Die Milchfiebererkrankung hängt sehr eng mit der Rationsgestaltung bei den Transitkühen (Trockensteher in den letzten 14 Tagen vor der Kalbung) zusammen. Foto: Mahlkow

Körperkondition der Kühe

Rapsschrot und-expeller weisen aufgrund ihres hohen S-Gehaltes eine negative DCAB auf und sind damit vorteilhaft für eine Milchfieberprophylaxe. Foto: agrar-press

Diesen Vorzug hat Sojaschrot nicht. Foto: agrar-press

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22.10.09 - Rationen

Der aktuelle Rationscheck KW 43

Von: Katrin Mahlkow

Heute wollen wir Ihnen vorstellen, wie man anhand einer Rationsgestaltung auf Problemsituationen im Betrieb reagieren kann.

Ausgangs- bzw. Problemsituation in einem Milchkuhbetrieb

  • Festliegen zahlreicher Kühe, auch bereits ab der 2. Kalbung,
  • häufig schwache Wehentätigkeit, Nachgeburtsverhalten
  • Euter- oder Klauenentzündungen scheiden als Ursache für das vermehrte Festliegen aus
  • Festliegen als Folge von Gebärparese

Interpretation der Milchkontrolldaten

Der aktuelle aktueller Herdendurchschnitt liegt im Betrieb bei: 31,2 kg Milch/Kuh und Tag, 3,81 % Fett, 3,29 % Eiweiß im Vergleich zum Vorjahresmonat zeigt sich eine ähnliche Milchmenge, aber ein fast 0,3 % geringerer Fettgehalt und 0,15 % geringerer Eiweißgehalt (besonders der Eiweißabfall war auffällig)

  • Allgemein ist die Einstiegsleistung der Kühe hoch, mit geringem Eiweißgehalt.
  • Erstkalbskühe zeigen eine gute Leistung bei einem geringem Eiweißgehalt.
  • Niedriger Fettgehalt in der Gruppe 10.-100. Laktationstag

mögliche Ursachen:

  • unzureichende Strukturversorgung (bzw. Überversorgung mit leicht löslichen Kohlenhydraten)
  • unzureichende Körperreserven der Tiere zur Abkalbung

Die Eutergesundheit ist sehr gut, die durchschnittliche Zellzahl liegt bei < 150.000

Fütterung

Merke: Bei dem Problem einer Gebärparese muss sich die Beratung (Fütterungsberatung) v.a. auf die Rationsgestaltung – und hier besonders auf die Lieferung an Ca, K, Na, Cl und S - bei den Transitkühen (Trockensteher in den letzten 14 Tagen vor der Kalbung) konzentrieren.

Die Transitkühe erhielten in diesem Betrieb die gleiche Ration (Teil-Mischration) wie die laktierenden Kühe (siehe Rationsberechnung). Um das Gefahrenpotential dieser Ration für eine Milchfiebererkrankung besser abklären zu können, wurde eine genaue Analyse der Nähr- und Mineralstoffe durchgeführt und die DCAB errechnet
(Übersicht 1).

Merke: Das Rechnen mit Tabellenwerten für diese 4 für das Milchfiebergeschehen wichtigsten Mineralstoffe K, Na (beides Kationen), Cl und S (beides Anionen) birgt eine große Ungenauigkeit in sich. Deshalb sollte man zur Abklärung einer möglichen Milchfiebergefahr diese Mineralstoffe in der tatsächlich gefütterten Ration am besten immer analysieren lassen.

