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Maissilagen 2010: Gute bis sehr gute Energiegehalte
Neben Grassilage spielt die Maissilage in der Milchviehfütterung eine große Rolle. Insofern interessieren auch bei diesem Grobfuttermittel die erzielten Qualitäten. Wir haben Fütterungsexperten aus fünf Bundesländern gebeten, uns ihre Auswertungen zur Verfügung zu stellen. In der Tabelle 1 sind die Durchschnittswerte aufgeführt. In der Tabelle 2 sind jeweils die Ergebnisse des oberen und unteren Viertels der Proben nach dem Energiegehalt der Silagen gegenübergestellt.
So sollte eine gute Maissilage aussehen
Zur Beurteilung der Ergebnisse muß erst einmal die Meßlatte festgelegt werden. Welche Kriterien soll eine gute Maissilage erfüllen?
- Der Trockenmassegehalt (TM) soll zwischen 30 und 35, bei sehr kolbenreicher Silage bis 38 % liegen. Bei höheren Werten besteht die Gefahr, dass im Silo keine ausreichende Verdichtung erreicht wird mit der Folge von Nacherwärmung. Die Lagerdichte soll 250 - 290 kg TM/m3 betragen.
- Der Rohaschegehalt soll unter 4 % der TM liegen. Asche hat keine Energie und somit besteht ein enger Zusammenhang zwischen diesen beiden Kriterien.
- Der Rohfasergehalt liegt zwischen 17 - 20%. Er lässt Schlussfolgerungen auf das Verhältnis Kolben zu Restpflanze zu. Je niedriger der Rohfasergehalt ist, je höher ist der Kolbenanteil in der Silage. Außerdem wird er von der Schnitthöhe beeinflusst. Im unteren Stängelteil ist der Rohfaser-, aber auch der Rohaschegehalt relativ hoch.
- Der ADF-Gehalt soll zwischen 20 - 25 % liegen, der NDF-Gehalt zwischen 35 - 40%. Ein höherer ADF-Wert deutet auf eine schlechtere Verdaulichkeit der Restpflanze hin, was durchaus den Effekt eines höheren Stärkegehalts kompensieren kann.
- Der Stärkegehalt, der in erster Linie vom Kolbenanteil abhängt, sollte über 30% liegen
- Werden die genannten Kriterien erfüllt, müsste der Energiegehalt über 6,5 MJ NEL je kg TM liegen.
Durchschnittswerte zeigen Trend
Die in der Tabelle 1 dargestellten Durchschnittsergebnisse vermitteln einen guten Überblick über die diesjährige Maissilagequalität. Die Trockenmassegehalte liegen nur in NRW an der oberen Grenze des Optimalbereichs. Die Rohaschewerte erfüllen die Vorgaben. Der Rohfasergehalt schwankt zwischen 17 und 19%. Die ADForg liegt im unteren, die NDForg bis auf den sehr niedrigen Wert aus Rheinland-Pfalz im mittleren bzw. in Niedersachsen an der oberen Grenze des Optimalbereichs. Der durchschnittliche Stärkegehalt schwankt zwischen den Regionen und ist besonders hoch in den Proben aus NRW. In Verbindung mit dem dort sehr niedrigen Rohfasergehalt kann man daraus schließen, dass der Kolbenanteil in der Maissilage entsprechend hoch ist. Die ausgewiesenen Energiegehalte schwanken mit 6,7 bis 7,1 MJ NEL je kg TM zwischen Rheinland-Pfalz und Bayern relativ stark. In den anderen drei Regionen liegen sie mit 6,8 auf gleichem Niveau.
Eiweißergänzung erforderlich
Der Rohproteingehalt der Maissilage ist relativ konstant und spielt eine untergeordnete Rolle. Der relativ hohe nXP-Wert resultiert aus der möglichen hohen Bakterienproteinsynthese aus Energie im Pansen. Der dafür fehlende Stickstoff kommt in den hohen negativen RNB-Werten zum Ausdruck. In den Rationen müssen deshalb Eiweißfuttermittel eingesetzt werden, die eine positive RNB aufweisen, z.B. Rapsextraktionsschrot mit +23g und Sojaschrot mit 31g. Um z.B. das Proteindefizit von 5 kg Maissilagetrockenmasse auszugleichen, müssten knapp 2 kg Rapsschrot gefüttert werden. Je nach Rationszusammensetzung kann auch teilweise mit Harnstoff gearbeitet werden, hierbei sind allerdings bestimmte Anwendungsvoraussetzungen zu erfüllen.
