Regen erschwert die Getreideernte
Durch andauernde Gewitterschauer geraten in ganz Deutschland die Erntearbeiten immer wieder ins Stocken. Die trockenen Zeitspannen zwischen den Niederschlägen sind in der Regel zu kurz, so dass mit den Erntearbeiten bei Raps und Weizen meist nicht gestartet werden kann.
Die Gerste ist größtenteils gedroschen. Wir haben deutschlandweit mit Verbandsmitgliedern gesprochen, wie sie die derzeitige Erntesituation einschätzen.
In Bayern hat es kräftig geregnet. Ein Großteil der Gerste ist ins Lager gegangen und auch der Weizen zeigt verstärkt eine Lagerneigung. Lohnunternehmer Josef Wirth ist froh, dass seine fünf Mähdrescher mit Allrad und Breitreifen ausgestattet sind. In 2009 hat der Unternehmer in zwei neue Mähdrescher mit 5 Meter bzw. 6 Meter Schneidwerksbreite investiert. Die Kaufentscheidung ist im November gefallen. „Unsere Gegend ist kleinstrukturiert, daher genügen auch die geringen Schneidwerksbreiten. Die Flächen sind im Schnitt zwei Hektar groß“, berichtet Wirth. Der Organisationsaufwand in der Erntespitze ist enorm. Gut 200 Kunden wollen mit den fünf Maschinen termingerecht bedient werden. „Ich organisiere den Ernteablauf zusammen mit meiner Frau. Der Kunde, der zuerst mit dem Mähen beginnt, bekommt auch die Maschine. Außerdem versuchen wir die Straßenfahrten und Umsetzzeiten möglichst gering zu halten“, betont der Lohnunternehmer. Er geht davon aus, dass sich das Dienstleistungsfeld kontinuierlich entwickelt.
In Sachsen ist die Gerste komplett gemäht. Der Raps ist in der Abreife und auf den trockeneren Standorten könnte auch mit der Weizenernte begonnen werden. Lohnunternehmer Peter Drießen aus Bobritsch ist aber noch ganz ruhig: „Ein Großteil des Weizens ist noch nicht abgereift. Der braucht wahrscheinlich noch gut 10 Tage schönes Wetter bevor die Mähdrescher diese Schläge ernten können.“ Drießen ist optimistisch und überzeugt, dass der überwiegende Teil des Weizens erst nach der Rapsernte reif ist. Auch beim Raps haben die wiederkehrenden Schauer noch keinen Schaden verursacht. „Der obere Teil des Rapses ist trocken, doch im unteren Bereich findet man noch grüne Schoten“, berichtet der Lohnunternehmer.
Die Organisation seiner beiden gemieteten Mähdrescher gestaltet sich einfach. Beide Maschinen sind vertraglich an vier Kunden gebunden. Dort laufen sie zusammen mit den Mähdreschern der landwirtschaftlichen Betriebe als Flotte und dreschen jeweils gut 500 Hektar in der Saison. Gemäht wird in der Regel erst, wenn der Raps 9% Feuchte oder das Getreide bei 14,5% Feuchte liegt. „Fahrer und Mähdrescher stellt unser Lohnbetrieb, die Einsatzleitung liegt aber beim Kunden“, erklärt Dießen. Er hat sich dazu entschieden zwei Claas Lexion 540 mit 7,50 Meter Schneidwerk für je zwei Jahre zu mieten, da die Maschinen trotz kleinerem Motor sehr leistungsfähig sind. Im Getreide liegt die Fahrgeschwindigkeit bei gut 4 - 4,5 km/h und beim Raps zwischen 3,2 – 3,7 km/h. „Außerdem kann ich mit einer Schüttlermaschine auch schnell bei einem Kunden aushelfen, der das Stroh fallengelassen haben möchte,“ ergänzt Peter Drießen. Sollte er in Zukunft weitere Kunden vertraglich für den Mähdrusch binden können, wird er noch eine dritte Maschine mieten. Die Bereifung hat der Lohnunternehmer so gewählt, dass die Maschinenbreite unter 3,5 Meter liegt und keine besondere Ausnahmegenehmigung bei Straßenfahrten notwendig ist. „Auch in diesem Jahr sind die Böden noch nicht so nass, dass wir Angst um die Befahrbarkeit der Flächen haben müssen. Daher haben wir auf Zwillingsbereifung oder Raupenlaufwerk verzichtet“, so Drießen.
