Besonders Schafe, die Zwillinge oder Drillinge austragen, benötigen hohe Gehalte an pansenstabilem Protein (UDP) mit hohen Anteilen an schwefelhaltigen Aminosäuren (inbesondere Cystin).


Betriebsreportage
27.03.2009

Mutterschafe von der Deckperiode bis zur Laktation gezielt füttern

Ein Futterwechsel am Beginn der Deckperiode fördert das Auftreten der Brunst.

Eine über dem Erhaltungsbedarf liegende Nährstoffversorgung soll in diesem Fütterungsabschnitt einen Anstieg der Körpergewichtsentwicklung bewirken. Weiterhin kann durch gezielte Energiezulagen eine Steigerung der Ovulationsraten erreicht werden (Flushing- Effekt).

Versorgung in der Tragezeit stellt Weichen
Bislang wurde in Deutschland die Tragezeit in zwei Abschnitte untergliedert. Nach neueren Empfehlungen aus dem englischsprachigen Raum sollten für diese Zeitspanne drei Fütterungsabschnitte betrachtet werden.
Im 1. Drittel der Trächtigkeit (die ersten 50 Tage) sollte die Fütterung von Mutterschafen mit optimaler Körperkondition auf der Höhe des Erhaltungsbedarfs liegen. Eine energetische Unterversorgung ist ebenso zu vermeiden wie eine Überversorgung. Untersuchungen haben gezeigt, dass hohe Tageszunahmen in den ersten 6 Wochen der Trächtigkeit (mehr als 300 g) zu einer Hemmung des Plazentawachstums und ihrer Funktion führen. Hiervon hängt das embryonale Überleben der Föten ab, da diese über die Plazenta ernährt werden. In diesem Zusammenhang muss auch auf die Rolle von Vitamin E und des Spurenelements Selen auf das Plazentawachstum hingewiesen werden. Ein Mangel an diesen Stoffen kann ebenfalls die embryonale Überlebensrate vermindern.
Im 2. Drittel der Trächtigkeit (vom 50. bis 100. Tag) sollte die Energieversorgung unter dem Niveau des Erhaltungsbedarfs liegen.
Wie australische Untersuchungen belegen, fördert diese Strategie bei durchschnittlich konditionierten Schafen die Ausreifung der Plazenta und somit die späteren Geburtsgewichte der Lämmer. Bei Mutterschafen in schlechter Körperkondition wird aber genau das Gegenteil erreicht, d.h. die Lämmer weisen geringere Geburtsgewichte auf.
Bei zu guter Versorgung der Schafe in diesem Zeitabschnitt der Trächtigkeit kann die Sterblichkeit in den ersten Stunden nach der Geburt erhöht sein, weil die Lämmer durch die Plazenta schlechter versorgt wurden. Als Ursache für die schlechte Entwicklung der Plazenta ist der niedrige Progesterongehalt (Trächtigkeitsschutzhormon) in Folge einer überreichlichen Nährstoffversorgung des Mutterschafes zu sehen.

Sehr gute Energeiversorgung im 3. Drittel
Im 3. Drittel der Trächtigkeit (vom 100. bis 150. Tag = hochtragende Zeit) sollte die Energieversorgung über dem Erhaltungsbedarf erfolgen. Versuchsergebnisse zeigen, dass eine ausreichende Energieversorgung der Mutterschafe am Ende der Tragezeit die Geburtsgewichte der Lämmer positiv beeinflusst. Allerdings sollte hierbei ein Optimum angestrebt werden.
Eine mangelhafte Nährstoffzufuhr in den letzten Trächtigkeitswochen kann zur so genannten Trächtigkeitstoxämie führen.
Dieses auch als Zwillingslämmerkrankheit bezeichnete Krankheitsbild ist auf einen akuten Glucosemangel zurückzuführen.
Die Symptome sind denen der Acetonämie ähnlich.
Eine Satt-Fütterung von stark unterkondionierten Mutterschafen in dieser Zeitspanne ist abzulehnen, da das Muttertier die damit verbundenen Energieüberschüsse im mütterlichen Fettgewebe ansetzt und nicht in das des ungeborenen Lammes. In diesem Zusammenhang ist das so genannte „Braune Fettgewebe“ beim Lamm zu erwähnen. Diese Fettreserve ist für das Lamm in den ersten Lebenstagen für das Überleben des Lammes sehr wichtig, da es zunächst nur sehr wenig Milch und damit Energie aufnehmen kann.


Aus den dargelegten Sachverhalten wird deutlich, dass Fütterungsfehler, die im
1. und 2. Drittel der Trächtigkeit begangen werden, im letzten Drittel nicht wieder ausgeglichen werden können.
Auf die Proteinversorgung muss zum Ende der Trächtigkeit besonderes Augenmerk gelegt werden. Die schwefelhaltigen Aminosäuren (Eiweißbausteine), sind hierbei die erstbegrenzenden Faktoren für das fötale Wachstum. Besonders Schafe, die Zwillinge oder Drillinge austragen, benötigen hohe Gehalte an pansenstabilem Protein (UDP) mit hohen Anteilen an schwefelhaltigen Aminosäuren (inbesondere Cystin).
Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Unterversorgung mit diesen Aminsäuren im 3. Trächtigkeitsabschnitt beim ungeborenen Lamm zur schlechteren Ausbildung der Wollfollikel führt. Diese Tiere weisen im späteren Erwachsenenalter eine schlechtere Wollausbildung auf.

Milchleistung wird auch durch Zahl der Lämmer beeinflusst
Die Milchleistung der Mutterschafe beträgt – rasseabhängig – ca. 150 kg pro Tier und Laktation. Sie wird außerdem durch die Zahl der Lämmer maßgeblich beeinflusst. So steigt bei Zwillingen die Tagesleistung um ca. 50 % an. Unter solchen Bedingungen ist der Nährstoffbedarf der Mutterschafe besonders im 1. Laktationsabschnitt (1. bis 4. Laktationswoche) deutlich erhöht. Ein Körpergewichtsverlust von 15 % im Laufe der Laktationsperiode kann bei Schafen in guter Ausgangskondition aber durchaus akzeptiert werden.

In der anschließenden Erholungsperiode (Güstzeit) sollen die während der Laktation angegriffenen Körperreserven wieder aufgebaut werden. Bei stark abgesäugten Schafen muss die Energieversorgung über dem Erhaltungsbedarf liegen. Ansonsten reicht eine Fütterung auf dem Erhaltungsniveau aus.