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Grundlagen-Rinder
07.02.2011

Fruchtbarkeitsmanagement - eine rentable Herausforderung für jeden! Nutzen Sie Ihr Potenzial für mehr Gewinn!

Das Fruchtbarkeitsmanagement der Milchkuh stellt in vielen Betrieben einen Bereich dar, der noch großes Potential und Reserven hat. Während die Laktationsleistung in Deutschland von 1990-2005 um durchschnittlich 26% angestiegen ist, sinkt die Nutzungsdauer um 20%.

Der Erstbesamungserfolg bei Kühen sinkt ebenfalls stetig (Quelle: Janowitz, Milchrindtag 2009). Als eine der wesentlichen Abgangsursachen wird von Landwiten bei der Auswertung der LKV – Daten „Unfruchtbarkeit“ genannt. Diese Entwicklung macht deutlich, dass der weite Bergriff „Fruchtbarkeitsmanagement“ eine der zentralen Herausforderungen im modernen Milchviehbetrieb ist  und der Brennpunkt in dem praktisch alle anderen Managementbereiche aufgehen. Mehr als die bloße Betrachtung der Leistungsdaten einer Herde, zeigt sich hier die wahre Qualität des Herdenmanagements.

Grafik 1 - bitte klicken.

Um diesen Zusammenhang monetär zu bewerten, entwickelte eine Gruppe von Diplomagraringenieur - Studenten an der Hochschule Weihenstephan - Triesdorf unter der Leitung von Dr. Johannes Holzner ein Computerprogramm, mit dem es möglich ist, verschiedene Themen rund um die Ökonomik der Fruchtbarkeit der Milchkuh anhand betriebsindividueller Daten zu betrachten und untereinander zu vergleichen. Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Ausschuss für Milchproduktion der DLG für das Special „Fruchtbarkeit der Milchkuh“ erarbeitet. Dort stellten die Studenten das Programm anhand von Vorträgen und praktischen Demonstrationen dem interessierten Fachpublikum vor. Es fand großen Anklang, vor allem bei Firmen, Schulen und Beratern in der Milchviehbranche. Die Zielsetzung ist ein strukturierter Leitfaden für eine Optimierung Ihres Fruchtbarkeitsmanagements mit Hilfe eines Computerprogramms zu entwickeln. Im Folgenden werden die Inhalte des Programms kurz vorgestellt und seine Möglichkeiten gezeigt. Das erfolgreiche Erkennen einer Brunst ist  einer der häufigsten Gründe für die unzureichende Fruchtbarkeitsleistung einer Milchviehherde. Deshalb stellt sich für viele Betriebe die Frage, welches System für den eigenen Betrieb geeignet ist, um den Erfolg zu verbessern. Wachsende Betriebe, mit einer zunehmenden Arbeitsbelastung und weniger Zeit für die Brunstbeobachtung, haben immer deutlicher mit einer Verschlechterung der Ergebnisse zu kämpfen. Auch die schwächer werdende Brunstausprägung der Milchkühe bei einer steigenden Milchleistung stellt für viele Betriebe ein zunehmendes Problem dar. Mehr als 50% aller Kühe zeigen nur noch schwache Brunstsymptome und ca. ein Viertel weißt zudem schwankende Zykluslängen von unter 18 oder über 25 Tagen auf (Quelle: Janowitz, Milchrindtag 2009). Deswegen werden auf dem Markt verschiedene technische Hilfsmittel zur Brunsterkennung angeboten, die den Landwirt bei seiner täglichen Routine der Brunstbeobachtung unterstützen oder diese ganz ersetzen sollen.

Mit dem Programm können in einem ersten Schritt die betriebsindividuellen Kosten einer versäumten Brunst anhand der maßgeblichen Einflussfaktoren wie z. B. der Milchleistung, der Zwischenkalbezeit und der Nutzungsdauer  berechnet werden. Zur Vereinfachung sind im Programm zusätzlich drei „regionstypische“ Betriebe aus Deutschland hinterlegt, um mit Standartwerten kalkulieren zu können:

Tabelle 1 - bitte klicken.

Diese Betriebe stammen von Betriebszweigsauswertungen aus Bayern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Im der Menüführung lassen sich unsere Vorschläge und Annahmen für diese Betriebe aufrufen und das komplette Programm wird automatisch durchgeführt. Zielsetzung dieses Programms ist jedoch die Beschäftigung mit der eigenen Fruchtbarkeitssituation und folglich sollte möglichst mit exakten individuellen Werten für Direktkosten und Gemeinkosten, sowie mit der eigenen Lohnforderung gerechnet werden.

