
Im Offenlaufstall Ruhebedürfnis aller Tiere sicherstellen
In artgerechten Pferdehaltungssystemen soll jedes Tier seine essentiellen Bedürfnisse befriedigen können.
Dazu gehören Nahrungsaufnahme, Bewegung, Kontakte aber auch Ruhe. Das Lehrgebiet für Tierhaltung und Verhaltenskunde der TU München in Weihenstephan hat untersucht, ob in Offenlaufställen jedes Pferd tatsächlich ausreichend Ruhemöglichkeiten hat.
In sieben Ställen mit insgesamt 75 Freizeitpferden wurden die Tiere mittels Videokameras beobachtet. Die Gruppengröße variierte von 5 bis 15 Tieren, pro Pferd standen mindestens 40 qm Fläche zur Verfügung. Alle Ställe hatten räumlich getrennte Fress-, Liege- und Auslaufbereiche, wobei die Liegeflächen eingestreut und der Auslauf befestigt waren. Fütterungsart und Futterzeiten waren annähernd gleich. Bewertet wurden Dösen im Stehen, Liegen in Bauchlage und Seitenlage. Es bestanden Unterschiede zwischen den einzelnen Ställen (Gruppen), die durch Größe und Beschaffenheit des Liegebereichs und/oder Anzahl der Tiere bedingt waren. So lagen die Pferde bei einer Liegefläche von 17 qm im Mittel 124 Minuten auf dem Bauch aber nur 47 Minuten bei 5 qm. Die tägliche Gesamtliegezeit der Gruppenmittel schwankte zwischen 59 und 134 Minuten. Die Tiere verweilten länger im Liegebereich, wenn sie dort eingestreutes Stroh fressen konnten.
In allen Ställen wurde eine ausgeprägte Rangordnung beobachtet, die sich deutlich auf die Ruhemöglichkeit des Einzeltieres auswirkte. Bei rangniederen Tieren wurden die Ruhephasen deutlich häufiger unterbrochen. In einzelnen Gruppen legten sich die rangniedrigsten Tiere nie hin, sie waren deutlich erschöpft und schliefen beim Dösen fast ein, so dass sie beinahe zusammenbrachen und sich nur mühsam aufrichten konnten. Seitenlage wurde selten oder gar nicht bei rangniederen Tieren beobachtet; manche legten sich auf den unbedeckten Betonboden oder den Ausscheideplatz, um überhaupt einen Ruheplatz zu finden.
Für die Gruppenhaltung von Pferden werden deshalb zum Schutz des Einzeltiers folgende Maßnahmen empfohlen:
a) den Liegebereich mit nicht fressbarem Material (z. B. Sägemehl) einstreuen, um ihn nicht auch zum Fressplatz zu machen,
b) durch mehrere überdachte Liegemöglichkeiten rangtieferen Tieren eine Ausweichmöglichkeit bieten,
c) mindestens zwei Ausgänge in jeder Liegehalle, damit der Ruhebereich nicht zur Sackgasse wird und
d) die Liegefläche strukturieren, zum Beispiel durch Sichtblenden.
Wie es in einem Bericht in der Zeitschrift "Tierärztliche Umschau" heißt, ist die Gruppenhaltung zwar ein Fortschritt gegenüber früher üblichen Haltungssystemen, aber noch nicht in allen Teilen ausgereift.
Quelle: aid