
Abbildung 1: Erster Durchgang, Tageszunahmen

Abbildung 2: Zweiter Durchgang, Tageszunahmen
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Praxisversuch mit Rapsextraktionsschrot in der Fresseraufzucht
Vor dem Hintergrund der schwierigen Erlössituation in der Fresseraufzucht und Rindermast, die neben den Kälberpreisen vor allen Dingen durch die stark schwankenden Futterkosten bedingt sind, bietet der Einsatz von Raps- statt Sojaextraktionsschrot eine Möglichkeit zur Kostenreduzierung.
Das Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub führte von 2008 bis 2009 zusammen mit einem Ringbetrieb des LKV in der Oberpfalz einen Versuch zum Einsatz von Rapsextraktionsschrot in der Fresseraufzucht durch. Das Vorhaben wurde von der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) gefördert.
So wurde der Versuch durchgeführt
Die Fresser waren in einem Warmstall mit Gummispalten, Porenlüftung und Heizung untergebracht. Die Gruppen waren im selben Stallabteil, links und rechts des Futtergangs aufgestallt. Die Fütterung der Gruppen wurde von Hand durchgeführt, dabei wurde jede Mahlzeit eigens zugewogen. Die tägliche Futteraufnahme ließ sich dadurch nur als Mittelwert je Gruppe erfassen. Zum Vergleich von Soja- und Rapsextraktionsschrot als Eiweißfuttermittel wurden zwei hintereinander folgende Durchgänge mit jeweils 2 mal 20 Fleckviehkälbern durchgeführt. Die Kälber wurden mit einem Durchschnittsgewicht von jeweils ca. 85 kg nach Gewicht, Fleischwert des Vaters und Alter gleichmäßig auf die Gruppe mit Sojaextraktionsschrot („Sojagruppe“) und die Gruppe mit Rapsextraktionsschrot („Rapsgruppe“) verteilt. Die Kraftfuttermischungen mit Rapsextraktionsschrot wurden im Energie- und Proteingehalt auf die gewohnte betriebliche Mischung mit Sojaextraktionsschrot abgestimmt. Der Futterplan ist in der fileadmin/user_upload/Pflanzen/Tabelle_1_Futterplan.pdfTabelle 1, die jeweilige Kraftfutterzusammensetzung in der fileadmin/user_upload/Pflanzen/Tabelle_2_Kraftfutterzusammensetzung.pdfTabelle 2 dargestellt.
Im ersten Durchgang befand sich die Rapsgruppe an der Stall-Außenwand. Für den zweiten Durchgang wurden die Abteile gewechselt, so dass die Sojagruppe jetzt an der Außenwand stand. Der Futterplan wurde vom ersten Durchgang beibehalten. Im Kraftfutter der Rapsgruppe wurde der Anteil an Rapsextraktionsschrot zu Lasten von Körnermais von 27,7 % auf 32 % erhöht.
Die Tiere wurden alle zwei Wochen gewogen, um Unterschiede in den Zunahmen feststellen zu können.
Hohes Zunahmeniveau erreicht
Im ersten Durchgang zeigten die Tiere der Rapsgruppe vom Beginn bis etwa zur achten Woche eine geringere Futteraufnahme bei Kraftfutter und Maissilage (Tabelle 3). Dies spiegelt sich in den Tageszunahmen (Abbildung 1) wieder. Signifikante Unterschiede sind dabei mit einem Stern gekennzeichnet. Mit Ausnahme des vierten Wiegeabschnitts (achte Woche) lagen die Zunahmen der Rapsgruppe durchwegs unter denen der Sojagruppe und sanken gegen Ende der Aufzucht. Die Fresser erreichten nach zwölf Wochen ein durchschnittliches Gewicht von 196 kg in der Raps- und ca. 206 kg in der Sojagruppe. Die durchschnittlichen Zunahmen der Sojagruppe lagen mit rund 1415 g über denen der Rapsgruppe (1298 g), waren jedoch nicht signifikant unterschiedlich. Die Futterkosten im Jahr 2008 betrugen bei der Rapsgruppe 99,97 €/Tier und bei der Sojagruppe 106,68 €/Tier.
