
Foto: agrar-press
Kälberaufzucht mit System: Absetzphase
Entscheidend für das Alter des Absetzens ist neben den Haltungsbedingungen, der Tiergesundheit und der Qualität der eingesetzten Futtermittel auch das Tränkesystem.
Ziel sollte es sein, sowohl bei hohen als auch bei niedrigeren Nährstoff-konzentrationen dem Kalb über die kritische Phase des Übergangs zum Wiederkäuer hinwegzuhelfen. Das bedeutet eine frühzeitige Gewöhnung an die Festfutteraufnahme und die optimale Hygiene bei der gesamten Futtervorlage, um darüber eine konstant gute Nährstoffversorgung sicherzustellen.
Wann und wie viel Kraftfutter?
Die Höhe der Kraftfuttergaben während der Tränkeperiode hängt im Wesentlichen von der Energiedichte des angebotenen Grundfutters ab. Versuche auf Haus Riswick, Kleve aus 2009 belegen, dass eine Zulage von 2 kg Kälberkraftfutter ( 18 % Rohprotein, 13 MJ ME/kg) zu einer Maissilage/Heu-Ration mit 1000 g Tageszunahme/ Tier eine zügigere Körpergewichtsentwicklung ermöglicht als 1 kg Kraftfutter/ Tier x Tag mit 800 g Tageszunahme, ohne negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel der Kälber. Diese hohen Zunahmen konnten u.a. realisiert werden, weil während der Tränkephase bis zur 10. Lebenswoche das Kraftfutter neben dem Grundfutter schon ab der 2. Woche und zur freien Verfügung angeboten wurde. Die für die Tageszunahmen erforderlichen 2 kg Kraftfutter wurden in dem Versuch erst nach Beendigung der Tränkephase vollständig abgerufen. Außerdem wird in Haus Riswick bei der Tränkekurve grundsätzlich auf einen frühzeitigen Beginn des Abtränkens mit dem 21. Tag geachtet. Untersuchungen deuten darauf hin, dass hohe MAT-Mengen die (Kraft-)Futteraufnahme negativ beeinflussen.
Alternativ zur separaten Kraftfuttergabe kann auch eine aufgewertete Grundration (6,6 MJ NEL/ kg TM mit 14,7 % Rohprotein) + 1 kg Kälberkraftfutter bzw. die Hochleistungsration mit ca. 7,1 MJ NEL und 16,5 % Rohprotein gefüttert werden. Die Grundfutterverdrängung durch das Kraftfutter zeigte sich in diesem Riswicker Versuch nicht so bedeutungsvoll für die Zunahmen wie die erhöhte Futteraufnahme und damit bessere Nährstoffversorgung bei Kraftfutterzulage.
Geeignete Kraftfuttermischungen
Die Art des Kraftfutters kann an die Phasen der Tränke angepasst werden. Als Starterfutter eignen sich Kälberflakes, die, aus Getreideflocken und Pellets zusammengesetzt, im Wesentlichen über die Aromatisierung eine frühe Beschäftigung mit dem Futter fördern. Bei dem Einsatz des darauffolgenden Kraftfutters zur Maissilage/ Heuration hat sich die Zusammensetzung der Riswicker Mischung mit 18,5 % Rohprotein und 13,3 MJ ME bewährt:
35 % Gerste
35 % Weizen
15 % Sojaschrot
10 % Leinkuchen
4 % Mineralfutter
1 % Sojaöl
Bei einer hohen Eiweißzufuhr über eine hohe MAT-Konzentration sollte darüber hinaus die Eiweißüberversorgung beobachtet werden.
Zu dem Vergleich einer hoch konzentrierten Tränke in den ersten Tränkewochen mit dem „30 kg MAT/ Kalb-Verfahren“ - auch in Bezug auf das Absetzverhalten - laufen zum Jahresbeginn 2010 Versuche in Haus Riswick an.
Wasserversorgung sicherstellen
Nicht unterschätzt werden darf in Bezug auf die Kraftfutteraufnahme in den ersten Wochen die Wasserversorgung. In der 10. Lebenswoche liegt der durchschnittliche tägliche Wasserbedarf eines Kalbes bei ca. 10 l, mit 2 Wochen bereits bei 8 l Flüssigkeit (6 Liter Milchaustauschertränke und immerhin schon zusätzlich 2 l Wasser/ Tag). Ein optimales Kraftfutterangebot führt nicht zu einer guten Futteraufnahme und damit zu hoher Wachstumsleistung, wenn das Kalb seinen Flüssigkeitsbedarf nicht gedeckt bekommt!