Wissenschaft
23.07.2002

Erdfressen (Geophagie) bei Pferden:

Die Zusammenfassung einer Studie über die Ursachen des Erdfressens bei Pferden.

Das Fressen von Erde ist sowohl von Wildpferden als auch von domestizierten Pferden überliefert. Normalerweise wird es als Zeichen für Nährstoffdefizit oder Langeweile interpretiert. Für die erste Hypothese spricht die Tatsache, dass Geophagie meist beim Weiden nach der Wintereinstallung auftritt. Das Verhalten ist von Interesse, weil die übermässige Aufnahme von Erde den Magen-Darm-Trakt reizen könnte.

In dieser Studie wurden Bodenproben analysiert mit dem Ziel, die von den Pferden nachgesuchten Stoffe zu identifizieren.
In vier australischen Pferdemagazinen wurde nach Geophagie gefragt.

Nach einem Telefoninterview wurden von den 35 gemeldeten Fällen 13 Pferde (verschieden in Rasse, Geschlecht und Alter) für die Studie ausgewählt. Die Tierhalter schickten je zwei Bodenproben ein:
1) vom Ort, wo Geophagie beobachtet worden war,
2) von einer 5 m entfernten Stelle.
Die Bodenproben der 13 verschiedenen Weiden variierten stark in Zusammensetzung, elektrischer Leitfähigkeit und pH-Wert. Die gepaarten Stichproben hingegen unterschieden sich in diesen Parametern ebenso wenig wie im Gehalt an austauschbaren Kationen, Gesamtphosphor oder Zink. Doch die zum Fressen von Erde aufgesuchten Orte wiesen signifikant höhere Anteile an Eisen und Kupfer auf als die Vergleichsorte, an denen keine Geophagie beobachtet worden war.

Das Fehlen von physikalischen Unterschieden lässt eine therapeutische Wirkung der aufgenommenen Erde unwahrscheinlich erscheinen. Da sich die gepaarten Stichproben auch chemisch nur im Eisen und Kupfergehalt unterschieden, sind diese Elemente vermutlich die Auslösefaktoren für Geophagie.

Ob die Wahrnehmung der Bodenelemente durch den Geruchssinn erfolgt, bleibt ebenso noch zu klären
wie die genaueren Ursachen für dieses Verhalten.

Quelle:

aus: Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN) Nr. 2. 2001