- 17 % str.XF
- 16 % Zucker+Stärke
- ist für eine Tageszunahme von 850 g bedarfsdeckend
- die Kalzium-, Spurenelement- und Vitamin-Versorgung über diese Ration ist nicht bedarfsdeckend, wenn außer der Mineralisierung im Kraftfutter keine weitere Mineralstoffergänzung stattfindet.
Empfehlung: zusätzlich 50 g/Tier und Tag eines für grasbetonte Rationen geeigneten Mineralfutters für Rinder
Früh-Trockensteher und Jungrinder ab Belegung
- massive Überbelegung im Früh-Trockensteherbereich
Empfehlung: keine Überbelegung
- Ration (siehe Tabelle 3)
- 5,6 MJ NEL/kg TM
- 13,8 % XP
- 125 g nXP
- 26 % str.XF
- 8 % Zucker+Stärke
- 4,3 g Ca/kg TM
- 3,0 g P/kg TM
- 1,9 g Mg/kg TM
- die Nährstoff- und Energieversorgung ist durch diese Ration bedarfsdeckend; aber es muss darauf geachtet werden, dass die Tiere diese Mengen an Gras-, Maissilage und Stroh auch wirklich im Stall fressen, denn ansonsten fressen sie zu viel zu energiereiches Weidefutter
- allerdings benötigen die Tiere, um ihren Spurenelement- und Vitaminbedarf zu decken, zumindest noch ein Trockenstehermineral (möglichst ohne Ca)
Empfehlung: zusätzlich 70 g/Tier und Tag eines Trockenstehermineralfutters
- Transitkühe:
- bisher Teil-Mischration der laktierenden Kühe -> zu K- und Ca-reich -> Milchfiebergefahr
Empfehlung: Wenn weiterhin die Ration der laktierenden Kühe und das gleiche Verhältnis Gras- : Maissilage gefüttert werden soll wie bei den laktierenden Kühen, ist bei der Eiweißergänzung vermehrt Rapsextraktionsschrot anstatt Sojaschrot einzusetzen, um die DCAB abzusenken und damit die Milchfiebergefahr zu reduzieren
Das Wichtigste zusammengefasst
Die vermehrt gesundheitlichen Probleme in der Nachgeburtsphase (Fieber p.p., Milchfieber, Labmagenverlagerungen) und nachfolgend mangelhafter Klauengesundheit und Fruchtbarkeit sind in diesem Betrieb einerseits vorrangig auf die schlechten Haltungsbedingungen, die permanente Überbelegung und die mangelhafte Hygiene sowohl im Milchkuh-, als auch im Jungrinderbereich und andererseits auf die milchfiebergefährdende Fütterung der Transitkühe zurückzuführen.



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