Im zweiten Durchgang zeigte sich genau das Gegenteil: die Tiere der Rapsgruppe fraßen vom Beginn bis etwa zur sechsten Woche mehr Kraftfutter und Maissilage als die Sojagruppe (Tabelle 4). Die Tageszunahmen (Abbildung 2) zeigen, dass die Sojagruppe ab der sechsten Woche im Wachstum aufholte und die Rapsgruppe sogar signifikant übertraf. Die Zunahmen der Sojagruppe sanken gegen Ende der Aufzuchtperiode jedoch wieder unter die der Rapsgruppe. Die durchschnittlichen Zunahmen während des gesamten Versuchs betrugen 1455 g bei der Raps- und 1425 g bei der Sojagruppe und waren nicht signifikant unterschiedlich. Die Futterkosten bei Unterstellung der Preissituation im Jahr 2008 betrugen bei der Rapsgruppe 103,27 €/Tier und bei der Sojagruppe 111,05 €/Tier.
Schlussfolgerungen
Der Vergleich innerhalb der beiden Kontrollgruppen mit Sojaextraktionsschrot zeigt geringe Abweichungen zwischen erstem und zweitem Durchgang, so dass keine signifikanten Einflüsse des Stallabteils vorlagen. Als Gründe für Unterschiede innerhalb und zwischen den Durchgängen verbleiben deshalb Qualität und Gesundheitsstatus der aufgestellten Kälber, sowie die Qualität der jeweils eingesetzten Eiweißkomponente. Zu den gleichen Ergebnissen gelangten PREISSINGER et al. 2008. Auch hier wurden keine signifikanten Unterschiede beim Vergleich von Soja- und Rapsextraktionsschrot als Eiweißkomponente in der Fresseraufzucht festgestellt. Unterschiede zu vorliegendem Versuch bestehen jedoch im absoluten Niveau der Tageszunahmen, die auf das Niveau der Nährstoffversorgung zurückzuführen sind. Im vorliegenden Versuch spiegeln beide Durchgänge ein sehr hohes Niveau der Tageszunahmen wieder. Zum Vergleich: die durchschnittlichen Zunahmen in den Fressererzeuger-Betrieben Bayern‘s im Jahr 2008 betrugen 1100 g/Tier und Tag (LKV-BAYERN, 2009), d.h. auch das Ergebnis der Versuchsgruppe im ersten Durchgang ist mit 1298 g/Tag als sehr gut zu bewerten. Durchschnittliche Tageszunahmen um 1400 g bei Fresser lassen daher den Schluss zu, dass mit Rapsextraktionsschrot bei niedrigeren Futterkosten dem Sojaschrot vergleichbare Spitzenergebnisse erzielt werden können.
Fazit für die Praxis
Gute Qualität vorausgesetzt sind Rapsextraktionsschrot und Sojaextraktionsschrot als Eiweißfuttermittel in der Fresseraufzucht ebenbürtig. Durch Verwendung von Rapsextraktionsschrot können damit die Futterkosten gesenkt werden. Ausschlaggebend für die Höhe der Tageszunahmen sind in erster Linie Qualität und Gesundheitsstatus der Kälber, sowie die Aufzuchtbedingungen der Fresser. Rapsextraktionsschrot kann sowohl als alleinige Eiweißkomponente als auch in Kombination mit Sojaextraktionsschrot in der Fresseraufzucht eingesetzt werden.
Dr. Hubert Schuster LfL-Tierernährung Grub
Josef Zwickl AELF Straubing
Heinrich Promberger Ringassistent, LKV-Bayern
Literaturverzeichnis
LANDESKURATORIUM FÜR TIERISCHE VEREDELUNG IN BAYERN (2009): Fleischleistungsprüfung in Bayern 2008. – Ergebnisse und Auswertungen
PREISSINGER, W.; SPIEKERS, H., OBERMAIER, A. (2008): Rapsextraktionsschrot als alleiniges Eiweißfuttermittel in der Fresseraufzucht. – Veredelungsproduktion 1/2008, 10 - 11