
Fahrplan für eine erfolgreiche Kälberaufzucht
Die in den Betrieben immer noch auftretenden Kälberverluste infolge von Atemwegs- und Darminfektionen sind vielfach zu hoch und nicht zu akzeptieren.
Vor Beginn einer jeden Abkalbesaison und Aufzuchtperiode sollen deswegen in einem Fahrplan die Grundlagen für eine erfolgreiche Kälberaufzucht gelegt werden.
Die Aufzuchtperiode umfasst die ersten 16 Lebenswochen (112 Tage) bei einer Tränkeperiode von 8–10 Wochen. In dieser Zeit erzielen in Haus Riswick die Mutterkälber mit einem Ø Geburtsgewicht von 43 kg bei Tageszunahmen von 870 g ein Endgewicht von Ø 140 kg.
Für eine erfolgreiche Kälberaufzucht, ist es zunächst einmal notwendig, die Schwachpunkte im Betrieb herauszufinden. Untersuchungen von Beratungsringen und Arbeitsgemeinschaften für Rinderhalter haben ergeben, dass insbesondere in folgenden Bereichen die Ursachen liegen:
- Geburt, Hygiene und Versorgung
- Tränkemethoden und Fütterung
- Stallklima und Haltung.
Verluste durch Erkrankungen der Atmungsorgane sowie des Magen-Darm-Traktes werden durch viele Faktoren ausgelöst. Es gilt, möglichst alle Stresssituationen durch Haltungs- und Fütterungsfehler auszuschließen.
Grundsatz: Das Vorhandensein von Krankheitserregern muss nicht unbedingt zur Erkrankung der Kälber führen. Es kommt vielmehr darauf an, zwischen Infektion und Abwehr ein Gleichgewicht zu schaffen.
Geburt und Kolostralphase
Die kontrollierte, natürliche Geburt sowie die frühzeitige Verabreichung des Kolostrums innerhalb der ersten drei Lebensstunden unter Berücksichtigung der notwendigen Hygienemaßnahmen bieten einen guten Start.
- Abkalbebucht gut eingestreut 8–10 m2 je Kuh, Gruppenhaltung vorteilhaft
- Kühe und Färsen eine Woche vorher aufstallen (sozialer Kontakt wichtig).
- Geburtsverlauf überwachen, Einsatz des Geburtshelfers auf den Notfall begrenzen
- Kalb von der Kuh ablecken lassen. Dadurch wird die Durchblutung gefördert und das Haarkleid des Kalbes trocknet besser ab
- Biestmilchaufnahme an der Kuh überwachen oder über Nuckelflasche sicherstellen
- Nabeldesinfektion mit Jodtinktur
- Unterbringung des Neugeborenen in gut eingestreuten Außenhütten (Iglus)
Erste Lebenswoche entscheidend!
Vorrangiges Ziel zur Versorgung neugeborener Kälber ist die Verhinderung von Frühdurchfällen durch eine biologische Durchfallprophylaxe:
- pH-Wert-Absenkung der Milch von 6,7 auf 4,5 durch Zusatz von 3 ccm Ameisensäure (85 %-ig) je l Milch bei einer Tränketemperatur von Ø 20° C (leichte Gerinnung des Kaseins)
- Schutz der Darmzotten durch Zusatz von Pflanzenextrakten (Pektine)
- alternativ hierzu kann die Biestmilch mit Milchsäurebakterien angereichert werden. Diese produzieren im Dünndarm Milchsäure und senken dadurch den pH-Wert.
- Kolostrum niemals mit Wasser verdünnen!
Fazit für die Praxis:
Jeder Kälberaufzüchter muss für seinen Betrieb ein klares Konzept entwickeln.
In Betrieben mit ständig wiederkehrenden Problemen in der Kälberaufzucht ist eine Neuorientierung angezeigt. War man bisher vielfach der Meinung, durch therapeutische Maßnahmen die Probleme in den Griff zu bekommen, setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass der Gesamtkomplex von Haltung, Stallklima, Versorgung und Hygiene einbezogen werden muss, um erfolgreich Kälber aufzuziehen. Aus praktischer Erfahrung kann die Empfehlung gegeben werden, möglichst alles zu tun, um den Infektionsdruck im Betrieb zu senken. Die Haltung von Kälbern unter Außenklimabedingungen wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Tiere aus.
Quelle: Veredlungsproduktion