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Grundlagen-Rinder
22.07.2011

Verbesserte Färsenaufzucht durch niedrigeres EKA

Im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest wurde im Dezember 2010 in Zusammenarbeit mit LWK NRW Haus Düsse eine Umfrage zum Thema Jungviehaufzucht durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich über 100 Betriebe.

Die Auswertung im Hinblick auf die Haltungsform ergab, dass Jungtiere im ersten Aufzuchtjahr in 30% der Betriebe in Hochboxen und in 42% auf Tiefstreu gehalten werden, im zweiten Aufzuchtjahr steigt der Anteil der in Hochboxen gehaltenen Tiere auf über 56% an. Diese Haltungssysteme verbinden hohen Tierkomfort mit arbeitswirtschaftlichen Vorteilen. Erfreulicherweise konnte festgestellt werden, dass insgesamt 88% der befragten Betriebsleiter ihrem Jungvieh Weidegang gewähren. Hauptsächlich werden Vollweidesysteme praktiziert. Optimal für das Herdenmanagement wäre es, wenn der Weideauftrieb der Tiere erst nach erfolgreicher Besamung und somit nur für trächtige Tiere erfolgt, weil dadurch eine rechtzeitige Erstbesamung, unnötig lange Verzögerungszeiten und folglich ein niedrigeres Erstkalbealter (EKA) gewährleistet werden kann.

Eine Verbesserung des Besamungsindex ist für viele Betriebe noch möglich, da die Mehrheit (57%) durchschnittlich zwischen 1,4 und 1,6 Besamungen pro Trächtigkeit benötigt. Unter anderem durch optimierte Brunstkontrolle können hier in Zukunft Kosten eingespart werden (Abb. 1).

Ein entscheidendes Kriterium für die Wirtschaftlichkeit der Färsenaufzucht ist das Erstkalbealter. Als Ziel sollte ein EKA von 24 Monaten angestrebt werden, da durch eine möglichst kurze Aufzuchtdauer Futterkosten gesenkt werden können. Hierfür ist jedoch eine intensive Fütterung im ersten Lebensjahr erforderlich, damit die Tiere im besamungsfähigen Alter mit etwa 15 Monaten ein Gewicht von 400 kg erreichen, um letztendlich bei der ersten Kalbung eine Lebendmasse von 625 kg aufweisen zu können. Von den befragten Betrieben erreichen 2% ein EKA unter 24 Monaten, 52% liegen zwischen 24 und 26 Monaten, 34% zwischen 26 und 28 Monaten und 12% sogar über 28 Monaten (Abb. 2).

Weiterhin wurde abgefragt, inwiefern das Erstkalbealter die Lebensleistung beeinflusst. Deutlich zeigte sich dabei, dass mit zunehmendem EKA die Lebensleistung sanken. Dies kann unter anderem darauf zurück geführt werden, dass Färsen mit hohem EKA möglicherweise aufgrund von Verfettungen vor der Kalbung zu erhöhten Schwer- und Totgeburtenraten neigen und somit insgesamt einen eher schlechten Start in die Laktation aufweisen. Des Weiteren führt verstärkter Körperfettabbau nach der Kalbung zu Stoffwechselstörungen wie beispielsweise Ketose. Fruchtbarkeitsstörungen können folgen, was schließlich in einem frühzeitigen Abgang enden kann.

Es bleibt also festzuhalten: In der Jungviehaufzucht steckt genügend Leistungspotenzial, das es zu nutzen gilt. Betriebe, die auch in Zukunft eine wirtschaftlich rentable Jungviehaufzucht betreiben wollen, müssen ihr Erstkalbealter auf 24 Monate senken und das Herdenmanagement weiter optimieren.

Kontakt: Prof. Dr. Martin Ziron; Ziron(at)FH-SWF.de