In Hessen laufen die Mähdrescher in den Regenpausen im Raps und in der Gerste. „In der vergangenen Woche konnten wir unsere Mähdrescher allerdings nur einen halben Tag mähen lassen. Ansonsten zogen immer wieder Regenschauer durch unser Gebiet“, berichtet Rolf Döring aus Fritzlar. Er hofft, dass die Witterung in der kommenden Woche beständiger ist. Dann wäre alles noch im Zeitplan und organisatorisch gut zu schaffen. Doch regnet es weiter, befürchtet der Lohnunternehmer, dass es dann zu starken Ernteüberschneidungen bei den Kulturen kommt. „Dann wird es hektisch“, sagt Döring, der seine 10 Claas Mähdrescher auf gut 1700 Hektar Gesamtdruschfläche einsetzt. Drei Festangestellte sowie die Aushilfsfahrer bekommen zu Beginn der Saison eine interne Schulung, damit es während der Erntespitze zu keinen Problemen kommt. Das Geschäft rund um die Getreideernte wird immer schwieriger. Die Erntetage schrumpfen zusammen und die Kunden wollen heute die Maschine buchen und morgen bedient werden. „Wir haben überwiegend Weizen zu mähen. Nur wenig Gerste und Raps stehen auf der Liste. Würden sich die Anbauverhältnisse ein bisschen verschieben, würde die Ernte für alle Beteiligten ruhiger verlaufen und die Mähdrescher könnten eine höhere Hektarleistung bringen“, merkt Döring an. Einige Mähdrescher sind vertraglich an größere Kunden gebunden und beenden dort erst die Ernte, bevor sie anderswo zum Einsatz kommen. Einige Kunden sind bereit schon bei 17-18% Kornfeuchte mit dem Dreschen zu beginnen. Die Getreideabfuhr liegt in der Hand der Landwirte und ist dort in der Regel auch gut organisiert.
In Nordrhein-Westfalen hat es in der vergangenen Woche gut 80 mm Regen gegeben. „Der Boden war bisher stark ausgetrocknet, so dass wir trotz der starken Niederschläge nicht davon ausgehen, dass die Befahrbarkeit der Flächen leidet“, betont Lohnunternehmer Milte aus Drensteinfurt. Vor gut 3Wochen hat die Gerstenernte begonnen und das Lohnunternehmen konnte trotz kurzer Regenpausen ihre 600 Hektar Gerste zügig abmähen. Die Erträge lagen bei über 80dt/ha. Auch von 600 Hektar Raps wurde bereits dreiviertel der Fläche gemäht. Hier liegen die Erträge zwischen 40- 55dt/ ha. Die fünfzehn Mähdrescher des Betriebs kommen im Schnitt auf eine Jahresleistung von gut 300 Hektar. „Die Maschinen könnten deutlich mehr leisten. Probleme bereitet uns das immer kürzer werdende Erntefenster. Im vergangenen Jahr hatten wir mit allen Maschinen im Schnitt effektiv neun Druschtage“, beklagt Josef Milte und merkt an: „Die Fruchtfolgen unserer Kunden werden immer enger. Vielerorts bauen sie Weizen in Monokultur an, der durch die Bestandesführung oft zeitgleich über alle Sorten abreift. Die Landwirte verlangen dann von uns eine zeitgerechte Ernte.“ Der Preisdruck im Druschgeschäft ist hoch. Doch Josef Milte sieht das nicht als schwerwiegendes Problem an. „ Es sind immer wieder die gleichen Landwirte, die um den Preis feilschen. Doch für die Meisten zählt eine termingerechte Ernte mehr als der letzte Euro beim Druschpreis.“ Er setzt auf die Zusammenarbeit mit Stammkunden. In den Mähdrescherpark investiert das Lohnunternehmen regelmäßig. Das heißt, jährlich wird eine alte Maschine umgesetzt und in eine Vorführmaschine bzw. in einen einjährigen Mähdrescher investiert. „Es ist nicht darstellbar für 10 Einsatztage im Jahr eine Neumaschine zu kaufen“, begründet Milte. Drei seiner Maschinen sind mit Terra-Laufwerken ausgerüstet. „Kunden, die auf Minimalbodenbearbeitung setzen, fordern diese Ausrüstung von uns. Es lässt sich ein Trend in diese Richtung erkennen. Außerdem führen wir jedes Jahr eine interne Fahrerschulung durch, damit auf dem Feld die Arbeitsleistung und die Arbeitsqualität stimmt“, betont Milte.
Auch Niedersachsen ist vom Regen nicht verschont geblieben. In einigen Regionen ist sogar Hagel gefallen und hat für Ertragseinbrüche gesorgt. Die Gerstenernte ist beendet, doch die Rapsernte verläuft sehr zögerlich. Jörg Richter aus Bad Essen befürchtet, dass sich in den kommenden Tagen bei trockener und beständiger Witterung die Rapsernte mit der Ernte von Triticale und Roggen überschneiden wird. Der Lohnunternehmer kennt diese Situation allerdings schon aus den vergangenen Jahren und geht davon aus, dass er mit seinen 19 Mähdreschern gut gegen den Termindruck gewappnet ist. Für schwierige, nasse Flächen steht ein separates Raupenlaufwerk zur Verfügung. Doch bisher scheinen die Bodenverhältnisse trotz der Niederschläge die Befahrbarkeit nicht zu beeinträchtigen. Die Kunden fahren ihr Getreide größtenteils selbst ab.
