04.05.2009

Rapsglanzkäfer: Neue Dimension in der Insektizidresistenz

Die Ausbreitung der Pyrethroidresistenz beim Rapsglanzkäfer ist bereits seit mehreren Jahren ein Thema.

Anwendungsstrategien in Resistenzgebieten zielen unter anderem auch auf den Einsatz einzelner Pyrethroide ab, die mitunter wirksamer sind als andere. Diese praktische Handhabung hat wahrscheinlich dazu geführt, dass internationale Forschungsergebnisse an Rapsglanzkäfern erstmalig das Auftreten einer neuen Qualität in der Resistenzgefahr belegen können. Das sollte bei der Umsetzung eines wirksamen Resistenzmanagements zukünftig berücksichtigt werden.

Die Pyrethroide gehören zu den wirksamsten Insektiziden im Rapsanbau. Gleichwohl ist das Thema Pyrethroidresistenz nach wie vor ein Thema. Die Wirkstoffgruppe der Pyrethroide wurde vor mehr als 30 Jahren in den Markt eingeführt. Bedingt durch den häufigen Einsatz (manchmal auch aus Mangel an Alternativen) und wegen ihres gleichen Wirkungsmechanismus haben einige Schadinsekten „gelernt“, Behandlungen zu überleben. In den Ackerkulturen Deutschlands sind das vor allem der Rapsglanzkäfer, der Kartoffelkäfer und einige Blattlausarten wie zum Beispiel die Grüne Pfirsichblattlaus.

Genetische Veränderungen

Man spricht inzwischen aber von einer neuen Qualität in der Resistenzgefahr. 2008 wurde erstmalig an Käfern aus Dänemark ein vollkommen neuer Resistenzmechanismus nachgewiesen. Auf einigen Flächen dänischer Rapsanbauer zeigte sich in den Jahren 2007 und 2008 eine reduzierte Wirksamkeit von bis dahin noch wirksameren Pyrethroiden. Es kam der Verdacht auf, dass dies nicht nur durch Einfluss des Käferstoffwechsels auf den Wirkstoff (metabolische Resistenz / enzymatischer Wirkstoffabbau), sondern durch genetisch bedingte Veränderungen verursacht wird. Man spricht dann von Wirkort-Resistenzen, eine ganz neue Qualität im Resistenzverhalten, das bisher in Europa noch nie an Rapsglanzkäfern gefunden wurde!

Gefahr der Kreuzresistenz

Eine solche Wirkort-Reistenz ist die sogenannte “KDR-Resistenz“ (knock-down resistance) gegen Pyrethroide, welche diese schwächer an den Wirkort binden und damit auch nur noch unzureichend wirken lässt. Eine solche Mutation am Wirkort einer Wirkstoffklasse führt zu starker Kreuzresistenz, d.h. alle Wirkstoffe einer Insektizidklasse sind betroffen und wirken schwächer oder gar nicht mehr.

Dänische Erkenntnisse bestätigt

Im Jahre 2008 wurden Käfer aus verdächtigen dänischen Rapsglanzkäferpopulationen zur weiteren Untersuchung an das Resistenzlabor von Bayer CropScience nach Monheim gesendet. Mit Hilfe molekularbiologischer Methoden wurden aus einer kleinen Probe 16 Rapsglanzkäfer hinsichtlich einer möglichen KDR – Resistenz analysiert. Es hat sich herausgestellt, dass zahlreiche Käfer diese Mutation ausprägen. Der Befund wurde von einem zweiten Labor in England bestätigt. Diese Käfer zeigen damit eine Veränderung an den Nervenzellen, die alle Pyrethroide gleichermaßen in ihrer Wirkung beeinträchtigt!

Die Bestätigung der genetisch fixierten Wirkort – Resistenz bei dänischen Rapsglanzkäfern gegen Pyrethroide hat Bedeutung für die gesamte Anti – Resistenzstrategie, denn das bisher nur in Dänemark beobachtete Phänomen kann ebenfalls in anderen Ländern auftreten. Dabei sollte nicht nur die Gefahr einer natürlichen Einschleppung in grenznahe Regionen berücksichtigt werden. Bedeutsamer ist das Risiko, dass sich solch eine genetische Resistenz – unabhängig von Dänemark - auch bei uns entwickeln kann. Ermöglicht wurde die bedrohliche “Weiterentwicklung“ der Pyrethroid-Resistenz, weil Wirkstoffe dieser Gruppe zu einem hohen Grad wiederholt eingesetzt wurden.

Pyrethroide sinnvoll platzieren

Die Wirkort-Resistenz erlaubt praktisch keine Differenzierung mehr zwischen Pyrethroiden, da hier alle Wirkstoffe gleichermaßen in ihrer Effektivität eingeschränkt werden. Dies wurde unter anderem an der Grünen Pfirsichblattlaus gezeigt, die schon früher eine identische Mutation ausgebildet hat. Wir werden in diesem Jahr weitere Untersuchungen durchführen, auch um die sinnvolle Positionierung von Pyrethroiden als wichtige

Wirkstoffklasse in Resistenzmanagement-Strategien weiterhin zu unterstützen. Neben dem Glanzkäfer es ja auch noch Erdflöhe oder Rüssler als wichtige Schädlinge im Raps. Bei denen wurde bislang noch keine Pyrethroidresistenz festgestellt.

 

Der von Fachleuten geforderte Wirkstoffwechsel aus Gründen des Resistenzmanagements sollte immer die wahren chemischen Gruppen (Neonicotinoide, Pyrethroide, Organophosphate etc.) der verschiedenen Wirkstoffe berücksichtigen. Ein Wechsel  innerhalb einer Wirkstoffklasse ist immer dann abzulehnen, wenn andere Alternativen in Resistenzgebieten verfügbar sind.