Dr. Manfred Weber, Schweinespezialist der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Iden (l.) im Gespräch mit Dr. Jörg Eggers, Stellvertretender Geschäftsführer OVID

Dr. Katrin Mahlkow-Nerge, Rinderspezialberatung Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein


Rapsextraktionsschrot, Futtermittel
22.11.2010

Mehr Raps in die Ration

Raps kann die Effizienz und vor allem die Wirtschaftlichkeit von Rationen in der Rinder- und Schweinefütterung erhöhen / Vorzüglichkeit von Raps wird von steigenden Getreidepreisen beeinflusst / Rapsextraktionsschrot ist derzeit pro Energieeinheit um fünf Cent günstiger zu bekommen als Sojaextraktionsschrot

Eurotier - Die Nutztierfütterung wird derzeit vor allem durch schwankende Futtermittelpreise, heterogene Erntequalitäten und eine Futterknappheit in vielen Regionen geprägt. Vor diesem Hintergrund empfehlen Fütterungsexperten vom Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie (OVID) auf der EuroTier, Rationen konsequent auf ihre Wirtschaftlichkeit und Effizienz zu überprüfen.

Ein Ansatz zur wirtschaftlichen Optimierung von Rationen ist, die Vorzüglichkeit der eingesetzten Eiweißkomponenten zu überprüfen. Vor allem Rapsextraktionsschrot gewinne nicht zuletzt aufgrund steigender Futtermittelpreise zunehmend an Vorzüglichkeit, wie Dr. Katrin Mahlkow-Nerge, Fütterungsexpertin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, auf dem OVID Messestand erläuterte. „Bezogen auf den Zukaufspreis frei Hof ist die Energieeinheit von Rapsextraktionsschrot in norddeutschen Regionen in der 43. Kalenderwoche um fünf Cent günstiger als Sojaextraktionsschrot. Die Eiweißeinheit kann sogar um zwölf Cent preiswerter eingekauft werden“, so Dr. Katrin Mahlkow-Nerge.

Fütterungsversuche an unterschiedlichen Lehr- und Versuchszentren in den vergangenen Jahren bestätigen, dass Raps- und Sojaextraktionsschrot unter Beachtung der unterschiedlichen Energie- und Rohproteingehalte voll austauschbar sind und sich Rapsschrot auch bei der Fütterung von Hochleistungskühen bewährt hat. Für die Rationsgestaltung sollte nach den derzeitigen Erkenntnissen in der Praxis der Einsatz auf maximal vier Kilogramm Rapsextraktionsschrot pro Kuh und Tag begrenzt werden“, empfiehlt Dr. Mahlkow-Nerge.

Raps in der Ration - Reserven in der Schweinefütterung
In der Schweinehaltung sieht Dr. Manfred Weber von der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Iden  weiteres Einsatzpotenzial in der Fütterung. Entwicklungen. „Nachdem auch hier aktuelle Untersuchungen deutlich gezeigt haben, dass bei Einhaltung der Empfehlungen für die Gesamtration ohne Probleme bis zu 15 Prozent RES in der Mastschweineration eingesetzt werden kann, hat sich der Einsatz im Schweinefutter deutlich erhöht“, so Dr. Weber anlässlich eines Symposiums auf der EuroTier in Hannover.

Damit diese allerdings auch weiterhin ohne Bedenken eingesetzt werden können, dies betrifft in erster Linie den antinutritiv wirkenden Glucosinolatgehalt in der Schweinefütterung, sei eine dauerhafte Qualitätskontrolle der Rapsfuttermittel notwendig. Wenn, wie wissenschaftlich nachgewiesen, Schweine in der Gesamtration  1,5 bis zwei mmol/kg Glucosinolat vertragen und im RES im Durchschnitt nur sieben mmol/kg RES vorhanden sind, kann der RES-Anteil am Gesamtfutter durchaus 20 Prozent betragen.

Die Ergebnisse des deutschlandweiten Rapsmonitorings der Fütterungsreferenten zeigen, dass sich RES im Laufe der Jahre als sehr stabiles und in den Inhaltsstoffen konstantes Futtermittel erwiesen hat.

Viele Versuche mit Rapsextraktionsschrot haben in den letzten Jahren vor allem beim Mastschwein zeigen können, dass der Einsatz von bis zu 15 Prozent RES keinen negativen Einfluss auf die biologischen Leistungen der Tiere hat, somit also ein Teilaustausch und in der Endmast sogar ein Totalersatz von Sojaschrot durch Rapsextraktionsschrot möglich ist.

EuroTier Fachtagung -
Experten empfehlen - Sojaschrot als Qualitätskomponente in Rationen
Anlässlich eines Fachsymposiums auf der EuroTier erläuterten Prof. Gonzalo Mateos, Universität Madrid, und Dr. Jannes Doppenberg, Schothorst Feed Research, Lelystad, Niederlande die wachsende Bedeutung von Qualitätssojaschroten in der Tierernährung. Demnach wird US Sojaschrot in der europäischen Tierernährung zunehmend als wertgebende Qualitätskomponente unter den verwendeten Eiweißfuttermitteln eingesetzt.

Dabei reiche es aber nicht mehr aus, lediglich den Anteil an Rohprotein als wesentlichen Parameter zu berücksichtigen. Viel wichtiger sei, so die Experten, die Verdaulichkeit von Aminosäuren, Phosphor und Energie zu berücksichtigen, wie zum Beispiel der praecaecalen Verdaulichkeit der über das Sojaschrot eingesetzten essentiellen Aminosäuren. „Hier müssen wir das Bewertungssystem in den Rationen modifizieren. Während bisher meist Rohprotein, Aminosäuren und Energie auf Basis von Bruttowerten berücksichtigt wurden, muss in der Tierernährung, beispielsweise bei Rezepturen der Mischfutterindustrie, das gesamte Bewertungssystem auf die Stufe des verdaulichen Rohproteins und verdaulicher Aminosäuren und Energie umgestellt und berücksichtigt werden,“ so Prof. Gonzalo Mateos.

Dieses System ermöglicht eine genauere Qualitätsbeurteilung des Futterwertes von verschiedenen Proteinträgern und damit auch eine genauere Versorgung mit Aminosäuren  Vor allem für die Schweinefütterung ist die praecaecale Verdaulichkeit, das heißt die Verdaulichkeit der Nährstoffe bis zum Ende des Dünndarms, von großer Bedeutung. Vergleicht man beispielsweise die praecaecale Verdaulichkeit von Lysin aus Sojaschrot wird deutlich, dass sie bei 87 Prozent liegt. Die Lysinverdaulichkeit im Rapsschrot beträgt hingegen nur 73 Prozent, so Dieter Kundrun von der American Soybean Association-International Marketing

„Die riesigen Unterschiede verdeutlichen beispielhaft die Vorteile des neuen Bewertungsansatzes.“ In Zukunft kann damit eine genaue Rationsberechnung und Fütterung der Tiere erfolgen. Allerdings müssten dazu auch Empfehlungen zur Versorgung auf Grundlage der verdaulichen Parameter zur Verfügung stehen.

Die hohe Qualität der amerikanischen Sojaschrote wurde auf der EuroTier insbesondere durch die aktuelle Ausgabe der AminoDAT Datenbank, einer umfassende Futtermittelanalyse von Evonik Degussa Feed Additives, Hanau-Wolfgang, bestätigt. In dieser Datenbank sind mehr als 15.000 individuelle Aminosäuren Analysen von mehr als 120 weltweit untersuchten Futtermittel-Rohstoff-Proben ausgewertet.