Fehlt es an großen Hängern, können die Landwirte diese bei Richter für eine geringe Miete leihen. „Es ist mir wichtig durch eine gute Abfuhrlogistik, die Leistung der Drescher zu steigern“, betont der Lohnunternehmer. Für einige Betriebe übernimmt er auch die ganze Getreideabfuhr. Der Maschinenpark ist kontinuierlich gewachsen. Wie der weitere Weg in die Zukunft aussieht, vermochte Richter nicht zu sagen. „Die Fläche wird definitiv nicht mehr. Doch wir müssen schlagkräftig sein, um unsere Kunden termingerecht zu bedienen“, betont er und ergänzt: „Die Kundenforderungen haben sich verschärft. Sie erwarten, dass wir pünktlich, schnell und zuverlässig zum Mähen kommen. Ohne Kompromisse.“ Der Weizen benötigt rund um Bad Essen noch gut 7 Tage bevor er abgereift ist.
Lohnunternehmer Jörn Honermeier aus Mecklenburg Vorpommern beteiligt sich mit zwei Mähdreschern am Erntegeschäft. Bei einer durchschnittlichen Flächengröße von gut 40 Hektar kommt er auf eine Jahresleistung von gut 500 Hektar pro Maschine mit einer Arbeitsbreite von neun Meter. Die Abfuhr liegt in Händen der Kunden. Zur Bodenschonung setzt der Lohnunternehmer auf eine Zwillingsbereifung. „Vor einigen Jahren hatte ich noch mehr Maschinen in der Ernte laufen. Doch das Geschäft muss sich rechnen. Derzeit bin ich mit den zwei Mähdreschern, die bei zwei Kunden laufen, zufrieden. Ich gehe nicht davon aus, dass ich diesen Dienstleistungsbereich in Zukunft wieder ausbauen werde“, erklärt Honermeier. Mecklenburg Vorpommern hat in diesem Jahr reichlich Regen bekommen. Am Freitagnachmittag sind innerhalb einer Stunde nochmals 30mm dazugekommen. Jetzt muss nur noch die Ernte richtig starten. Die Gerste ist noch nicht ganz geerntet und die anderen Kulturen folgen zeitnah. Die Ertragserwartungen für das Bundesland sehen positiv aus. „Für unsere Milchviehkunden ist es allerdings ein sehr schlechtes Jahr. Viele verhandeln über spätere Zahlungsziele. Das ist kein gutes Zeichen“, betont Jörn Honermeier.
Klaus Pentzlin aus Grebin -Schönweide in Schleswig Holstein sieht ein großes Problem in den verkürzten Erntefenstern der letzten Jahre. „Es stehen uns nur noch wenige gute Druschtage im Jahr zur Verfügung. An diesen Tagen müssen die gesamte Organisation sowie die Erntemaschinen reibungslos laufen“, betont der Lohnunternehmer. In diesem Jahr scheint trotz des Regens in den letzten Wochen alles noch im Zeitplan zu liegen. Sollte sich die Regenperiode allerdings verlängern, beginnt die Gerste mit dem Ährenknicken, welches signifikante Ernteeinbussen mit sich bringt. „Dann sind alles Kosten, die die Landwirte für die Trocknung bei einem früheren Erntebeginn hätten ausgeben müssen, durch den anzurechnenden Ernteausfall auch entstanden“, sagt Pentzlin. Er hat drei Mähdrescher älteren Baujahrs mit 7,50Meter Schneidwerksbreite im Einsatz. „Nur so bekomme ich eine Rechnung in die Dienstleistung“, erklärt der Lohnunternehmer. Die Abfuhrlogistik der Landwirte ist gut organisiert. Bei Großbetrieben mit eigener Annahme gibt es keine Wartezeiten auf dem Acker. Probleme bereitet vielmehr die Lieferung zum Landhandel, die oft mit sehr langen Wartezeiten verbunden ist. „Es ist daran zu denken, die Logistik zum Handel über uns abzuwickeln und mit den entsprechenden Unternehmen eine exklusive Kippgenehmigung zu schließen. Dort erkenne ich noch Potenzial“, überlegt Pentzlin. Ihm macht die optimale Auslastung der teuren Maschinen zu schaffen. Vielleicht ist es denkbar, die Drescher europaweit einzusetzen. „Ich denke, mit einem solchen Konzept kann die Jahresleistung eines großen Dreschers auf 1500 Hektar hochgefahren werden“, so der Lohnunternehmer optimistisch.


