Pressekonferenz auf der Eurotier 2008: von links: Michael Winkler, Uwe Fischer, Dieter Kundrun, Jörg Eggers


Futtermittel, Rapsextraktionsschrot
17.11.2008

Raps- und Sojaschrot auf Erfolgskurs

Einsatzmengen für Raps- und Sojaschrot in der Tierernährung steigen kontinuierlich an / Gefahr einer Versorgungslücke bei Sojaschrot zeichnet sich ab / Hohe Qualität aus deutschen Ölmühlen als Erfolgsgarant

Raps- und Sojaschrot finden in der Tierernährung eine zunehmende Anwendung. Im Jahr 2008 konnte die Einsatzmenge von Rapsschrot auf über drei Millionen Tonnen gesteigert werden. Dies entspricht einem prozentualen Zuwachs von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einer Verdopplung im Vergleich zur Einsatzmenge im Jahr 2001.
Steigerungen konnten auch beim Einsatz von Sojaschrot in der Tierernährung
verzeichnet werden. Hier ist die Einsatzmenge auf 4,7 Tonnen gestiegen.
Rapsschrot-Qualität setzt sich durch Als Erfolgsfaktoren für diese Mengensteigerung nannte Uwe Fischer, Vorsitzender des Futtermittelausschusses von OVID, dem Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland, vor allem die hohe und gleich bleibende Qualität des Rapsextraktionsschrotes aus deutschen Ölmühlen, die sichere Verarbeitung, sowie die hohe Preiswürdigkeit und schnelle Verfügbarkeit.


Intensive Züchtung und Forschung brachten Erfolge
„Der flächendeckende Einsatz von 00-Rapssorten und geringere Gehalte an
Glycosinolaten brachten hier den Durchbruch. Durch jahrzehntelange
Forschungsarbeit mit umfangreichen Fütterungsversuchen konnten zudem die Einsatzempfehlungen von Rapsschrot in den Nutztierrationen kontinuierlich
erhöht werden“, so Fischer.
„Das UFOP-Monitoring für Protein, Rohfett und Glucosinolatgehalte zeigt eine
sehr geringe Schwankungsbreite bei den untersuchten Rapsextraktionsschroten
aus deutschen Ölmühlen. Aufgrund dessen ist Rapsschrot in der
modernen und wirtschaftlichen Tierernährung nicht mehr weg zu denken.“
Grundsätzlich gehen die Ölmühlenexperten von einer Verarbeitungskapazität
von Rapssaaten von etwa 9,45 Millionen Tonnen in Deutschland aus. Daraus
ergibt sich eine theoretisch verfügbare Produktionsmenge von circa 5,3
Millionen Tonnen Rapsextraktionsschrot und anderen Futtermitteln aus der
Rapsverarbeitung in den Ölmühlen.

Rapsschrot liegt im Trend
Der Nettoexport ist in den letzten Jahren leicht angestiegen und betrug im
Getreidewirtschaftsjahr 2006/2007 annähernd 1,5 Millionen Tonnen Schrot.
Zudem prognostiziert Uwe Fischer eine Steigerung der Einsatzmenge in den
nächsten Jahren auf 3,8 Millionen Tonnen.
Diese Einschätzung basiert auf dem derzeit noch nicht ausgenutzten Potential
im Bereich der Rinder- und Schweinefütterung sowie neuen Möglichkeiten
zum Beispiel in der Fütterung von Legehennen und Jungrindern.
Kennzeichnung „ohne Gentechnik“
Inwieweit die Kennzeichnungsmöglichkeit ohne Gentechnik ein weiteres
Absatzpotential für Rapsschrot ermöglicht, ist nach Einschätzung des
Verbands noch nicht zu beurteilen.

