Ölschrotpreise auf hohem Niveau
Proteine sind derzeit relativ teuer. Die hohen Getreidepreise und das knappe Angebot an Raps- und Sojaschrot führen zu Schrotpreisen so hoch wie zuletzt vor zwei Jahren. Dabei spielt auch die Verfügbarkeit der Rohstoffe sowie die Entwicklungen an den Termin- und Finanzmärkten eine preiswirksame Rolle.
Die absehbar geringeren Rapsernten in Europa, aber auch in den anderen Haupterzeugungsregionen wie der Ukraine und Kanada ließen die Rapskurse kräftig anziehen. Anfang September schlossen die Rapsnotierungen an der Terminbörse in Paris bei 378 EUR/t und damit 110 EUR/t über Vorjahr. Das ist eine Steigerung um gut 40 %. Der teurere Rohstoff ließ auch die Forderungen für Rapsschrot kräftig ansteigen. Anfang September wurde für prompte Partien die Linie von 200 EUR/t erneut überschritten. Das ist sogar ein Plus von 47 % gegenüber September 2009. Damit kostet ein Prozent Protein in einer Tonne Rapsschrot 5,70 Euro; so viel wie zuletzt im April 2008. Bereits vor der Rapsernte in Deutschland wurden die Forderungen für Rapsschrot spürbar angehoben. Im Juni wurden noch Preise um 170 EUR/t verzeichnet.
Mit der absehbar späteren Ernte und der damit verbundenen Verschiebung des neuerntigen Rapsschrotangebotes um rund einen Monat nach hinten, ließ das Kaufinteresse rasch ansteigen. Dabei nahm das Angebot schnell ab. Innerhalb von zwei Wochen steigen die Forderungen für vordere Ware um 20 EUR/t. Seither haben sich die Forderungen kaum ermäßigt, denn die negativen Erntemeldungen bei uns, aber auch in anderen europäischen, rapserzeugenden Ländern ließ keine Preisabsenkung zu, wie sie in anderen Jahren zu diesem Zeitpunkt üblich sind. Daher startete die neue Saison bereits auf hohem Preisniveau und es ist nicht absehbar, dass sich die Versorgungslage ändern wird.
Zwar ist die deutsche Rapsernte mit 5,6 Mio. t nicht so schlecht ausgefallen wie befürchtet und die niedrigeren Ölgehalte der Rapssaat bieten eine höhere Schrotausbeute als z.B. im Vorjahr. Dennoch wird es weniger Rapsschrot aus deutschen Ölmühlen geben als 2009/10. 700.000 t weniger Raps bedeuten 390.000 t weniger Rapsschrot. Im vorangegangenen Wirtschaftsjahr wurde die Rekordmenge von 4,7 Mio. t Rapsschrot in deutschen Ölmühlen hergestellt, davon war ein Drittel aus importierter Rapssaat. Erweitert wurde das Inlandsangebot durch Importe in Höhe von 344.000 t. I
In der Mischfutterproduktion wurden rund 2,1 Mio. t eingesetzt. Nur etwas weniger, gut 1,8 Mio. t hat Deutschland ins Ausland abgesetzt. Vor allem die Außenhandelsbilanz dürfte sich im laufenden Wirtschaftsjahr ändern. Noch ist unklar wie sich die Verarbeitungsmengen entwickeln werden, aber da bislang die Margen der Ölmühlen auf niedrigerem Niveau als im Vorjahr liegen, könnte auch die Rapsverarbeitung zurückgefahren werden.
Nachhaltigkeitsverordnung verändert Warenströme
Ein Punkt der dagegen spricht, ist die ab 1.1.2011 geltende Verordnung hinsichtlich nachhaltiger Biomasse für den Energiesektor, der den Schrotmarkt indirekt auch tangiert. Ab 01.01.2011 müssen Öle, die für energetische Zwecke verwendet werden, aus nachhaltiger Produktion stammen. Dabei müssen alle in der Wertschöpfungskette Beteiligten eine Zertifizierung vorweisen. Diese Regelung gilt in dieser strengen Auslegung nur in Deutschland. Daher wird Raps der importiert wird - im Wirtschaftsjahr 2009/10 waren das immerhin 2,7 Mio. t - -wohl kaum den deutschen Nachhaltigkeitsansprüchen genügen. Rapsöl aus Raps dieser Provenienzen darf nur im Lebensmittelsektor eingesetzt werden. Das bedeutet im weitesten Sinne, dass kein deutscher Raps mehr ausführen darf, weil Deutschland alles für den technischen Bereich selber benötigt. Das bedeutet auch, dass die Rapsverarbeitung auf dem hohen Stand bleiben muss, um die beiden Nachfragesegmente Nahrung und Energie weiter bedienen zu können. Damit wäre auch die Versorgung mit Rapsschrot gesichert. Oder aber Deutschland importiert wieder mehr Rapsöl als in den Vorjahren und dann hauptsächlich für den Nahrungsmittelsektor.
Der Einsatz von Rapsschrot im Mischfutter wird auch von dem Preisverhältnis zu Sojaschrot beeinflusst. In den vergangenen Wochen hat sich die Vorzüglichkeit von Rapsschrot wieder verbessert, denn die Sojaschrotpreise sind noch kräftiger gestiegen. Seit Ende Juli sind die Forderungen um 37 EUR/t, das sind knapp 13 %, angehoben worden. Dabei kamen und kommen die preistreibenden Impulse gar nicht vom Sojamarkt, sondern vom Getreidemarkt. Als aufgrund des unlängst verhängten Exportstopps von Getreide aus Russland die Weizenpreise nach oben schnellten, gingen auch die Ölsaatenkurse mit nach oben. Momentan ist es der Maismarkt der preisstützende Wirkung entfaltet.
Fazit: Die Rapsschrotpreise dürften sich in den nächsten Monaten kaum nennenswert entspannen, da der Rohstoff Raps angebotsbedingt hochpreisig bleiben wird. Auch die hohen Getreidepreise stützen die Proteinpreise. Beim Sojaschrot könnte es mit Beginn der US-Sojaernte zu rückläufigen Schrotpreisen kommen, falls sich das Rekordergebnis bestätigt und kein unerwarteter Nachfrageboom der Chinesen einsetzt. Auch die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft und in deren Folge die Währungsrelationen werden maßgeblich an der Preisbildung beteiligt bleiben.
