Betriebsreportage
02.08.2006

Umbau einer drei-etagigen Käfiganlage zu einer offenen Voliere

In den vergangenen Jahren waren die Legehennenhalter großen Unsicherheiten ausgesetzt, was Investitionen in die Zukunft anbelangt. Der Betrieb Aengenheister in Geldern hat auf dem Heistermannshof aus der Not eine Tugend gemacht und für sich eine Lösung erarbeitet, die ihm vor allem über die unbeständige, politische Entscheidungslage hinweg helfen sollte.

Auf dem Familienbetrieb von Hugo Aengenheister und Ehefrau Josefine wird seit ca. 70 Jahren Legehennenhaltung betrieben. In einem eigenen Hofladen werden Eier, Nudeln, Äpfel, Kartoffeln, Zwiebeln, Eierliköre, Brotaufstriche, Geflügelfleisch sowie Hühnertrockenkot zur Gartendüngung direkt vermarktet.
Neben der Belieferung von zwei Eiertouren werden zudem mittlerweile acht Wochenmärkte mit Erfolg befahren.
Das Eiersortiment deckte von jeher alle Kundenwünsche ab: ca. 3.200 Legehennen produzierten rd. 85 % Käfig- und ca. 15% Boden- und Freilandeier. Mit Beginn der Stempelpflicht musste man sich im Betrieb neuen Herausforderungen stellen.

Plötzlich wurden die Haltungsformen kritisch hinterfragt. �Der größte Teil unserer heutigen Kunden möchte ganz klar keine Käfig-Eier�, erklärt Sohn Georg und ausgebildeter Geflügelwirt, �allerdings seit Beginn der Geflügelpest-Panik auch keine Freiland-Eier mehr�, fügt er lächelnd hinzu.
Aus diesem Grund wägten Aengenheisters die Möglichkeiten der Umstellung der Käfighaltung auf alternative Haltungssysteme gegeneinander ab.

Neue Wege
Nach langen Überlegungen und Abwägungen finanzieller Risiken begann �Tüftler� Hugo Aengenheister Ende 2004 mit dem Umbau der ersten, drei-etagigen Specht-Käfiganlage.

Seine Ziele waren: die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben (Tierschutz-Nutztierhaltungs-VO), die Öffnung einer Seite der Käfiganlage, die Möglichkeit, den ursprünglichen Bedienungsraum als Scharr-Raum zu nutzen, die Tiere sollen die Anlage zur Nahrungsaufnahme, zum Eierlegen und zum Schlafen aufsuchen und die Möglichkeit der Trockenkotproduktion sollte weiter vorhanden sein. Zuerst entfernte er an der zukünftig dem Scharrraum zugewandten Seite den Futterwagen und die Futtertröge, da an dieser Seite die Legehennen die Anlage verlassen und in den Scharrbereich gelangen sollten.
Die Käfigtüren der unteren und mittleren Etage wurden ausgehängt und anschließend die mittlere Etage �entkernt�, d.h. die Bodengitter wurden sämtlich entfernt, ebenso die Seitenwände der einzelnen Käfige. Auch die oberen beiden Kotbänder mussten der Umbaumaßnahme weichen, damit sich später die Hennen innerhalb der Anlage ungehindert in den verschiedenen Ebenen bewegen konnten.

In der oberen Etage sollten die Legenester untergebracht werden.
Zu diesem Zweck wurden auch dort paarweise Bodengitter entfernt, um den Hennen den Aufstieg in die obere Etage/ Nester zu ermöglichen. Zur Erleichterung wurden aus bereits entfernten Bodengittern stabile Podeste geformt und in der mittleren Ebene befestigt. Auf diesen konnten mühelos 4�5 Hennen gleichzeitig stehen, um von dort in die Nestebene zu gelangen.
Die Nester wurden mit gelbem Plastikkotband verkleidet, um sie abzudunkeln. Die Nesteingänge erhielten die heute auch in Familiennestern üblichen, roten Nestverdunklungsfolien aus Plastik.
Die Nestanordnung wurde so gewählt, dass jeweils vier ehemalige Käfige zwei abgedunkelte Nester ergaben, die paarweise entfernten Bodengitter ermöglichten beidseitig den Einstieg.
Vor den Futtertrögen, Nestern und über den in der unteren Ebene verbliebenen Trennwänden der ursprünglichen Käfige wurden abgerundete Dachlatten als Sitzstangen angebracht. Aus den ursprünglich entfernten Bodengittern der alten Käfige wurde auf der Scharrraumseite eine Möglichkeit geschaffen, die Tiere nach der Einstallung zunächst einige Tage in der Anlage einzusperren, um sie an die neue Umgebung zu gewöhnen.
Erst wenn sie Futter-, Wasser- und Nestangebot
ausreichend inspiziert haben, sollten sie in den Scharrraum entlassen werden.
In der so umgebauten Anlage wurden nach Fertigstellung Lohmann Brown Hennen in zwei Altersgruppen eingestallt.
Der Scharrraum wurde mittig sowie am Anfang und am Ende der Anlage durch Türen abgesperrt. So ist der Scharrraum bei Bedarf von allen Seiten zu begehen.
Die Hennen nahmen die umgebaute Anlage gut an. Sämtliche Erwartungen vom Konstrukteur Hugo Aengenheister wurden erfüllt.
Nach der Eingewöhnungsphase wurden die Seitengitter zum Scharrraum geöffnet und die Hennen verließen die Anlage zum Scharren, kehrten aber zur Eiablage und Nahrungsaufnahme in die Anlage zurück.
90�95 % der Eier wurden von den Tieren in den dafür vorgesehenen Nestern abgelegt.
Durch eine Dämmerschaltung, die den Tieren das Beginnen der Nachtruhe ankündigte, wurde erreicht, dass sämtliche Tiere rechtzeitig in der Anlage saßen, bevor die Dunkelphase begann. Das Gefieder der Hennen wurde durch den geringeren Tierbesatz und die Anordnung der Sitzstangen nicht verschmutzt.