Bei den Kalkulationen wird deutlich, dass die Kosten einer versäumten Brunst stark schwanken können: So liegen die Kosten einer versäumten Brunst bei einer Milchleistung von 6500 kg bei über 70 €,  bei einer Milchleistung von 10500 kg jedoch nur bei 50 €. Der Grund ist, dass eine hochleistende Kuh mit 10500 kg Jahresproduktion durch eine Verlängerung der Zwischenkalbezeit um 21 Tage relativ weniger Kosten verursacht als eine Kuh mit einer Leistung von ca.6500 kg p.a., die im letzten Drittel der Laktation  nur etwa 15 kg Tagesgemelk  ermilkt. Beide verursachen fast gleich hohe Grundfutter-, Stallplatz- und Arbeitserledigungskosten. Da das Programm für beide Beispielskühe die Leistungen und die Kosten im Leben des Tieres vergleicht,  ergibt sich logischerweise der erwähnte Kostenunterschied und es wird die bekannte Forderung verdeutlicht, dass vor allem im unteren und mittleren Leistungsniveau bis 8000kg Jahresleistung eine Zwischenkalbezeit von deutlich unter 400 Tagen  angestrebt werden sollte. Vor allem im Fleckviehbereich mit Nutzkälberpreisen bis zu 500 Euro ist die Forderung „Ein Kalb pro Kuh und Jahr“ damit gerechtfertigt.

Im zweiten Schritt werden verschiedene in der Praxis angebotene Methoden zur Brunsterkennung vorgestellt. Berücksichtig sind, neben der konventionelle Brunstbeobachtung, folgende Systeme mit Ihren individuellen Erfolgswahrscheinlichkeiten und Kosten (Investitionskosten, laufende Kosten und  Arbeitszeitaufwand). Es muss beachtet werden dass  die hinterlegten Brunsterkennungsraten Literaturangaben¹  bzw.  Herstellerangaben² sind. Die Schwankungsbreite der Kosten der Brunstbeobachtung wird durch eine Berechnung der Ober- und Untergrenzen der Brunsterkennungsraten verdeutlicht.

Ausgewählte Methoden der Brunstbeobachtung:

  • Farbmarkierungssysteme:  Schwanzkreide bzw. Farbe; Brunstpflaster
  • Pedometer
  • „Heatime“
  • Progesterontest (automatisiert)
  • Brunstmessgerät
  • Suchbulle

Im nächsten Schritt werden die Verfahren der Brunst- und Ovulationssynchronisation betrachtet und mit in die Kalkulation aufgenommen. Man kann zwischen Programmen unterscheiden, die eine Brunstbeobachtung  auf wenige Tage begrenzen und Programmen bei denen Termin orientiert besamt wird, unterscheiden. Bei Programmen wie beispielsweise PGF2α nach Vorauswahl wird angenommen, dass die anschließende Brunstbeobachtung konventionell nach Duldung des Aufsprungs erfolgt.  Das Ergebnis ist ein Kostenvergleich mit den Brunsterkennungsmethoden und eine Bewertung der Chancen sowie Probleme dieser Verfahren. Im Idealfall kommt der Betriebsleiter zu dem Schluss, dass der Großteil der Kosten einer Versäumten Brunst zur Verbesserung des Fruchtbarkeitsmanagements „investiert“ werden können. Dies führt zur Verbesserung der Trächtigkeitsraten und somit zur Senkung der Kosten.

Das Programm soll einen Überblick über vorhandene Hilfssysteme geben und zur Beschäftigung mit der betriebsindividuellen Fruchtbarkeitssituation führen. Durch eine Änderung der Vorgaben können Auswirkungen dargestellt und Alternativen sichtbar werden. Technische Hilfsmittel, aber auch Hormone können keine Mängel in der Haltung oder Fütterung ausgleichen, sie können als Hilfsmittel und Ergänzung zur gezielten Verbesserung einer Situation eingesetzt werden.

Zu erwerben wird das Programm demnächst bei der DLG Agrofoodmedien GmbH, Clemens-August-Str. 12-14, 53115 Bonn, info(at)dlg-agrofoodmedien.de.

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¹  F. Becker; W. Kanitz und W. Heuwieser ,„Vor- und Nachteile einzelner Methoden der Brunsterkennung beim Rind“; www.zuechtungskunde.de/Artikel.dll/4_MTE5MTU1OQ.PDF

² System: „Heattime“