Kommentar KW 38 2011
Wieder einmal steht der Ölsaatenmarkt den Turbulenzen an den Finanzmärkten hilflos gegenüber. Selbst die Optimisten, die immer wieder auf ein knappes Rapsangebot hinweisen und auf steigende Preise spekulieren, werden langsam nervös, da die Kurse auf die Bekanntgabe ernstzunehmender Konjunkturrisiken in den USA mit erdrutschartigen Kursverlusten reagierten. Zudem ist die Griechenlandkrise noch nicht vom Tisch und der nächste Kandidat der Eurozone, Italien, wurde kürzlich in seiner Kreditwürdigkeit herabgestuft. Mag man davon halten was man will, die Aktien‐ und Finanzmärkte dieser Welt reagieren auf solche Nachrichten heftig und so gab es an den meisten Tagen der 38. Kalenderwoche für die Ölsaatenkurse nur eine Richtung – nach unten. Dabei konnten die fundamentalen Daten in den USA kaum Preiswirkung entfalten. Zumal diese ebenfalls bärisch waren. Die bevorstehende Sojaernte und die absehbar schwache Exportnachfrage belasteten die Kurse, die zuletzt unter dem Druck des starken Dollars und der hektischen Verkäufe kräftig abrutschten. Sojabohnen erreichten ein Niveau wie zuletzt Anfang Dezember 2010.
Dem großen Druck konnten sich auch die Rapskurse letztendlich nicht mehr widersetzen, obgleich sie in der ersten Wochenhälfte tapfer aufwärts strebte. Die Verluste am Donnerstag waren fast zweistellig, so dass der November‐Termin, der am Mittwoch noch auf 446,75 EUR/t schloss auf 437,50 EUR/t abrutschte. Die heftigen Preisbewegungen lähmen den Kassamarkt, zumal die Verunsicherung über den Verlauf der weiterhin von außen gesteuerten Märkte wieder zunimmt. So sind die Umsätze am Rapsmarkt auf ein Minimum zusammengeschrumpft, da nun überhaupt keine Ware mehr offeriert wird. Auch das Verkaufsinteresse der Ernte 2012 ist verschwunden, da sich aus Sicht der Erzeuger die witterungsbedingten Aussaatdefizite im Preis nicht widerspiegeln.
Immerhin konnten in Mecklenburg‐Vorpommern, dem Rapsanbaugebiet Deutschlands, betrieblich teils gerade mal 50 % der Winterrapsflächen realisiert werden. Was auf den Feldern steht, macht allerdings einen guten Eindruck. Der scharfe Preisverlust der Rohstoffe ließ auch die Nachprodukte einbrechen. Dabei wurden die Ölpreise zusätzlich von den schwachen Mineralölkursen belastet. Während sich Rapsöl bis dato recht stabil bei 960 EUR/t fob einpendelte und sogar die anderen Pflanzenöle wie Soja‐ und Sonnenblumenöl preislich überrundete, wurden die Forderungen zuletzt um 15 EUR/t zurückgenommen. Sojaöl verlor zum Vorwochenniveau sogar 30 EUR/t und liegt aktuell mit 940 EUR/t 5 EUR/t unter Rapsöl. Die Schrotpreise spiegeln die angebotsbedingt engen Aussichten beim Raps deutlich wider. Während Sojaschrot kräftig Federn lassen musste und zur Vorwoche 12 EUR/t abgab, konnte Rapsschrot die Vorwochenlinie von 182,30 EUR/t sogar halten. Diese Forderungen werden absehbar aber auch weiter zurückgehen. Die ohnehin schwache Nachfrage der Mischfutterhersteller, die sich in den vergangenen Wochen sowieso nur auf die nötigsten Mengen im vorderen Lieferbereich konzentrierten, ist vorerst völlig eingeschlafen. Solange die unsichere Lage an den Finanzmärkten anhält, werden auch im Agrarbereich so wenig wie möglich neue Verträge abgeschlossen.
Datum: 23.09.2011 / Dateigröße: 94.12 KB
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