Dazu Fischer weiter: „Zurzeit planen nur wenige Lebensmittel-Produzenten
diese Regelung nutzen zu wollen. Geschieht dies jedoch aufgrund der
Wettbewerbssituation auf breiter Basis, dann müssten auch die letzten Anteile
von gentechnisch verändertem Sojaschrot in den relevanten Ernährungsphasen
durch Non-GMO-Ware ersetzt werden.“


Volatile Marktsituation
Den Markt und die Verarbeitungssituation für Sojaschrot kennzeichnete
Michael Winkler, ADM Hamburg und Mitglied des Futtermittelschusses bei
OVID, als sehr dynamisch. So konnten im zurückliegenden Jahr die historisch
höchsten Preise für Soja notiert werden. Der Markt zeichnet sich durch eine
hohe Volatilität aus, vor allem verursacht durch hohe Seefrachten und
Energiepreise und dem Anstieg der Spekulationen bei den Agrarrohstoffen.
Die Versorgung mit Sojaschrot basiert zurzeit auf Importen aus USA, Brasilien
und Argentinien. „Die Sojabohnen aus USA und Argentinien sind als 100
Prozent GMO-Ware anzusehen. Brasilien produziert derzeit etwa 60 bis 70
Prozent GMO“, erläuterte Michael Winkler. „Da es sich zurzeit bei den
angebauten Bohnen um zugelassene Sorten handelt, ist eine uneingeschränkte
Versorgung mit Sojaprodukten gewährleistet. Bei Non-GMO-Sorten werden
zurzeit etwa zehn Millionen Tonnen aus brasilianischem Anbau separat
vermarktet.“
Diese Menge sei laut Winkler ausreichend, um den aktuellen Bedarf zu
decken.


Versorgungssituation gefährdet
Im Rahmen des Pressegespräches wies Winkler allerdings auf die künftige
GVO-Importsituation hin, die für die europäische Veredelungsproduktion zu
einer ernsten Bedrohung werden kann.

Im Erntejahr 2008/2009 werden in den USA erstmalig „Roundup-Ready 2“
Sojabohnen (RR2) zur Saatenvermehrung angebaut.
„Diese RR2-Bohnen sind in der EU bislang nicht zugelassen. Dies bedeutet,
dass keine einzige Bohne dieser Sorten in einem Schiff sein darf. Der
Zulassungsprozess zieht sich in die Länge und es können keine wirklichen
Fortschritte verzeichnet werden.“
Dies bedeutet für das Wirtschaftsjahr 2008/2009 noch keine großen
Auswirkungen, da der Anbau von RR2-Sorten nur zur Vermehrung erfolgt.
Eine Vermischung ist laut OVID nicht zu erwarten, allerdings ein zusätzlicher
Aufwand zur Untersuchung der angelieferten Ware.
Auswirkungen 2010 konkret
Im Wirtschaftsjahr 2009/2010 wird allerdings der Anbau ausgedehnt, vor allem
in den USA. Eine Vermischung ist wahrscheinlich und eine Versorgung aus
anderen Regionen, zum Beispiel Brasilien, notwendig. Experten gehen
allerdings davon aus, dass die neuen Sorten auch dort bereits vermehrt
werden.
Im Wirtschaftsjahr 2010/2011 könnte im schlimmsten Fall eine Versorgung mit
Sojabohnen außerhalb der existierenden Non-GMO-Schiene unmöglich
werden. Verschärft wird das Problem durch die bereits in Entwicklung
befindlichen weiteren Sorten. Unberücksichtigt sind auch Probleme, die sich
aus der Vermischung mit anderen Produkten, wie zum Beispiel Mais und
Canola, ergeben können.
Sollte sich die Einstellung der EU in Bezug auf Null-Toleranz nicht ändern, ist
die Wahrscheinlichkeit hoch, dass einzelne Länder als Importeure komplett ausfallen, unter Umständen auch mehrere. Gleichzeitig, so Winkler,
verschlechtert sich durch diese Planung die Situation der Ölmühlen und die
Versorgungssicherheit wird deutlich einschränkt.
Terminkontakte, wie im Sojaschrot üblich, werden nicht mehr zu kalkulieren
sein. Eine Versorgung mit Non-GMO-Ware ist dabei auch keine Alternative,
wie der Marktexperte aufführte. Eine zunehmende Nachfrage könnte
sicherlich zusätzliche Mengen auf den Markt bringen, aber niemals auch nur
annähernd den gesamten Markt versorgen.

Hintergrundinformationen zur Versorgungssituation sind auf der Website von
OVID abrufbar.