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Allgemeine Informationen Futtermittel, Futtermittel
15.05.2009

Nachhaltig zertifizierte Rohstoffe – auch für Lebensmittel?

Eine Gruppe von führenden Unternehmen, die in dem Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID), dem Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse (VdG) e.V. und dem Deutschen Verband des Großhandels mit Ölen, Fetten und Ölrohstoffen e.V. (Grofor) organisiert sind, haben in der aktuellen Diskussionslage um das Thema Nachhaltigkeit eine ebenso überraschende wie kompromisslose Forderung erhoben: Ökonomische, das heißt in diesem Fall logistische, aber auch Gründe des Klimaschutzes machen es notwendig, die Nachhaltigkeitsnachweise für Biomasse auf sämtliche Verwendungsbereiche anzuwenden.

Die Industrie fordert deshalb ein „level playing field“ hinsichtlich der Zertifizierung von Nachhaltigkeitsnachweisen für Biomasse.
„Nur die Einbeziehung aller Verwendungsbereiche kann sicherstellen, dass die kostenminimierenden logistischen Gepflogenheiten des Handels mit Massenschüttgütern beibehalten werden können, alle in der EU verwendeten agrarischen Rohstoffe nachhaltig sind und somit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Es gilt, Nachhaltigkeit als Kriterium der Massenschüttgütermärkte zu etablieren und eine Fragmentierung der agrarischen Rohstoffmärkte auch im Interesse des Klimaschutzes zu verhindern“, erläutert Stefan Cremer, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Cremer- Gruppe und Vorsitzender des Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse. Die Voraussetzungen hierfür seien durch bereits bestehende privatwirtschaftliche Initiativen wie den „Round Table on Sustainable Palm Oil“ gegeben.

Der im Jahr 2001 auf Initiative des WWF in Malaysia gegründete „Round Table on Sustainable Palm Oil“ (RSPO), dem Firmen aus sämtlichen Verwendungsbereichen für Palmöl angehören, ist bereits heute in der Lage, nachhaltig zertifizierte Biomasse auf dem Weltmarkt anzubieten. Auch das in der Erneuerbare Energien Richtlinie (R-ED) festgeschriebene Nachhaltigkeitskriterium der Treibhausgasminderung in der Verarbeitungs- und Wertschöpfungskette kann kurzfristig mit erfasst und zertifiziert werden.
Gegenwärtig sind gesetzliche Vorgaben für den Nachweis der Nachhaltigkeit nur für solche Rohstoffe geplant, die zu Bioenergie bzw. Biokraftstoff verarbeitet werden. Dies hat eine Fragmentierung der Agrarmärkte zur Folge mit erheblichen Mehrkosten entlang der Verarbeitungs- und Wertschöpfungskette für die Verbraucher. Eine Differenzierung in unterschiedliche Verwendungsbereiche der agrarischen Rohstoffe anhand ihrer Nachhaltigkeit muss deshalb vermieden werden.
Ursächlich für die Gefahr einer Fragmentierung der Agrarmärkte durch eine Nachhaltigkeitsregulierung nur im Bereich Bioenergie/Biokraftstoffe ist die Tatsache, dass die zu Grunde liegende Biomasse wie Getreide, Ölsaaten und Pflanzenöl sogenannte Massenschüttgüter sind. Das bedeutet, dass eine Vielzahl von Kleinstmengen in Silos immer wieder zu großen, homogenen Mengen aggregiert und dabei vermischt wird. Auch die Verwendung der Biomasse für die jeweiligen Bereiche Nahrungsmittel, Futtermittel, Oleochemie (Tenside, Kosmetika etc.) oder aber Bioenergie/Biokraftstoffe entscheidet sich bisher aus Gründen der Praktikabilität erst am Ende der Warenkette. Die Wahrung der physischen Identität dieser Biomasse und damit eine Rückverfolgbarkeit vom Verarbeiter bis zum Anbau sind nicht möglich.
„Nur die generelle Anerkennung bereits bestehender privatwirtschaftlicher Initiativen für eine Zertifizierung der nachhaltigen Produktion kann verhindern, dass es Marktverzerrungen und Verdrängungseffekte dahingehend geben wird, dass einzelne Verwendungsbereiche oder Bestimmungsländer der Ware gegeneinander ausgespielt werden,“ unterstrich der OVID-Vorstandsvorsitzende Wilhelm F. Thywissen in einem Gespräch, das vor wenigen Tagen mit Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner in Berlin stattfand.