Fachartikel
28.11.2002

Zur Fütterung von Leistungspferden mit Sojaöl und Sojalecithin

Hochleistungspferde benötigen eine individuelle Behandlung, um sicherzustellen, dass sie die Nährstoffe erhalten, die für die erwartete Leistung erforderlich sind.

Leistung erfordert Energie! Für das Leistungspferd ist nicht nur der tägliche Energiebedarf von Bedeutung. Genauso wichtig ist die Kenntnis, wie viel Energie im Pferdemuskel gespeichert wird. Die dort gespeicherte Energie - als Glykogen - ist eng verknüpft mit ihrer explosionsartigen Verfügbarkeit, z.B. beim Galopp.

Untersuchungen haben ergeben, dass das im Muskel des trainierten Pferdes gespeicherte Glykogen drastisch zunimmt, wenn die Diät und das Trainingsprogramm entsprechend auf die zu erwartende Leistung abgestimmt werden.

Fette sind die konzentrierteste Energieform für die Fütterung. Mit ihnen lassen sich energetisch optimale Futtermischungen herstellen. Fette bestehen aus Glyceride und verschiedenen Fettsäuren. Im Stoffwechsel erfüllen sie lebenswichtige Funktionen. Hier wird unterschieden zwischen Depotfett (Energiereserve) und Funktionsfett.

Das Funktionsfett (Organfett) ist direkt am Stoffwechsel beteiligt. Außer den essentiellen Fettsäuren wie Linol- und Linolensäure im Sojaöl kann der Organismus alle anderen Fettsäuren synthetisieren. Fehlen allerdings die essentiellen Fettsäuren, bleiben Hochleistungen aus. Bei der Umwandlung von Nährstoffen im Tierkörper zu Körpersubstanz oder Leistung ist Fett das wirtschaftlichste Futtermittel.

Nur etwa ein Drittel der Energie des Fettes geht bei der Umwandlung verloren. Bei Stärke betragen die Umwandlungsverluste bereits 43% und bei Zucker sind es sogar 55%.

Während in der Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere der Zusatz von Fetten seit langem praktiziert wird, sind solche Überlegungen in der Pferdefütterung erst seit den 70er Jahren angestellt worden.

Aufgrund der Tatsache, dass das Pferd keine Gallenblase als Speicherorgan für die Gallenflüssigkeit hat, wurde angenommen, dass das Verdauungssystem größere Mengen Fett im Futter nicht verwerten kann. Das ausgewachsene Pferd kann jedoch täglich bis zu 6 Liter Gallenflüssigkeit direkt in den Zwölffingerdarm sekretieren.

Ein weiterer anatomischer Gesichtspunkt spricht für die Verwendung von Fett für Leistungspferde. Der Magen des Pferdes ist relativ klein. Deshalb werden auch Arbeitspferde mindestens dreimal täglich gefüttert, damit die erforderliche Energiezufuhr gewährleistet ist.

Fettzulagen zum Futter von Sportpferden führen zu Leistungssteigerungen. Aus Untersuchungen kann geschlossen werden, dass ein Zusatz von bis zu 10% Fett zum Kraftfutter für Leistungspferde die Glykogenspeicherung im Muskel steigert, die Verfügbarkeit von Glykogen während der Belastung erhöht und dadurch die Leistung verbessert, die zur anaeroben Energieproduktion erforderlich ist.

Funktion des Sojalecithins

Die Verdauung der Fette beginnt im Dünndarm. Vor allem die Bestandteile der Galle bewirken, dass sich die Fette durch Emulgierung fein im Futterbrei verteilen. Das ist die Voraussetzung, dass die fettspaltenden Enzyme die Fette (Triglyceride) zuerst in Monoglyceride und dann in Glycerin und Fettsäuren spalten, um von der Darmwand absorbiert werden zu können. Mit dem intermediären Fettstoffwechsel sind Phospholipide (Lecithine) eng verbunden. Die in der Leber gespeicherten Fettsäuren können nur in Form von Lipoprotein abgeführt werden. Für die Bildung von Lipoprotein ist Phosphatidylcholin, Bestandteil des Sojalecithins, unerlässlich. Ist Phosphatidylcholin nicht ausreichend verfügbar, kann die Leber die Fettsäuren nicht loswerden und verfettet (Fettlebersyndrom). Ohne Phospholipide ist deshalb der metabole Transport von Fettsäuren unmöglich.

Regelmäßige Lecithingaben sorgen für maximale Leistung zum richtigen Zeitpunkt, verzögern Ermüdungserscheinungen des Pferdes trotz hoher Belastung, steigern die natürliche Widerstandskraft, stabilisieren die Nervenkraft, beseitigen Haar- und Hautprobleme, fördern Fruchtbarkeit und Milchergiebigkeit der Mutterstuten.

Fütterungsempfehlungen eines lecithinangereicherten Sojaöls je Tag:
Leistungspferde vor Höchstleistung 150 - 200 g
Leistungspferde im Training 80 - 120 g
Leistungspferde in Ruhe 50 - 70 g

Quelle: ASA-Hamburg