
Möglichkeiten und Grenzen des Frühabsetzens von Kälbern - Teil 5
FAZIT für die Praxis
Das Frühabsetzverfahren kann aus verdauungsphysiologischer Sicht vorteilhaft sein. Eine kürzere Milchperiode und ein zeitiges Umstellen auf Festfutter befördern unter praktischen Bedingungen gesicherte und stabile Verdauungsabläufe. Durch die verkürzte Tränkedauer reduzieren sich häufig Durchfalltage. Das Tränkeregime ist in den ersten Lebenswochen auf ein hohes Wachstum auszurichten, damit Kälber nach dem Frühabsetzen entsprechend entwickelt sind und ohne Wachstumsdepressionen weiter zunehmen. Aus mehreren Untersuchungen kann abgeleitet werden, dass beim Frühabsetzen ein Lebendgewicht von 70 kg erforderlich ist. Gleichzeitig ist besonders darauf zu achten, das Kraftfutter leicht zugänglich zu machen und eine ausgezeichnete Fütterungshygiene umzusetzen. Für die Anfütterung in der Tränkeperiode eignen sich nicht nur Kälberflocken oder Müsli sondern auch energiereiche Getreide- bzw. Kraftfuttermischungen mit mindestens 18 % Rohprotein. Daneben sollte Strukturfutter angeboten werden.
Vor und nach dem Frühabsetzen können Mischrationen für Hochleistungskühe unter Einhaltung futtermittelrechtlich zulässiger Höchstgehalte an Kupfer angeboten werden. Daneben ist Kraftfutter mit mindestens 11 MJ ME und 18 % RP je kg zu füttern. Unter guten Bedingungen können Kälber ab einem Gewicht von 125 kg mit einer TMR-Fütterung (10,8 MJ ME und 155 g RP/kg TM) ohne zusätzliches Kraftfutter weiter aufgezogen werden.
Zusätzliches Heuangebot sichert den Anspruch an Strukturfutter. Bei weiterer TMR-Fütterung in der anschließenden Jungrinderaufzucht werden bei einem Lebendgewicht von 150 kg ca.10,7 MJ ME und 13,5 % nXP je kg TM für ein Erstkalbealter von zwei Jahren empfohlen.