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Grassilagen 2010: Welche Qualitäten wurden erreicht?
Für eine leistungsgerechte und kostenorientierte Milchviehfütterung ist die Kenntnis der Grobfutterqualitäten unverzichtbare Voraussetzung. Von Fütterungsberatern und Milchviehhaltern werden daher die Auswertungen der Grassilageuntersuchungen des aktuellen Jahres stets mit Spannung erwartet.
Wir haben die Kollegen aus sechs Bundesländern gebeten, uns ihre Auswertungen zur Verfügung zu stellen. In der Tabelle 1 sind die Durchschnittswerte des ersten Schnittes zusammengefasst. In der Tabelle 2 sind für vier Regionen jeweils die Ergebnisse der Auswertungen der oberen und unteren Viertel der Proben nach Energie gegenübergestellt.
So sollte eine gute Grassilage aussehen? Welche Kriterien soll eine gute Grassilage erfüllen?
- Der Trockenmassegehalt (TM) soll zwischen 30 und 40 % liegen. Bei höheren Werten besteht die Gefahr, dass im Silo keine ausreichende Verdichtung erreicht wird.
- Der Rohaschegehalt soll unter 10 % der TM betragen. Höhere Werte deuten auf stärkere Verschmutzung hin.
- Der Rohproteingehalt soll zwischen 16 und 20 % liegen. Dies setzt auch eine vernünftige Stickstoffdüngung voraus.
- Der Rohfasergehalt ist ein wichtiges Kriterium zur Beurteilung des Schnittzeitpunktes und des Strukturwertes. Optimal sind Gehalte zwischen 22 - 25 %.
- Der Energiegehalt wird nach der entsprechenden Schätzformel der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) ermittelt. Diese berücksichtigt die Verdaulichkeit in Form der Gasbildung nach dem Hohenheimer Futtermitteltest (HFT) und den Faseranteil über die ADForg, die zwischen 25 - 30 % liegen sollte. Der Zielbereich für den NDForg - Gehalt liegt zwischen 40 - 48 %. Werden die Zielbereiche erreicht, sind Energiegehalte von 6,4 MJ NEL und mehr realisierbar.
Durchschnittswerte zeigen Trend
Beurteilt man die Durchschnittsergebnisse aus der Tabelle 1, stellt man fest, dass die Trockenmassegehalte nur in Rheinland-Pfalz an der oberen Grenze liegen. Die Rohproteingehalte liegen bis auf Hessen im unteren Bereich. Der Rohfasergehalt bewegt sich im Bereich der Zielwerte. Dies trifft auch für die ADF-Gehalte zu, wobei innerhalb des Zielbereichs schon größere Unterschiede auftreten. Die Proben aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen weisen besonders niedrige ADF-Gehalte auf, was sich positiv auf die NEL-Gehalte auswirkt. Hohe Energiegehalte ergeben auch entsprechend hohe nXP-Gehalte bei niedrigen RNB-Werten. Die Mineralstoffe wurden nicht in allen Regionen ausgewiesen. Es zeigen sich zwischen den Regionen schon Unterschiede, die bei der Rationsberechnung berücksichtigt werden sollten.
Große Unterschiede in der Qualität
Zur fachlichen Interpretation der Ergebnisse interessieren die Streubreiten der Ergebnisse. Extremwerte sind hier wenig hilfreich, da es sich jeweils um Einzelproben handelt. Bewährt hat sich die Auswertung nach dem oberen (=besseren) und unteren (=schlechteren) Viertel der Proben nach dem Energiegehalt. Diese Auswertung wurde in vier Regionen durchgeführt. Die Ergebnisse sind in der Tabelle 2 zusammengestellt.
Beim TM-Gehalt ergibt sich kein einheitliches Bild. In Hessen und Nordrhein-Westfalen weisen die schlechteren Proben deutlich niedrigere Gehalte auf. In den anderen beiden Regionen ist der Trend umgekehrt. Der TM-Gehalt ist kein Qualitätskriterium hinsichtlich des Energiegehaltes.
Die Grassilagen des oberen Viertels haben generell höhere Rohproteingehalte - wenn auch in unterschiedlicher Größenordnung. Die Rohfasergehalte in den unteren Vierteln weisen auf späten Schnitt hin, was sich auch in den ADF-Werten niederschlägt. Die Folge sind geringere Energiegehalte im Bereich 0,9 - 1,1 MJ NEL/kg TM!
Geht man von einer Differenz von 0,9 MJ NEL aus und lässt andere Negativwirkungen spät geschnittener Silage (z.B. Futteraufnahme) außer Acht, so fehlen in einer Tagesration mit 5 kg TM Grassilage 4,5 MJ NEL, die über Kraftfutter ausgeglichen werden müssen. Dieser Wert entspricht 0,7 kg Leistungsfutter. Unterstellt man 200 Tage Winterfütterung, so addiert sich dieser Betrag auf 1,4 dt je Kuh. Die Gewinnung einer guten Grassilage macht sich auch ohne Berücksichtigung anderer positiver Effekte bezahlt. Die Gewinnung einer guten Grassilage ist dazu auch nicht teurer, eher kann man davon ausgehen, dass spät geschnittene Silage teurer ist, auf alle Fälle bezogen auf die Energieeinheit.
Fazit für die Praxis
Die in der Tabelle 2</media> dargestellte Schwankungsbreite, die bei einzelnen Proben durchaus noch unter- bzw. überschritten werden kann, verdeutlicht, dass nur betriebsspezifische Futteruntersuchungen einen optimalen Einsatz der Grassilage und auch anderer betriebseigener Futtermittel gewährleisten. Hierbei ist auch zu bedenken, dass bei der in der Regel im Betrieb vorhandenen Silagemenge eine einmalige Untersuchung nicht ausreicht. Die Untersuchungskosten sind nicht so hoch als dass man sich nicht mehrere Untersuchungen leisten könnte. Rationen müssen immer wieder angepasst werden, aktuelle Grobfutteranalysen sind hier sehr hilfreich.
Futteruntersuchungen sollen aber nicht nur der aktuellen Information dienen. Man sollte sich auch unbedingt Gedanken machen, warum die Silagequalität gut oder schlecht gelungen ist. Schwachstellen sollten herausgefunden werden, um sie im nächsten Jahr abzustellen. Auch gute Silage kann noch besser werden.
Und übrigens ist das Wetter nicht immer an allem Schuld!
Dr. Jürgen Weiß, Kassel
Ansprechpartner in den Regionen:
Rheinland-Pfalz: Dr. Thomas Priesmann, Tel. 06561 9648301
Hessen: Thomas Bonsels, Tel. 0561 7299275
Nordrhein-Westfalen: Dr. Martin Pries, Annette Menke, Tel. 0251 2376 913 und 613
Niedersachsen: Werner Müller, Tel.0441 801850
Bayern Dr. Hubert Schuster, Tel. 089 99141410
Schleswig-Holstein Dr. Kathrin Mahlkow-Nerge, Tel. 04381 900949