
Möglichkeiten und Grenzen des Frühabsetzens von Kälbern - Teil 4
Können Kälber nach dem Absetzen mit Mischrationen gefüttert werden?
Zur Sicherung der Protein- und Energieaufnahme empfiehlt es sich neben einer Mischration zusätzlich Kraftfutter nach der Tränkephase zu verabreichen. Nach dem Absetzen sind mit einer separater Zufütterung von 1,0–1,5 kg/Tag Kraftfutter (mindestens 11 MJ ME/kg und mindestens 18 % Rohprotein) Zunahmen von 800 bis 1000 g realisierbar. In vielen Fällen eignen sich Rationen der Hochleistungskühe für die Tränkkälberaufzucht auch wenn diese 1,1 % Propylenglykol und 1,5 % geschütztes Fett enthalten (bezogen auf TM mit 7,2 MJ NEL, 175 g Rohprotein und 250 g Zucker/Stärke).
Wachstumseinbußen und vermehrte Verdauungsstörungen müssen hierbei nicht befürchtet werden. Das ergaben 9-monatige Untersuchungen vom 14.–84. Lebenstag bei 10-wöchiger Tränke und zusätzlicher Kraftfutter- und Heufütterung.
Im Einzelfall sollte der Kupfergehalt der TMR der Hochleistungskühe beachtet werden, weil zulässige Höchstgehalte für Tränkkälber (mit 17 mg Cu/kg TM im Alleinfutter) niedriger als für Milchkühe sind. Bei Zufütterung von geeignetem Kälberkraftfutter und Heu werden Kupferhöchstgehalte in der Gesamtration klar unterschritten.
Unter günstigen Haltungs- und Fütterungsbedingungen können Kälber nach der 14. Lebenswoche bzw. ab über 125 kg Lebendgewicht mit Mischrationen von 10,8 MJ ME und 155 g RP/kg TM und Heu zur freien Aufnahme gefüttert werden. Dabei erzielen sie 800–1.000 g tägliche Zunahmen. Das ergaben Gewichtsmessungen und Ermittlungen der Futtervorlage.
Eine separate Kraftfutterfütterung ist dann nicht mehr erforderlich. Die Futteraufnahme ist mit etwa 3,5 kg TM aus der Mischration für den angegebenen Zuwachs ausreichend. Deutlich höhere Energiekonzentrationen von z.B. 11,3 MJ ME/kg TM führen zwar auch zu gesteigerten Zunahmen, sollten jedoch nur kurzzeitig bei Rückständen des Lebendgewichts verabreicht werden.
Denn bereits ab 165 kg bzw. ab der 20. Lebenswoche kommt es dann zu höheren Körperfettauflagen. Dies sollte vermieden werden, weil das Körperfett auch ins Eutergewebe, in die Eierstöcke und in die Gebärmutter eingelagert wird und die spätere Funktionsfähigkeit stört. Das kann beispielsweise die nachfolgenden Besamungsaufwendungen für die Trächtigkeit der Färse erhöhen.