
MONATSBERICHT: Proteinpreise auf hohem Niveau
Wienke von Schenck – AMI: Der Abwärtstrend der Ölsaaten der Anfang September einsetzte wurde Mitte Dezember abrupt gestoppt. Die Wettermärkte in Südamerika führten zu einem kräftigen Auftrieb. Auslöser für die Hausse waren die Spekulationen um die südamerikanische Sojaernte. Schon vor Weihnachten verdichteten sich die Informationen über trockenheitsbedingte Ertragsausfälle, die Anfang Januar in rückläufigen Ernteprognosen Gestalt annahmen.
Weniger Sojabohnen in Südamerika führen zu einer global engeren Marktversorgung und damit absehbar zu festen Preisen. Gleichzeitig steigen die Exportchancen der US-amerikanischen Herkünfte. Diese Aussichten verleiteten die Anleger an den US-Terminbörsen zu umfangreichen Abschlüssen von Kauf-Positionen. Die Notierungen zogen an. Die Risikoaufschläge für die kleinere südamerikanische Ernte hoben die Kurse zusätzlich, so dass Anfang der 2. Kalenderwoche 2012 mit umgerechnet 12,25 USD/bu (345 EUR/t) ein 10-Wochen-Hoch der Sojabohnenkurse erreicht wurde.
Knappes Angebot verteuert Rapsschrot
Hierzulande orientieren sich die Forderungen für Sojaschrot am Kassamarkt eng an den Börsennotierungen, so dass ebenfalls von Woche zu Woche höhere Preisniveaus erreicht wurden. Innerhalb von vier Wochen wurde der Preisrückgang der vorangegangenen drei Monate wieder ausgeglichen. Während am Anfang der Hausse das Kaufinteresse noch sehr verhalten war, belebte sich nach Jahreswechsel der Sojaschrotmarkt schlagartig. Allerdings stehen hauptsächlich vordere Liefertermine im Fokus. Dafür mussten zeitweise aufgrund des knappen Angebotes sogar Aufschläge bewilligt werden. Mit 291 EUR/t für 44er Ware fob Hamburg wurden in Anfang des Jahres ein 4- Monats-Hoch erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr ist Sojaschrot allerdings noch vergleichsweise günstig. Anfang Januar 2011 wurde rund 340 EUR/t verlangt. Die Rapsschrotpreise zeigten in den vergangenen drei Monaten eine bisher unvergleichliche Bergund Talfahrt. Von 180 EUR/t Mitte Oktober rutschten die Forderungen für vordere Ware innerhalb von sechs Wochen auf die Linie von 150 EUR/t um danach genauso rasant wieder innerhalb von sechs Woche auf die Linie von über 190 EUR/t anzusteigen! Vor allem die Marktversorgung sowie die Kursentwicklung des Rohstoffes zeichneten sich verantwortlich für die großen Preisveränderungen. Während im Oktober reichliches Angebot auf geringe Nachfrage stieß, drehte sich im November das Bild. Vor allem im Norden und Westen waren vordere Partien zur prompten Lieferung von den Ölmühlen nicht mehr verfügbar und der Handel verlangte Aufgelder von bis zu 14 EUR/t gegenüber dem Folgetermin.
Die relativ hohen Rapsschrotpreise zu Beginn des Wirtschaftsjahres führten zu einer insgesamt rückläufigen Nachfrage im Mischfutterbereich. Nach Angaben der BLE schwand der Anteil von Rapsschrot in den Futtermischungen im Zeitraum Juli/Oktober 2011/12 auf 9,4 % nach 10,1 % im Vorjahr. Sojaschrot fand zwar wieder mehr Verwendung als zuvor, der Anteil ging dennoch um 0,2 Prozentpunkte auf 13,8 % zurück. Anstelle von Rapsschrot fanden andere nicht näher spezifizierte Ölschrote wie Sonnenblumen-, Palm- und Leinschrot im Futter Verwendung. Der Einsatz stieg um fast 60 % auf über 220.000 t.
Mischfutterpreise stabil bis fest
Die sehr festen Proteinpreise zeigten Wirkung in der Kalkulation der Mischfutterpreise. Bei stabilen bzw. leicht festeren Getreidepreise waren es vor allem die Ölschrote die die Mischungen im Januar verteuerten. Dabei bewegen sich die Preisanhebungen allerdings in engem Rahmen, denn zumeist hatten die Mischfutterhersteller im Dezember die niedrigeren Schrotpreise ebenfalls nicht weitergegeben. Auch die Forderungen für die Einzelkomponenten legten im Vergleich zu denen von der AMI GmbH im Dezember erhobenen Hof-Preise deutlich zu. Regional wurden dabei die auf Großhandelsebene verzeichneten Preisanpassungen um 40 EUR/t nach oben ebenfalls nachvollzogen. Die Nachfrage nach Mischfutter hatte im Dezember mit dem Hinweis auf das milde Wetter etwas nachgelassen. Vor diesem Hintergrund agierten Mischfutterhersteller bei der Rohstoffeindeckung im alten Jahr noch sehr verhalten und wiesen immer wieder auf eine ausreichende Deckung bis Ende Februar 2012 hin. In den ersten beiden Januarwochen wurden allerdings wieder deutlich lebhafter Getreide und Proteinkomponenten kontrahiert, obgleich die Forderungen stiegen. Die Rohstoffdecke bis zur nächsten Saison dürfte daher gerade in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen haben.
USDA-Schätzung belastet den Markt
Der im Januar so lebhafte Getreide- und Ölschrotmarkt musste jüngst einen umsatzhemmenden Einschnitt hinnehmen. Der Markt hatte den Preisauftrieb vor dem Hintergrund der Trockenheit in Südamerika umgesetzt und wartete nun auf die Bestätigung der knappen Marktversorgung durch den monatlichen USDA-Bericht. Bereits im Vorfeld dieser bedeutenden Schätzung wurden an den Terminbörsen Risikopositionen aufgelöst und am Kassamarkt mit nennenswerten Geschäften pausiert. Da niemand einschätzen konnte, welcher Trend sich nach dieser Schätzung durchsetzen würde. „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!“ könnte das Motto des 12.01.2012 lauten. Das USDA kam mit seinen Einschätzungen nicht einmal in die Nähe der Erwartungen der Marktteilnehmer sondern setzte noch eins drauf. Die Endbestände für Mais und Weizen wurden nach oben korrigiert, der Einschnitt bei den Sojabohnen fiel marginal aus. Die Reaktion der Börsen folgte auf dem Fuße. Die Maiskurse krachten auf Limit down, Sojabohnen beinahe auch und Weizen gab, vor allen an der Terminbörse in Paris kräftig nach. Das wird den Markt in den kommenden Tagen noch sehr beschäftigen, da eine Trendansage ausblieb und die Verunsicherung im Markt damit eher wieder zugenommen hat.