(Foto: DLG)


Markt
15.09.2011

Landwirtschaft: Risikomanagement immer wichtiger

Risiken identifizieren und bewerten – Preise, Märkte und Wettbewerb im Blick behalten – Mehr als 500 Teilnehmer bei den DLG-Unternehmertagen in Erfurt

Betriebsführung in der Landwirtschaft heißt aufgrund zunehmender Risiken mehr denn je, in die Zukunft zu blicken und vorausschauend zu planen. Dabei gilt es, mögliche Entwicklungen zu simulieren und Maßnahmen des Risikomanagements festzulegen. Es geht darum, mit Weitblick Auswirkungen auf das eigene Unternehmen zu überprüfen und für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Dabei müssen Preise, Märkte und der Wettbewerb stets im Blickfeld der Landwirte liegen. Dies ist Tenor der DLG-Unternehmertage, die am 6. und 7. September in Erfurt stattfanden. Mehr als 500 Landwirte und Fachleute aus der Agrarwirtschaft diskutierten Möglichkeiten, das Risikomanagement in landwirtschaftlichen Betrieben zu optimieren. DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer betonte bei seiner Begrüßung, dass es mehr denn je darum gehen muss, die relevanten Risiken zu identifizieren und zu bewerten. Dies führe zur unternehmerischen Entscheidung, welches Risiko man durch intelligente Instrumente von der Versicherung über Diversifizierung bis zu modernen Marktinstrumenten begrenzen oder vermeiden kann. „Der Ruf nach dem Staat sollte nur das letzte Mittel sein und sich auf extreme, nicht kalkulierbare Risiken beschränken“, erklärte Bartmer. Staatliche Maßnahmen würden eher neue Risiken auslösen. Insbesondere die immer kürzere Halbwertzeit der Gültigkeit politischer Zusagen stelle für die Landwirtschaft ein großes Risiko dar.

Vermarktungsstrategien und Finanzierungskonzepte in den Fokus stellen

Optimale Vermarktungsstrategien werden für die Landwirte immer wichtiger. Dabei geht es, so Unternehmensberater Dieter Künstling von der IAK Agrar Consulting aus Leipzig, nicht alleine um den „richtigen“ Verkaufszeitpunkt, sondern um die Aufgabe, Mengen zu bündeln, um gegenüber den Vermarktungspartnern eine starke Verhandlungsposition aufzubauen und attraktive Konditionen zu erreichen. Seiner Meinung nach wird die Vermarktung künftig von Profis übernommen, die sich der Aufgabe voll und ganz widmen und deshalb sehr präsent an den Märkten sind. Auch forderte der Leipziger Unternehmensberater die Landwirte dazu auf, ihre Finanzierungskonzepte zu überdenken und Alternativen genau zu prüfen. Neben Bankkrediten kommen für ihn auch Lieferantenkredite oder Gesellschafterdarlehen in Frage. Auch in der Pachtflächensicherung bzw. in der Vertragsgestaltung mit Verpächtern sieht Künstling eine Aufgabe, die noch nicht zu Ende geführt ist. Große Hoffnungen werden derzeit in die flexible Gestaltung von Pachtentgelten gesetzt, um auf diesem Wege Liquiditätsengpässe in Niedrigpreisphasen vermeiden zu können. Nach Einschätzung von Künstling sind diese Instrumente aufgrund der komplexen Preisherleitung wenig praktikabel. Eine gewisse Honorierung hält er in Hochpreisphasen eher durch die Zahlung von Boni möglich.

Eindrucksvolle Beispiele aus der Praxis

Eindrucksvoll waren die Beispiele der Praktiker Mortimer von Rümker aus Friedrichswerth (Thüringen), Cord Lilie aus Stemwede (Nordrhein-Westfalen) und Jens Fromm aus Seyda (Sachsen). Sie haben aufgezeigt, wie auch in unsicherem Umfeld die erfolgreiche Betriebsentwicklung gelingen kann. Für den Ackerbauer von Rümker ist eine Aufteilung der Vermarktungsmenge zwingend, da der optimale Verkaufszeitpunkt kaum zu fassen ist. Seiner Meinung nach sollte die Verkaufsentscheidung von einer Betrachtung der Durchschnittspreise getragen sein und nicht von der Gier nach dem höchstmöglichen Preis. Auch hält er langjährige Geschäftsbeziehungen für äußerst sinnvoll, sie zahlen sich, so von Rümker, meistens mehr aus als kurzfristig hohe Preise von ständig wechselnden Abnehmern. Mit Blick auf den Einkauf von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln kann nach Ansicht des Thüringer Ackerbauern die rechtzeitige Lieferung auch bei kurzfristiger Bestellung oder die Rückgabemöglichkeit nicht benötigter Mengen sehr viel mehr wert sein als ein etwas günstigerer Einkauf.

Erfolgreiche Milchviehhaltung ist auch in einer intensiven Viehregion machbar, die sich durch hohen Wettbewerbsdruck auszeichnet. Dies hat der Milchviehhalter Cord Lilie aufgezeigt. Für ihn liegt dabei der Schlüssel in der konsequenten Spezialisierung und damit auf der Konzentration auf den Betriebszweig, der die Wertschöpfung bringt, nämlich die Milchviehhaltung. Entscheidend für ihn ist nicht die Pacht oder der Kauf von Flächen, sondern der Zugang zu Futter. Die Zusammenarbeit mit Nachbarn für die Futtererzeugung bietet seiner Auffassung nach bisher nicht genutzte Möglichkeiten der Kooperation. Die Spezialisierung geht einher mit zunehmenden Liquiditätsrisiken. Um dieses Risiko zu beherrschen, ist es nach Lilie notwendig, ein Liquiditätspolster in Höhe des Futterzukaufs zu bilden, das Risiko der finanzierenden Bank gegenüber transparent zu machen und per Abrufdarlehen und als weiteres Element des Risikomanagements, die Liquidität zu sichern.

Auch eine diversifizierte Betriebsstruktur kann der Anker in der stürmischen See sein. Dies verdeutlichte Geschäftsführer Jens Fromm von den Seydaland Vereinigte Agrarbetriebe. Ein entscheidendes Element zur Beurteilung der Sinnhaftigkeit der Bewirtschaftung von unterschiedlichen Betriebszweigen ist seiner Meinung nach die Nutzung von Synergieeffekten und ein aussagekräftiges Controlling. Für ihn ist das Zahlenwerk die Basis für die Beurteilung der einzelnen Betriebszweige und zu deren Steuerung. Neben dem Controlling hält er das Liquiditätsmanagement für einen zentralen Erfolgsfaktor. Darüber hinaus wird in seiner Unternehmensgruppe auf die betriebliche Organisation, Schulung und Weiterbildung von Mitarbeitern besonderer Wert gelegt. Die Motivation und die Führung von Mitarbeitern sind für Fromm dabei feste Bestandteile.