Sonstige Eiweißfuttermittel , Futtermittel
13.04.2006

Verarbeitungskapazitäten für Raps werden erheblich erweitert

Bereits in den vergangenen Jahren haben die deutschen Ölmühlen die Verarbeitung von Raps von Jahr zu Jahr erhöht.

Für die Rekordernte von 2004 reichten die Verarbeitungskapazitäten jedoch nicht aus. Im Spätsommer/Herbst 2005 ist dann zusätzlich aus einem anderen Bereich deutlich geworden, dass es an Verarbeitungskapazitäten für Raps fehlt: die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Rapsöl – sowohl im Ernährungsbereich als auch im technischen Bereich (z. B. Biodiesel) – konnte zeitweise nicht voll befriedigt werden.
Diese Erkenntnisse und die Erwartung stabil hoher Nachfrage nach Rapsöl haben dazu geführt, dass derzeit von mehreren Ölmühlen eine Erweiterung ihrer Rapsverarbeitungskapazitäten in Angriff genommen wird. Außerdem ist der Neubau von zwei
oder drei Ölmühlen mit Rapsverarbeitungskapazitäten von je 500.000 t/Jahr geplant.
Insgesamt wird die Verarbeitungskapazität für Raps in Deutschland bis Ende 2007 auf fast 8 Mio. t steigen (Tab. 1). Dies erfordert erhebliche Investitionen und schafft neue Arbeitsplätze. So sind z.B. für eine neue Ölmühle mit einer Rapsverarbeitung von 500.000 t/Jahr Investitionen von rd. 35 Mio. EUR erforderlich und es werden 40–50 Arbeitsplätze in der Ölmühle und zusätzlich 25–30 Arbeitsplätze im unmittelbar vor- und nachgelagerten Bereich geschaffen.

Fazit aus Sicht des Rapserzeugers
Die steigenden Verarbeitungskapazitäten für Raps bieten die Gewähr, dass zukünftig auch Rekordernten problemlos vermarktet werden können. Wird berücksichtigt, dass neben den hier beschriebenen Extraktionsbetrieben auch noch eine Vielzahl von Pressenbetreibern als Nachfrager für Rapssaat am Markt sind, dann kann man ohne Übertreibung festhalten, dass bereits in naher Zukunft die Rapssaat in Deutschland sehr gefragt sein wird und selbst bei großen Ernten die Nachfrage wahrscheinlich nicht voll befriedigt werden kann. Vor diesem Hintergrund ist die Ausweitung der Rapsanbaufläche in Deutschland eine absolut marktkonforme Entscheidung.

Fazit aus Sicht des Tierernährers
Eine Erhöhung der Rapsverarbeitung bedeutet gleichzeitig auch mehr Rapsschrot. Tabelle 2 zeigt, dass die verfügbaren Rapsschrot- Mengen in Deutschland voraussichtlich um mehr als 50 % steigen werden. Rapsschrot ist insbesondere in der Milchviehfütterung und Bullenmast, aber auch in der Schweinefütterung als Proteinträger interessant.
Neue Erkenntnisse zum Anteil an pansenstabilem Protein konnten bereits in exakten Fütterungsversuchen und Praxistests eindrucksvoll bestätigt werden. Aber auch in der Schweinefütterung sind die bisherigen Empfehlungen zum Einsatz von Rapsschrot überholt, weil inzwischen nachgewiesen wurde, dass beim Toastprozess der Glukosinolatgehalt nochmals um rd. 2/3 verringert wird.
Nicht zuletzt ist Rapsschrot aus wirtschaftlichen Gründen eine interessante Alternative bzw. Ergänzung zu Sojaschrot.

Quelle: Veredlungsproduktion 1/2006