Die ausgewiesenen Strukturwerte liegen an der unteren Grenze. Es ist allerdings auch nicht vordergründiger Zweck der Maissilageerzeugung, ein Strukturfuttermittel zu erzeugen, Maissilage soll in erster Linie Energie liefern!
Die Mineralstoffgehalte bestätigen, dass Maissilage Ca-arm ist. Die Phosphorgehalte liegen in einem guten Bereich, die Kaliumgehalte sind niedrig.
Große Unterschiede in der Qualität
Welche Reserven liegen in der Maissilagegewinnung? Hierüber gibt die Tabelle 2 Auskunft, in der für die Regionen jeweils die Ergebnisse des oberen (=besseren) und unteren (=schlechteren) Viertels der Proben nach ihrem Energiegehalt gegenübergestellt sind.
Betrachtet man gleich die Energiegehalte, so fallen Unterschiede von 0,5 und 0,7 MJ NEL/kg TM zwischen oberen und unteren Viertel auf. Eine Erklärung für die Energiegehaltsdifferenzen zwischen oberen und unteren Vierteln findet sich einmal in unterschiedlichen Stärkegehalten, die zwischen 49 bis 102 g je kg Trockenmasse liegt. Da die Stärke aus den Kolben kommt, ist der Kolbenanteil bzw. die Kolbenausbildung in den Proben des unteren Viertels offenbar unzureichend, daraus resultiert ein höherer Rohfaseranteil wegen des größeren Restpflanzenanteils. Dies spiegelt sich auch bei den ADF- und NDF-Werten wider und beeinflusst letztendlich auch die Verdaulichkeit.
Die Unterschiede im Rohproteingehalt sind nicht nennenswert. Die höhere negative ruminale Stickstoffbilanz (RNB) der Silage des oberen Viertels muß wie oben beschrieben durch einen entsprechend höheren Eiweißfuttereinsatz ausgeglichen werden.
Zu beachten ist allerdings, dass die Strukturwirksamkeit der energiereichen Maissilage, gemessen am Strukturwert, bedeutend geringer als die der energieärmeren ist. Dies muß bei der Gesamtrationsgestaltung entsprechend berücksichtigt werden. Bei sehr hohen Maisanteilen in der Ration bietet sich in der Regel die Zugabe von geringen Strohgaben an.
Aus den Ergebnissen Konsequenzen ziehen
Die in der Tabelle 2 dargestellte Schwankungsbreite, die bei einzelnen Proben durchaus noch unter- bzw. überschritten werden kann, verdeutlicht, dass nur betriebsspezifische Futteruntersuchungen einen optimalen Einsatz der Maissilage und auch anderer betriebseigener Futtermittel gewährleisten. Hierbei ist auch zu bedenken, dass bei der in der Regel im Betrieb vorhandenen Silagemenge eine einmalige Untersuchung nicht ausreicht. Die Untersuchungskosten sind nicht so hoch als dass man sich nicht mehrere Untersuchungen leisten könnte. Rationen müssen immer wieder angepasst werden, aktuelle Grobfutteranalysen sind hier sehr hilfreich.
Futteruntersuchungen sollen aber nicht nur der aktuellen Information dienen. Man sollte sich auch unbedingt Gedanken machen, warum die Silagequalität gut oder schlecht gelungen ist, um es im nächsten Jahr besser zu machen, z.B. durch die Sortenwahl, den optimalen Erntezeitpunkt und über die Stoppelhöhe.
Ansprechpartner in den Regionen:
- Niedersachsen: Werner Müller, Tel. 0441/801850
- Nordrhein-Westfalen: Dr. Martin Pries und Annette Menke, Tel. 0251/2376913 und 613
- Hessen: Thomas Bonsels, Tel. 0561/ 7299275
- Rheinland-Pfalz: Dr. Thomas Priesmann, Tel. 06561/ 9648301
- Bayern: Martin Moosmeyer, Tel. 089/ 99141413