
Foto: agrar-press
Nutztiere erfolgreich füttern
Wie Nutztiere erfolgreich gefüttert werden können stand im Fokus des Forums angewandte Forschung in der Rinder- und Schweinefütterung, das gemeinsam von der Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und dem Verband der Landwirtschaftskammern durchgeführt worden ist.
Die Veranstaltung dient vor allem der frühzeitigen Information und Koordination von Versuchsvorhaben und dem kritischen Austausch von Versuchsergebnissen aus der praxisorientierten, angewandten Forschung sowie der Diskussion und Abstimmung, zum Beispiel bezüglich methodischer Vorgehensweisen. So wurden allein im Bereich Versuchsmethodik in den vergangenen zehn Jahren über 80 zum Teil nachgefragte Beiträge vorgestellt und erörtert, unter anderem zur Versuchsanstellung (Leitlinien), zu Ringversuchen zur Verdaulichkeit (Hammel, Schwein), zu Referenzwerten für Inhaltsstoffe im Blut als Indikatoren bei der Milchkuh, zu Schätzgleichungen für den Energiegehalt, Mahlfeinheit und Futterkonsistenz (Schweinefutter) sowie zum Fütterungs-Controlling.
Tierernährung 2020 – Herausforderungen an die anwendungsorientierte Forschung
Da im Laufe der Zeit zunehmend in Politik und Medien verschiedene Aspekte der Produktion tierischer Lebensmittel kritisch diskutiert werden, sind die Landwirtschaft und auch die damit einhergehende Forschung und Beratung gefordert, darauf einzugehen und gegebenenfalls Lösungen zu suchen. Die kürzlich von der DLG gemeinsam mit dem Verband der Landwirtschaftskammern und unter Mitarbeit des Institutes für Tierernährung des Friedrich Loeffler Instituts sowie der Fachgruppe Tierernährung des VDLUFA ausgerichtete, zehnte Arbeitstagung stand daher unter dem Thema „Tierernährung 2020 - Herausforderungen an die anwendungsorientierte Forschung“. Es wurden teils widersprüchliche Anforderungen aus Sicht der Qualitätsforschung und des Handels (des Kunden) vorgetragen und anstehende/resultierende Anforderungen an die Forschungseinrichtungen diskutiert. Der Handel wird in zunehmendem Umfang große Mengen an hoch standardisierter Ware fordern. Dabei wird zukünftig auch eine stärkere Berücksichtigung verschiedener Aspekte bei der Haltung/Produktion, wie zum Beispiel Tierschutz, Klima, Gesundheit, vom Handel (Kunden) verlangt. Jedoch sind nicht alle vom Handel erhobenen Forderungen im Hinblick auf Qualitätsmerkmale derzeit objektiv wissenschaftlich begründbar oder entspringen originären Kundenwünschen. Sie dienen auch der Produktprofilierung zum Zwecke der Kundenbindung und höheren Wertschöpfung.
Neue Systeme der Futterbewertung erforderlich
Veränderungen seitens der Tiere (Zucht), Futter und Leistung erfordern auch neue Systeme der Futterbewertung mit innovativen Kriterien, um die Energie- und Nährstoffeffizienz noch weiter zu verbessern und standort- und leistungsangepasste Fütterungskonzepte unter Berücksichtigung von Umweltwirkungen und Tiergerechtigkeit erstellen zu können. Die jetzt im Rahmen des zehnten Forums angesprochenen Anforderungen, Anregungen und Vorschläge sollten auch in Überlegungen bei der mittelfristigen Planung der Forschungseinrichtungen einfließen. Die Finanzierung von Sonderwünschen in Forschung und Produktion muss allerdings von den nachfragenden Verbrauchergruppen getragen werden.
Modernere Analysenparameter für Kohlenhydrate vorgestellt
In der Rinderfütterung kommt den Kohlenhydraten eine große Bedeutung zu, da die neben Stärke und Zucker in den Futterpflanzen enthaltenen Faserkohlenhydrate durch die Mikroben im Pansen teilweise genutzt und für das Tier verfügbar gemacht werden können. Dabei handelt es sich um sehr unterschiedliche chemische Verbindungen, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und in unterschiedlichem Umfang abgebaut werden. Die bisherige Unterteilung der Kohlenhydrate in Rohfaser und stickstofffreie Extraktstoffe (NfE) durch die Weender Analyse erlaubt dabei keine saubere Abgrenzung der Faser- und Nichtfaser-Kohlenhydrate und kann damit die Unterschiede in den Kohlehydraten verschiedener Futtermittel nicht befriedigend darstellen. In zwei Referaten wurden „modernere Analysenparameter“ für die Kohlenhydrate und die Bewertung dieser Parameter dargestellt (z.B. das Cornell Net Carbohydrat and Protein-System). Dabei wurde im Hinblick auf die Bewertung der „Struktur“ auch die Partikelgröße als neuer physikalischer Parameter (physical effectiv neutral detergent fibre ,pe NDF) an Stelle bzw. ergänzend zur Rohfaser einbezogen. Von den angesprochenen Methoden gibt es für einige schon etablierte Analysenmethoden (enzymatische Stärkebestimmung, ADForg, NDForg), teils steht die Ausformulierung und Festlegung von benötigten Methoden noch an (z.B. Aufschlussgrad von Stärke).
Ebermast in der Diskussion
Im Hinblick auf die politisch gewünschte Abkehr von der Ferkelkastration wird die Mast von Ebern diskutiert. Möglichkeiten der Zucht, der Immunokastration durch „Impfung“ und der Haltung zur Vermeidung des Ebergeruches (Skatol und Androstenon) wurden dargestellt. Eine rein züchterische Reduzierung des Ebergeruchs scheint möglich. Sie benötigt jedoch eine Zeitspanne von ca. acht bis zehn Jahren. Angesichts des hohen Drucks von Tierschutzorganisationen erscheint daher eine solche Lösung politisch nur bedingt hilfreich. Anzumerken ist, dass der einmalige Eingriff (Kastration) insbesondere hinsichtlich des Schmerzes für das Ferkel diskutiert wird (Gleiches gilt für die Impfung mit zweimaliger Injektion), wogegen die bei der Mast von Ebern zu erwartenden ständigen Rangkämpfe und Verletzungen der männlichen Tiere im Zeitraum der Pubertät bisher überhaupt nicht thematisiert werden. Versuchsergebnisse zeigen, dass Eber gerade am Ende der Mast noch höchste Zunahmen erreichen und so höhere Anforderungen an die Nährstoffversorgung in der Endmast stellen als Sauen und Kastraten.
Zum Thema Mahlfeinheit und Futterkonsistenz wurden Ergebnisse zur Mastleistung und veterinärmedizinische Erhebungen zur Integrität der Magenschleimhaut bei Einsatz von Futter mit definierten Partikelgrößen vorgestellt. In Kooperation sind weitere Versuche geplant, um mehr Informationen zu den einzelnen Faktoren Mahlfeinheit, Konfektionierung (Mehl, Pellets) und Getreideart, zu erhalten und so gegebenenfalls gezielte Empfehlungen für die Einstellung der Mahlfeinheit im Schweinefutter geben zu können.