Futtermittel, Rapsextraktionsschrot
07.10.2005

Geringe Qualitätsschwankungen bei Rapsextraktionsschrot

Erste Ergebnisse des bundesweiten RES-Monitorings

Rapsextraktionsschrot (RES) hat sich als hochwertiges Eiweißfuttermittel bewährt. Es wird bevorzugt in der Rindviehfütterung eingesetzt. Aber auch in der Schweinefütterung kann es erfolgreich verwendet werden. Absolut gesehen werden in Deutschland jährlich 1.721.000 t RES verfüttert.

Unbedingt auf Deklaration achten!
Der Einsatz erfolgt nicht nur über Mischfuttermittel.
In zunehmendem Umfang wird RES auch von Landwirten als Einzelfuttermittel von Ölmühlen oder vom Handel zugekauft.
Deshalb gewinnt auch für den Landwirt die Qualitätsbeurteilung bei diesem Futtermittel an Bedeutung. Dies betrifft einmal die Deklaration der wichtigsten wertbestimmenden Inhaltsstoffe. Laut Positivliste für Einzelfuttermittel sind dies Rohprotein und Rohfaser. Der Rohfettgehalt liegt in Extraktionsschroten definitionsgemäß sehr niedrig. Ein Maximalwert von 4% darf nicht überschritten werden, ansonsten muss das Produkt als Rapsextraktionsschrot, teilextrahiert bezeichnet werden. Beim Kauf ist unbedingt auf die Deklaration zu achten. Einmal unter dem Aspekt, dass sie überhaupt dabei ist. In der aktuellen Auswertung lag nur bei 80 % der Proben eine Rohprotein Deklaration und bei 56 % der Proben eine Rohfaserdeklaration vor. Zum anderen ist bei der Deklaration darauf zu achten, dass nicht etwa Rohprotein und Rohfett als Summe angegeben werden, wie dies wohl im internationalen Handel üblich ist. Den Tierhalter interessiert Rohprotein, denn das ist der wertbestimmende Inhaltsstoff.

Von besonderer Bedeutung für das Image von Rapsfuttermitteln ist deren Gehalt an so genannten antinutritiven Inhaltsstoffen, in erster Linie Glucosinolate. Diese waren in den alten Rapssorten u.a. für den stechenden Geruch verantwortlich und haben sich negativ auf Futteraufnahme und Wachstum, insbes. bei Schweinen, ausgewirkt. Seit geraumer Zeit sind jedoch die 00-Sorten auf dem Markt, die frei von Erucasäure und glucosinolatarm sind. Dennoch ist es wichtig, die Glucosinolatgehalte von Zeit zu Zeit zu überprüfen, denn aus Sicht der Tierernährung sind diese von entscheidender Bedeutung für die Eignung von Rapsfuttermitteln insbes. auch für den Einsatz in der Schweinefütterung.
Das erreichte niedrige Niveau muss unbedingt gehalten bzw. weiter abgesenkt, Importe mit höheren Gehalten müssen ausgeschlossen werden. Leider werden heute aus verschiedenen Gründen keine routinemäßigen Untersuchungen der Glucosinolatgehalte im RES durchgeführt. Dies hat zur Folge, dass vielfach das mengenmäßig mögliche Potential beim RES-Einsatz nicht ausgeschöpft wird.

Erste Ergebnisse des Projektes „RES-Monitoring“
Im Rahmen eines von der UFOP (Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen) finanziell unterstützten RES-Monitorings werden bundesweit über die Beratung Proben in landwirtschaftlichen Betrieben gezogen.
Das Projekt soll über einen Zeitraum von 5 Jahren laufen. Die beprobten RES-Partien stammen von deutschen Ölmühlen. Die Proben werden an der LUFA Kassel auf ihren Nährstoffgehalt untersucht. Die Glucosinolate werden an der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg- Vorpommern, Gülzow, die Aminosäuren von der Firma DEGUSSA analysiert.

Die Mittelwerte der untersuchten Proben entsprechen größtenteils den Tabellenwerten. Die Standardabweichungen sind bis auf Rohfett
erfreulich geríng. Sehr erfreulich sind auch die niedrigen Wassergehalte. Größere Abweichungen sind insbesondere beim Rohproteingehalt festzustellen. Betrachtet man jedoch die Spalte „Schwankungsbreite“, so wird deutlich, dass bei allen Inhaltsstoffen die Gehalte in Einzelproben durchaus erheblich
von den Tabellenwerten abweichen können.

Dies unterstreicht die Notwendigkeit, betriebsspezifische Untersuchungen zu veranlassen. Dies ist über die NIRS schnell und kostengünstig realisierbar.

Glucosinolatgehalte problemlos
Interessant ist ein Blick auf die Glucosinolatgehalte. Hier gibt es zwar keine Tabellenwerte zum Vergleich, man kann jedoch feststellen, dass diese sehr niedrig sind. Zwar schwanken auch sie recht erheblich, jedoch erfordert selbst der höchste gefundene Wert in keiner Weise eine Begrenzung der RES Menge in der Tagesration von Milchkühen. Die Einsatzmengen werden deshalb ausschließlich nach ernährungsphysiologischen Kriterien, wie insbesondere der erfordelichen Eiweißergänzung sowie dem Energiegehalt, bestimmt. Nach neueren Untersuchungen vertragen Mastschweine Glucosinolatkonzentrationen bis zu 2 mmol/kg Alleinfutter ohne dass sich die Futteraufnahme und Leistung vermindern. Selbst bei Unterstellung des höchsten gefundenen Wertes von 11,2 mmol/kg könnten 10 bis 15% RES im Alleinfutter eingemischt werden, eine Größenordnung die heute bei weitem nicht realisiert wird.
Dieses niedrige Niveau der Glucosinolatgehalte muss allerdings unbedingt gehalten werden, was im Rahmen des Monitorings weiter verfolgt wird. Interessant ist auch, dass die Schrote mit den niedrigsten Glucosinolatgehalten (unter 6 mmol) von nur einer Ölmühle stammen. Demnach sind nicht nur die GSL-Gehalte in der Rapssaat, sondern auch die Technik der Extraktion, bei der ein Teil der Glucosinolate zerstört wird, von Bedeutung. Auch dies wird weiterverfolgt.