Kommentar KW 44
Der Preisauftrieb geht weiter und erfasst nach Rapsöl und Rapssaat nun auch Rapsschrot. Angetrieben von reger internationaler Nachfrage, steigenden US‐Terminkursen, knappen Versorgungsprognosen und den positiven Einflüssen positiver Aktien‐, Finanz‐ und Rohstoffmärkte legten die Terminkurse für Ölsaaten zu.
Raps an der Terminbörse Paris legte innerhalb einer Woche um 10 EUR/t zu, wobei der Termin ex Ernte 2011 mit 13,50 EUR/t die größten Zugewinne erzielte. Zusätzlich profitieren die Rapskurse von den ungünstigen Ernteprognosen für das kommende Jahr. Nicht nur in Deutschland ist die Winterrapsfläche witterungsbedingt deutlich kleiner ausgefallen als geplant und die Rapsfeldbestände machen nicht immer einen guten Eindruck. Außerdem sind spätgesäte Schläge deutlich frostempfindlicher.
Bei einem kalten, schneefreien Winter kann es dann zu mehr Auswinterung kommen. Das könnte vor allem in Osteuropa und der Ukraine zum Problem werden. Die Aussicht auf ein kleineres Rapsangebot 2011 spiegelt sich auch in den höheren Erzeugerpreisen wider, die im Vergleich zu den Tagesmarktpreisen einen deutlich steileren Anstieg verzeichnen.
Große Verunsicherung herrscht am Ölsaatenmarkt, aber vor allem am Pflanzenölmarkt hinsichtlich der Nachhaltigkeit. Der Alleingang der Deutschen hinsichtlich der Zertifikate für Pflanzenöle behindert bereits jetzt den Außenhandel und treibt im Inland die Preise nach oben. Denn, entgegen der im Vorfeld propagierten Meinung erzielt nichtzertifizierte Ware keinen Abschlag, sondern zertifizierte eine Prämie und die ist in den Branchen sehr unterschiedlich. So wird zertifizierter Raps mit einem Aufschlag von bis zu 8 EUR/t bewertet, beim Rapsöl wird aufgrund der derzeitigen Marktkonstellation sogar um 15 EUR/t aufgeschlagen.
Aufgrund der starken Nachfrage und dem sehr knappe Angebot, aber auch der stetig steigende Mineralölkurs haben Rapsöl zuletzt über die Linie von 900 EUR/t gehoben. Noch angespannter sieht die Versorgungslage bei den Raffinaten aus, Hier marschieren die Forderungen stramm auf die 1.000 EUR/t zu. Vor einem Jahr wurden noch 640 EUR/t verlangt!
Rapsöl hat sich damit auch wieder über die Sojaöl erhoben. Im Zuge fester Rapspreise und der, wenn auch nicht großen, aber doch stetigen Nachfrage, wurden die Forderungen für Rapsschrot wieder deutlich angehoben. Die Prämie für das örtlich sehr knappe Angebot beträgt bereits wieder 5 EUR/t, so dass im Schnitt November‐Partien mit 210 EUR/t bewertet werden, 10 EUR/t mehr als in der Vorwoche. Sojaschrot zeigte sich zuletzt mit Schwächetendenz und rutschte für 44er Ware sogar wieder unter die Linie von 300 EUR/t fob Hamburg.
Die bereits am Mittwoch von der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) prognostizierten Turbulenzen am Agrarmarkt sind am Donnerstag eingetreten. Die US‐Finanzspritze von 600 Mrd. USD haben nicht nur den Dollarkurs unter Druck gesetzt und innerhalb eines Tages 1,6 % an Wert verlieren lassen, auch das Interesse der Spekulanten an Rohstoffen steigt wieder. US‐Sojabohnen legten am Donnerstag um 3 % an Wert zu und erreichten mit 12,65 USD/bu ein 17‐Monats‐Hoch. Und das vor dem Hintergrund einer US‐Sojarekordernte. Und das in zweierlei Hinsicht: nicht nur die größte mit über 93 Mio. t, sondern auch die schnellste Ernte seit 25 Jahren.
Datum: 05.11.2010 / Dateigröße: 229.38 KB
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