Zugeständnisse
Wenngleich die Erwartungen des Betriebsinhabers erfüllt wurden, sollten hier einige Zugeständnisse nicht unerwähnt bleiben, die der Umbau der Käfiganlage mit sich brachte.
Das gravierendste Zugeständnis ist sicherlich der Verlust von rd. 60 % der Tierplätze, aus ehemals 912 wurden 380 Tierplätze. Dies resultiert aus der Tatsache, dass durch die fehlenden beiden oberen Kotbänder nach Tierschutz-Nutztierhaltungs-VO nur die Grundfläche der unteren Etage sowie die Scharrfläche zur Berechnung der möglichen Tierzahl herangezogen werden dürfen.

Auch die Reduzierung der ehemals 6 Futtertröge auf heute 3 sowie die aus der Gangbreite resultierende Scharrfläche je Tier lässt nur noch einen Besatz von 380 Tieren zu. Nestfläche, Sitzstangen und Tränkemöglichkeiten sind hingegen ausreichend vorhanden und würden durchaus einen höheren Besatz zulassen.
Durch das Nutzen des Scharrraumes tagsüber wird ein Teil des Kotes dort abgesetzt und fehlt dementsprechend später auf dem Band (bzw. an der Trockenkotmenge), welches heute aufgrund des höheren Anfalls auf nur einem einzigen Kotband zweimal wöchentlich entmistet werden muss.
Die eingebauten Holzteile begünstigten vor allem in den heißen Sommermonaten das Auftreten von Milben. Der erwünschten, guten Nestannahme zur Eiablage tagsüber stand das unerwünschte Schlafen der Hennen in den Nestern nachts gegenüber.
Alle Nester waren nachts mit Hennen besetzt, die Astroturfmatten mussten verkleinert werden, um ein starkes Verschmutzen der Nester zu verhindern. Da sonst eher die weißen Rassen dazu neigen, in den Nestern schlafen zu wollen, ist die Ursache in diesem Fall vermutlich im Umstand zu sehen, dass die Tiere zum Schlafen höher gelegene Plätze aufsuchen und dies in dem Fall die Nester in der oberen Etage sind.

Weiterentwicklung
Herr Aengenheister hat Anfang 2006 bereits die zweite Käfiganlage umgebaut. Durch technische Raffinessen und Weiterentwicklungen wurden die Ärgernisse bezüglich des Schlafens der Tiere in den Nestern komplett beseitigt sowie der von Milben besetzten Holzteile weitestgehend ausgeräumt. So hat er die Anordnung der Nester in der oberen Etage so verändert, dass er einen mechanischen Nestaustrieb konzipieren konnte, welcher einwandfrei funktioniert.
Dieser treibt spätnachmittags die Hennen aus dem Nest und verschließt es bis zum Eintritt der Nachtruhe. Bei völliger Dunkelheit wird das Nest wieder aufgefahren und steht bei Tagesbeginn zum Legen wieder offen.
Alle ursprünglichen Holzsitzstangen wurden durch verzinkte Rohre ersetzt, die an den Enden mit Silikon verschlossen wurden, um Milben keine Schlupflöcher zu bieten.
Die Futterfläche wurde erhöht, indem der Futterwagen zusätzlich an der Scharrraumseite im oberen Futtertrog weiterläuft. Dies konnte erreicht werden, indem der Futterwagen auf den unteren Etagen einfach abgetrennt wurde.
Auch die neue Anlage ist bereits mit Hennen besetzt, die sich gut in ihrem Umfeld zurecht finden.
Herr Aengenheister plant, nach Ausstallung des ersten Durchgangs zunächst die 1.Anlage technisch auf den fortschrittlichen Stand der 2.Anlage bringen, bevor er Ideen für den Umbau der 3. Anlage entwickeln wird. Hier ist dann das Problem zu lösen, dass diese Anlage mittig zwischen den bereits umgebauten Anlagen steht und die Gänge als Bedienungs- bzw. Kontrollgänge dienen und somit eine Nutzung als Scharrraum problematisch werden könnte.

Weniger Tiere
Eine Beibehaltung der ursprünglichen Tierplatzzahl vor dem Umbau lässt sich ohne größere Investitionen in z.B. eine Volierenanlage nicht klären. Dazu ist der Betrieb momentan nicht bereit. Er möchte lieber mit eigenen Ideen und geringen Investitionen vorhandene Technik nutzen. Die künftig fehlenden Eier werden bei Berufskollegen zugekauft.
Dabei wird sehr darauf geachtet, dass diese die gleiche Qualität wie die auf dem Heistermannshof erzeugten Eier haben.

Quelle: Veredlungsproduktion