Hier zeigte sich nämlich in dieser gefütterten Ration eine deutlich höhere DCAB als die rein rechnerisch ermittelte (siehe nachstehend aufgeführte Gegenüberstellungen der berechneten/gefütterten Ration mit der Analyse), welche nur auf Tabellenwerten für die Mineralstoffe Cl und S beruhte. Die tatsächliche Milchfiebergefahr war demnach viel größer als aufgrund der Rationsberechnung zu vermuten gewesen war, da die Cl- und S-Gehalte der eingesetzten Futtermittel tatsächlich viel niedriger waren als aufgrund der angenommenen Tabellenwerte. Zusätzlich zu dieser hohen und damit Milchfieber begünstigenden DCAB kam 2. noch eine für Transitkühe viel zu hohe Ca-Versorgung hinzu (da die Ca-Versorgung dieser Ration in erster Linie den Bedarf der laktierenden Milchkühe abdecken soll), welche die Milchfiebergefahr weiter erhöht. Und letztlich kam noch ein 3.ungünstiger Faktor hinzu: die sehr hohe Eiweißversorgung (18 %, RNB: > 100 g!), die den alkalischen Effekt dieser Ration weiter verstärkte und damit die Milchfiebergefahr zusätzlich noch erhöhte. Auch die Mg-Versorgung war insgesamt eher gering.

Stallrundgang/Auffälligkeiten bei den Tieren
Die Kühe machten einen gepflegten, sauberen Eindruck, hatten ein glattes, glänzendes Fell und gute, gepflegte Klauen. Der Kot war bzgl. seiner Konsistenz und der unverdauten Futterbestandteile in Ordnung. Auffallend war die sowohl bei den trockenstehenden, als auch bei den melkenden Kühen – hier aber lediglich bei den älteren Kühen – z.T. deutliche Unterkonditionierung (Übersicht 2; mögliche Ursache für die sehr niedrigen Milchfett- und –eiweißgehalte in der Milch bei den Kühen zu Laktationsbeginn).

Rationsveränderungen zur Reduzierung der Milchfiebergefahr und zur besseren Körperkonditionierung der Kühe
Veränderung der Rationsgestaltung (Übersicht 3): unter der Vorgabe des Landwirts, dass die Transitkühe auch weiterhin dieselbe Teil-Mischration erhalten sollen wie die laktierenden Kühe; nur mit der Annahme einer ca. 65 %igen Futteraufnahme im Vergleich zu den laktierenden Kühen

Der Grasanteil wird zugunsten des Maisanteils reduziert, um die K-Belastung und damit die Milchfiebergefahr abzusenken (Maissilage sind immer K-ärmer als Grassilagen).

Die Ration wird energetisch durch eine eiweißreiche Vormischung und eine spezielles Kraftfutter mit 22 % Rohprotein weiter aufgewertet, um zum einen die Unterkonditionierung zu verringern und zum anderen auch eine energiebedarfsdeckende Versorgung der Transitkühe a.p. zu gewährleisten.

Für die bisherige, v.a. auf Sojaextraktionsschrot basierende Vormischung wurde eine andere, v.a. auf Rapsprodukten basierende Vormischung gewählt. Damit konnte die DCAB dieser Mischung abgesenkt und damit das Milchfieberrisiko reduziert werden.

Die starke Eiweißüberversorgung (insbesondere durch die Herausnahme von Harnstoff wird reduziert, um die alkalische Belastung und damit die Milchfiebergefahr abzusenken.

Die Mineralisierung muss etwas höher ausfallen als für die laktierenden Kühe nötig wäre, um letztlich ebenfalls noch eine ausreichende Versorgung der Transitkühe (nehmen nur ca. 65 % dieser Ration und damit auch nur 65 % dieser Mineralstoffmenge auf) zu gewährleisten.

Die DCAB dieser Ration (118 meq/kg TM; in der vorherigen Ration war eine DCAB von 317 meq/kg TM analysiert worden) konnte merklich abgesenkt werden und steht jetzt in einem besseren Verhältnis zum Ca, wodurch sich die Milchfiebergefahr reduziert. Dennoch sollte immer zur Überprüfung des Milchfieberrisikos erneut auch von dieser Ration eine Probe gezogen und bzgl. Ca, K, Na, Cl, S, XP und XF analysiert werden. Zeitgleich dient auch die Untersuchung der Netto-Säure-Basen-Ausscheidung (NSBA, im Harn der Transitkühe) der Abklärung der Milchfiebergefahr.

 

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