Fruchtbarkeitsmanagement in Vollweidebetrieben
Teil 2 der Serie: Kosten in der Milchviehhaltung senken?
Die Monate April, Mai und Juni sind insbesondere dem Fruchtbarkeitsmanagement gewidmet. Auf das Fruchtbarkeitsmanagement muss im Vollweidebetrieb mit saisonaler Abkalbung besonders geachtet werden. Ein Landwirt des hessischen Projektes beschreibt diese Arbeit folgendermaßen:
„Spätestens vier Wochen bevor das Besamen losgeht, fange ich an, die Brunstbeobachtung durchzuführen. Dies fällt inzwischen sehr viel leichter, weil die Tiere sich auf der Weide gut zeigen. Jedoch versuche ich mindestens dreimal täglich in den Ruhezeiten (nicht beim Treiben oder Melken) die Tiere zu beobachten. Nur eine konsequente Dokumentation, wobei ich dafür ein Herdenmanagementprogramm nutze, erlaubt es mir, Rückschlüsse über die Fruchtbarkeit und letztendlich den richtigen Zeitpunkt des Besamens zu finden. Tiere, die in diesen vier Wochen nicht brünstig waren werden nun, bevor das Besamen losgeht, dem Tierarzt vorgeführt und untersucht. So kann ich mir der Fitness und Gesundheit der Tiere sicher sein. Inzwischen sind 75 % meiner Herde tragend untersucht. Die 25 % Nachzügler werde ich in diesem Jahr noch einmal durchmelken. Im nächsten Jahr will ich allerdings die Melkerpause erreichen. Dann müssen solche Tiere einfach länger trockenstehen. „
Andere Projektbetriebe arbeiten mit Deckbullen. Im Vollweidesystem werden inzwischen viele verschiedene Genetiken in Hessen getestet. Für dieses Produktionssystem wird eine kleinere und kompakte Kuh, die etwas weniger Potential in die Milchleistung steckt, dafür ihre Körperkondition hält und damit schneller wieder tragend wird, benötigt. Auf Dauer müssen Weidebetriebe mit saisonaler Abkalbung 365 Tage Zwischenkalbezeit erreichen, um im optimalen Jahres- bzw. Weideverlauf produzieren zu können.
Kälber kommen früh auf die Weide
Die abgesetzten Kälber werden spätestens im Mai und Juni an die Weide gewöhnt. Im Gegensatz zu den Kühen, die nach dem kritischen Laktationsstart nun kein oder kaum Kraftfutter erhalten, werden die Kälber im ersten Jahr mit Kraftfutter zugefüttert. Diese Tiere müssen mit 24 Monaten kalben. Deshalb sollte die Gewichtszunahme von 800 g je Tag des ersten Lebensjahres gewährleistet sein. Bei der Fütterung kommen, sowohl fertige Kälberfutter, als auch hofeigene Mischungen zum Einsatz. Alle Kälberfutter sollten: mindestens 18 % Rohprotein und 10,5 MJ ME je kg Futter (88% TS) enthalten. Sehr wichtig aus Sicht der Beratung sind dabei folgende Punkte:
- Frühe Gewöhnung an die Weide(ungeübte „Weide“-färsen nehmen nach dem ersten Kalben definitiv nicht ausreichend Trockenmasse von der Weide auf. Rinder, die auf der Weide großgeworden sind, haben nach dem ersten Kalben wesentlich geringere Schwierigkeiten)
- Der Gewichtszuwachs sollte in den ersten Lebensmonaten immer wieder kontrolliert werden.
- Die jüngeren Tiere sind anfällig für Weideparasiten. Hier muss auf die Entwurmung und Fliegenentlastung geachtet werden.
Wenn die Besamungszeit erfolgreich abgeschlossen ist und alle Tiere gut mit der Weide zurecht kommen, ist die größte Arbeitsbelastung für die Betriebsleiter erfüllt. Jetzt heißt es Melken und das Weidemanagement zu organisieren. Es ist zu empfehlen, die Wuchshöhen regelmäßig zu überprüfen. Schon ab Ende Mai ist mit einem zurückgehenden Ertragszuwachs auf der Weide zu rechnen. Die Wuchshöhe sollte nicht geringer als 4 cm sein. Deshalb ist, um genügend Futter anbieten zu können, die Fläche zu erweitern. Ansonsten arbeitet jetzt die Kuh für den Landwirt.




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