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Abbildung 1: Backenzahn eines Pferdes

Tabelle 1: Einfluss der Rationszusammensetzung auf Fresszeit und Einspeichelung

Abbildung 2: Aufgeschnittener Pferdemagen und seine Bereiche

Abbildung 3: Vereinfachte Darstellung der "Verdauung und Absorption"


24.11.2008

Gesunde Pferde

Was ist bei der praktischen Pferdefütterung zu beachten? - Teil 1: Futteraufnahme bis zur Passage des Dünndarms

Anhand der Vorgänge im Verdauungstrakt werden die wichtigsten Faktoren einer gesunden Pferdefütterung erläutert. In der Natur nimmt das Pferd den ganzen Tag über Futter auf, v.a. mehr oder weniger gehaltvolles Gras, Laub, Zweige, usw. Die Kautätigkeit ist dabei sehr ausgeprägt. Mit steigender Leistung reicht die Versorgung ausschließlich über Gras oder Heu nicht mehr aus. Es muss zusätzlich Kraftfutter gefüttert werden, um den erhöhten Energiebedarf zu decken.

Rau- und Kraftfutter im richtigen Verhältnis
Durch den Einsatz von Kraftfutter wird Raufutter verdrängt und die Zeit der Futteraufnahme nimmt stark ab. (Tab. 1). Ebenso drastisch wie die Zeit der Futteraufnahme sinkt auch die Zahl der Kaubewegungen, was zur Folge hat, dass weniger Speichel produziert wird. Der Speichel enthält zwar keine Verdauungsenzyme, jedoch größere Mengen an Karbonaten, die den pH-Wert im Magen regulieren.
1 kg Heu wird in ca. 40 min. gefressen. Dabei werden ca. 5 l Speichel gebildet. Zur Aufnahme von 1 kg Kraftfutter benötigt das Pferd ca. 10 min mit der Bildung von nur ca. 1 l Speichel.
Die Zerkleinerung der Nahrung übernehmen die stark entwickelten Backenzähne der Tiere (Abb. 1). Bei Pferden mit einem gesunden Gebiss ist das Quetschen von Getreide wenig sinnvoll, da die Verdaulichkeit dadurch nur
um ca. 1–3 % ansteigt. Aus hygienischer Sicht muss beachtet werden, dass gequetschtes Getreide schneller verdirbt. Nur bei Pferden, die im Zahnwechsel sind oder ein fehlerhaftes Gebiss haben ist quetschen sinnvoll.
Faustregel: Mindestens 1 kg Trockenmasse pro 100 kg Lebendgewicht füttern, besser mehr, damit das Gebiss gesund erhalten wird, ausreichend  Speichelbildung gewährleistet ist und Untugenden wie Koppen und Weben aus Langeweile vermieden werden.


Vom Maul aus gelangt der Futterbrei durch Muskelbewegungen des Schlundes in den Magen. Um Schlundverstopfungen zu vermeiden ist Vorsicht gegeben beim Verfüttern von uneingeweichten Trockenschnitzeln.
Diese quellen sehr stark und müssen daher vor dem Verfüttern mindestens 12
Stunden mit der vierfachen Menge Wasser eingeweicht werden. Gefährlich sind auch kleine harte Äpfel, zerkleinerte Rüben oder Kartoffeln, die unzerkaut abgeschluckt werden.
Rüben sollten am besten im Ganzen verfüttert werden; wenn geschnitten, dann
in sehr kleine Stücke.


Der pH-Wert im Magen muss stimmen
Der Magen des Pferdes hat ein Fassungsvermögen von ca. 15 l und ist damit im Verhältnis zur Körpergröße klein. Er ist nicht viel größer als der einer ausgewachsenen Sau.
Abbildung 2 zeigt einen aufgeschnittenen Pferdemagen. Dieser ist in zwei Bereiche eingeteilt: der vordere Teil ist drüsenlos, der hintere drüsenreich. Im Anfangsteil des Magens fi ndet mit Hilfe von Mikroorganismen eine teilweise Umsetzung des Futters statt.
Leicht lösliche Kohlenhydrate, wie Zucker und z.T. Stärke, werden teilweise abgebaut.
Dies ist nur möglich, wenn der pH-Wert in diesem Teil des Magens bei ca. 5,5 liegt. Damit dieser Wert gehalten werden kann, ist eine gründliche Einspeichelung des Futters unbedingt notwendig.
Zwischen dem drüsenlosen und dem drüsenreichen Teil des Magens liegt eine Übergangszone.
Im Drüsenmagen wird Salzsäure gebildet, die die Aufgabe hat, Bakterien
abzutöten. Der pH-Wert sinkt auf ca. 2,5 ab.
In diesem Teil des Magens beginnt mit Hilfe des Enzyms Pepsin die Eiweißverdauung.
Wenn das Pferd Heu zu fressen bekommt, so frisst es langsam und speichelt ausreichend ein. Der Nahrungsbrei fließt kontinuierlich durch den Magen. Dadurch kann der Futterbrei im zweiten Teil des Magens richtigdurchsäuert werden (pH 2,5), d.h. er wird „desinfiziert“.
Bei hohen Kraftfuttermengen gelangt ein großer, wenig eingespeichelter „Futterklumpen“ in den Magen. Es werden nur die äußeren Schichten durchsäuert, der pH-Wert wird nicht ausreichend abgesenkt. Der Futterbrei
gelangt dann „ungesäuert“ in den Darm und die Bakterientätigkeit geht weiter. Dadurch kommt es zu Fehlgärungen und zu einer starken Gasbildung, die beim Pferd Koliken hervorrufen kann.
Eine Besonderheit des Pferdemagens ist es, dass sich die beiden Öffnungen Schlund und Pförtner bei einer plötzlichen Überfüllung schließen. Dies kann z.B. auftreten bei stark quellenden Futtermitteln, bei zu hastigem Fressen oder bei Fehlgärungen im Magen. Es kann im Extremfall sogar zu einem Magenriss
kommen.


Verdauung und Absorption
Vom Magen aus gelangt das Futter in den Dünndarm, der in den Zwölffingerdarm, den Leerdarm und den Hüftdarm untergliedert ist. Das Pferd besitzt keine Gallenblase, der Gallensaft wird kontinuierlich aus der Leber durch die Gallengänge in den Zwölffingerdarm eingeleitet. Das Gallensekret führt zu einer Emulsion der Fette, d.h. die Fettkügelchen werden gleichmäßig verteilt, die Verdauungsenzyme können so besser angreifen.

Als nächstes werden die Sekrete der Bauchspeicheldrüse in diesen Darmabschnitt eingeleitet. Sie enthalten große Mengen an Bikarbonaten und Enzyme für die Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydratverdauung. Die Bikarbonate bewirken eine Abpufferung des sehr sauren Mageninhaltes, der pH-Wert steigt wieder deutlich an.
In den folgenden Dünndarmabschnitten wird der dünnflüssige Nahrungsbrei mit
Hilfe von Enzymen in seine kleinsten Bestandteile zerlegt (Abbildung 3 zeigt eine vereinfachte Darstellung der „Verdauung und Absorption“. Diese kleinsten Bausteine gelangen über die Zotten und Mikrozotten der Darmwand ins Blut. Mit diesem werden sie zu den Körperzellen transportiert, wo sie ihre verschiedenen Aufgaben übernehmen, z.B. die Energiefreisetzung für Leistung, den Muskelaufbau oder die Milchbildung.
Nicht alle Nahrungspartikel können zerlegt und verdaut werden. Die Rohfaser gelangt unverdaut in den folgenden Darmabschnitt, den Dickdarm.