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(Foto: agrar-press)


Markt
27.06.2012

Höchste Ansprüche bei der Betäubung von Schlachttieren

Eine aktuelle Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage im Deutschen Bundestag zum Thema „Tierschutz bei der Tötung von Schlachttieren“ stellt gegenwärtig vermeintliche Tierschutzdefizite durch mangelhafte Betäubung bei der Schlachtung in den Mittelpunkt und verunsichert die Öffentlichkeit. Die in diesem Zusammenhang erfolgte Aufzählung undifferenzierter Prozentwerte, als angebliches Abbild der Realität in deutschen Schlachtbetrieben, wird vom Verband der Fleischwirtschaft (VDF) mit Nachdruck zurückgewiesen.

„Pauschalierungen und Unkenntnis der aktuellen Situation in der deutschen Fleischwirtschaft kennzeichnen die Antworten der Bundesregierung. Wir sind überrascht und enttäuscht zugleich von der unglaublichen Praxisferne und Darstellung des Ministeriums, obwohl wir in gemeinsamen Arbeitsgruppensitzungen und Besichtigungen von Betrieben ein anderes Bild der beteiligten Wirtschaft zeigen konnten“, sagte der Vorsitzendes des Verbandes der Fleischwirtschaft Paul Brand.

Das Ministerium gibt selbst an, dass die Prozesse und Betäubungsgeräte in Schlachtbetrieben amtlich kontrolliert werden, eine statistische Auswertung der Ergebnisse jedoch nicht vorgenommen wird (Antwort zu 6.). Trotzdem erlaubt sich die Bundesregierung Zahlen anzugeben, die aus nicht zeitgemäßen Literaturquellen stammen oder das Ergebnis von Einzelbeobachtungen sind. Diese Daten werden in völlig unseriöser Weise verallgemeinert und damit der Eindruck vermittelt, es gäbe große Defizite. Dies ist jedoch nicht die Realität. So gibt das Ministerium auch selbst zu: „ Der Bundesregierung liegen keine Informationen über die Ausstattung einzelner Schlachthöfe vor“ (Antwort zu 15.).

Tatsache ist, dass hierzulande mehr als 95 % aller Schlachtungen in ca. 45 Rinder- und ca. 60 Schweineschlachtunternehmen stattfinden. Diese Schlachtunternehmen sind mit moderner Betäubungs- und Entblutetechnik ausgerüstet und haben ein großes Eigeninteresse daran, diese Prozesse ständig weiter zu entwickeln und zu verbessern. Das Bundesministerium geht jedoch laut seiner Antwort an den Bundestag davon aus, dass die Schlachtungen in einer unüberschaubaren Anzahl von kleinen Betriebseinheiten (5.129 Betriebe, Antwort zu 2.) stattfinden. Eine Vorstellung davon, dass die Bedeutung und Ausstattung dieser Betriebe sehr unterschiedlich sein kann, hat man im Ministerium offenbar nicht.

Eine zentrale Forderung der Fleischwirtschaft ist es, mit Hilfe der Wissenschaft eine kontinuierliche Optimierung der bestehenden Methoden zu realisieren, um das bereits sehr hohe Tierschutz- und Hygieneniveau in Deutschland ständig weiter zu verbessern. Der VDF stellt mit Bedauern fest, dass die öffentliche Forschungsförderung zur Weiterentwicklung der tierschutzgerechten Tötung von Schlachttieren in der Vergangenheit weit hinter den privatwirtschaftlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung zurückgeblieben ist.

Paul Brand: „Unsere Wirtschaftsstufe hat in den vergangenen Jahren sehr viel investiert und mit Technik und Prozessabläufen den Tierschutz in unseren Betrieben bedeutend verbessert“.

(Quelle: Verband der Fleischwirtschaft e.V.)