Kälberaufzucht mit System – Biestmilchphase
Die Kälberaufzucht läuft in der Milchproduktion oftmals noch „nebenher“, dabei zahlt sich eine konsequentere Systematik und die Einhaltung einiger Grundsätze durch bessere Zunahmen, eine allgemein bessere Fitness und damit eine leistungsfähigere Färse aus.
Die Kolostrumphase legt den Grundstein. Für die Erstversorgung ist ausschließlich hochwertige Biestmilch zu verwenden (1,5 - 3 Liter in den ersten zwei Lebensstunden), d.h. keine Milch von Zweitkalbskühen, vorzeitigen Kalbungen oder Erstgemelken von über 10 l, da hier der Immunglobulingehalt i.d.R. den Anforderungen (mind. 80g IgG/ l) nicht mehr entspricht (Kontrolle mittels Kolostrumspindel, z.B. über Tierarzt erhältlich)! Als Konservierungsart bleibt das Einfrieren trotz eines Immunglobulinverlustes von ca. 50 % das Mittel der Wahl, beim Auftauen gibt es zwischen dem Wasserbad (40 Grad) und der Mikrowelle (flach eingefrorene Milch ca. 15 Min. bei 250 W) keine Qualitätsunterschiede. Die Erstversorgung bewirkt u.a. eine Antikörperbildung, die sich an dem Antikörpermuster in der Biestmilch orientiert. Damit ist die Erstversorgung mit gutem Kolostrum ein Training des Immunsystems des Kalbes. Das Drenchen empfiehlt sich nur bei geburtsbedingt weniger vitalen Kälbern nach vorheriger Unterweisung durch den Tierarzt! In diesem Zusammenhang wird eine nachfolgend verzögerte Ausbildung des Saugreflexes beobachtet.
Die Dauer der Kolostrumphase hat über die lokal an der Darmschleimhaut wirkenden Immunglobuline der „Muttermilch“ einen Einfluß auf die Widerstandsfähigkeit des Kalbes gegenüber infektiös bedingten Durchfallerkrankungen während dieser Zeit. Sie sollte daher insbesondere in Problembeständen mind. 5 Tage betragen!
Die Intensität der Versorgung wird derzeit kontrovers diskutiert. Die „metabolische Programmierung“ des Kalbes über die Verabreichung hoher Nährstoffmengen scheint hier einen Einfluss auf die Färseneinsatzleistung zu haben und zwar über die bessere Entwicklung des Kalbes bei überdurchschnittlicher Nährstoffversorgung hinaus. Aktuelle Empfehlungen gehen hier von einer durchschnittlichen Tränkemenge von 8 l Vollmilch/ Tag aus. Voraussetzung für diese Tränkemenge ist eine Verabreichung kalt, ad libitum und angesäuert, sodaß die Aufnahme gleichmäßig über den Tag verteilt stattfindet.




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