Markt
31.08.2009

Getreide verkaufen oder an Milchkühe verfüttern?

In diesem Jahr sind die Erlöse für Getreide nur mäßig: für Gerste werden je nach Region 8,50 € - 11,00 € zuzüglich MwSt. pro dt geboten.

Letzteres nur, wenn die Gerste direkt beim Futtermittelhersteller abgeliefert wird und auch Kraftfutter zurückgenommen wird. Für Weizen wird 13 € / dt erwartet. Andererseits sind die Preise für die energie- und getreidereichen Milchleistungsfutter noch relativ hoch, da die Futtermittelhersteller oft noch Getreide aus 2008 (zu recht hohen Preisen) eingelagert haben. Rechnet sich eine Getreidemischung besser als der Zukauf von Milchleistungsfutter? Bei einem solchen Vergleich müssen die unterschiedlichen Protein- und Mineralstoffgehalte von Getreide und Milchleistungsfutter berücksichtigt werden.

Getreidereiche Mischungen kalkuliert

Ausgangspunkt für den Vergleich sind einfache Kraftfuttermischungen auf der Basis von Gerste bzw. Weizen. Die Mischungen bestehen aus 61,5 bzw. 66,5 % Gerste oder Weizen, 35% Rapsschrot oder 30 % Sojaschrot und 3 % Mineralfutter und 0,5 % Öl zur Staubbindung. Der Energiegehalt der Soja -Mischung beträgt 7,1 MJ NEL bei der Gersten-, 7,3 MJ NEL bei der Weizenmischung, der nXP-Gehalt beträgt 170 g bzw. 175g pro kg, bei der Raps-Mischung sind es 6,7 MJ NEL bzw. 6,9 MJ NEL und 161 g bzw. 165 g nXP. Mineralfutter ist mit 55 € / dt und Öl mit 65 € / dt kalkuliert worden.

Die Preiswürdigkeit der Eigenmischungen ist für 2 unterschiedliche Getreide- und 3  unterschiedliche Raps- bzw. Sojaschrotpreise berechnet, zusätzlich sind 1,50 € für Mahl- und Mischkosten, 2 % Lagerverluste beim Getreide sowie 10,7 % bzw. 7 % MwSt. für Getreide bzw. für die übrigen Futtermittel berücksichtigt. Dagegen sind in diesem Vergleich zusätzliche Konservierungs- oder Trocknungskosten sowie Arbeits- oder Lagerkosten ohne Berücksichtigung geblieben. Die folgenden Tabellen geben Aufschluss über die Preiswürdigkeit von Eigenmischungen im Vergleich zu Kraftfutter der Energiestufe 3 (6,7 MJ NEL/kg) und größer 3 (7,0 und 7,2 MJ NEL/kg).

Mischungen mit Rapsschrot kostengünstig

Bei einem Weizenpreis von 12,00 € und einem Rapsschrotpreis von 15,00 € kostet die Eigenmischung 17,56 € pro dt, dies entspricht 25,5 Cents pro 10 MJ NEL. Wenn ein gleichwertiges Milchleistungsfutter ebenfalls für 25,5 Cents pro 10 MJ NEL erhältlich ist, ist das „fertige“ Kraftfutter aus betriebswirtschaftlichen Gründen der Eigenmischung vorzuziehen, da in dargestellten Berechnung noch keine Kosten für die Arbeit und Lagerhaltung berücksichtigt sind.

Aus diesen Berechnungen ist auch erkennbar, dass die Rapsmischungen deutlich preisgünstiger sind als Sojaschrotmischungen. Im Vergleich zu fertigem Kraftfutter sind nur die Rapsschrotmischungen konkurrenzfähig.

Wenn man die Preiswürdigkeit von Eigenmischungen mit zugekauften Milchleistungsfuttern vergleicht, sollte man auch die Stärke- und nXP – Gehalte berücksichtigen. In der nachfolgenden Tabelle ist der Preisvergleich nur auf Basis der Energiegehalte erstellt worden. Dieser Vergleich ist nur gültig, wenn die Futtermittel sich auch in den übrigen Inhaltsstoffen sehr ähnlich sind.

Bezogen auf das obengenannte Beispiel (17,56 €/dt oder 25,5 Cents pro 10 MJ NEL) sollte ein Milchleistungsfutter der Energiestufe 3 (6,7 MJ) weniger als 16,70 € / dt, ein Futter der Energiestufe 4 (7,2 MJ) weniger als 17,20 € / dt kosten. Daraus ist ersichtlich, dass Getreidemischungen vor allem mit Mischungen der Energiestufe 4 konkurrieren können.

Stärkegehalt der Mischungen beachten

Wenn Getreidemischungen als alleiniges Milchleistungsfutter eingesetzt werden sollen, ist die Zumischung von 10 – 15% Melasseschnitzel oder Minipellets sinnvoll, um die Mischung hinsichtlich der Acidosegefahr zu „entschärfen“. Die Getreidestärke wird im Pansen sehr schnell abgebaut, dadurch sinken die pH – Werte im Pansen rasch ab. Bei 4-6 kg Getreide pro Kuh und Tag ist diese Gefahr sehr hoch. Der Energiegehalt wird durch die Zumischung von Schnitzeln um 0,1 MJ NEL pro kg verringert. Melasseschnitzel sind zur Zeit ebenfalls preisgünstig: ca. 13 € / dt.

Der finanzielle Spielraum für Eigenmischungen ist sehr eng. Investitionen in die Lagerhaltung und / oder Mahl- und Mischanlagen lohnen sich meist nicht. Auch einige technische Dinge sollten beachtet werden: Eigenmischungen neigen in vielen Silos zur Brückenbildung. Deshalb ist eine ständige Kontrolle  erforderlich, wenn Getreide über Kraftfutterstationen verfüttert werden soll. Viele Tiere bevorzugen in Stationen oder im Melkstand pelletiertes Futter gegenüber geschrotetem oder gequetschtem Getreide.

Beim Einsatz im Futtermischwagen spielt die Pelletierung keine Rolle. Interessant ist die Aufwertung von Mischrationen durch 1 – 3 kg Getreide bei geringen Energiegehalten im Grobfutter oder sehr hohen Milchleistungen, hier kann auch Feuchtgetreide eingesetzt werden. Der Einsatz von Getreide in der Kraftfuttermischung oder im Mischwagen sollte hinsichtlich der Kosten für die Lagerung, Konservierung und Vermahlung und dem zusätzlichen Arbeitsaufwand kritisch überprüft werden. In jedem Fall sollten die  Futtermischungen und Rationen nach den geltenden fachlichen Kriterien berechnet werden!