




Einsatz von Rapsextraktionsschrot in der intensiven Bullenmast
Die intensive Bullenmast wird in Bayern in den meisten Betrieben auf der Basis Maissilage, ergänzt mit Getreide und Sojaextraktionsschrot zum Eiweißausgleich durchgeführt.
Insbesondere wegen der Preisschwankungen kommen aber aus der Praxis immer wieder Fragen nach Alternativen zum Sojaschrot. Besonders Rapsextraktionsschrot wird dabei diskutiert, zumal dieses Futtermittel in der Milchviehfütterung deutlich an Bedeutung gewonnen hat und auch im hohen Leistungsbereich erfolgreich eingesetzt wird.
Für den Mäster stellt sich bei der Überlegung des Einsatzes von neuen Futtermitteln immer wieder die Frage nach der möglichen Leistung und ob sich die Wirtschaftlichkeit
der Produktion durch diese Umstellung verbessern lässt. Zudem könnten Fragen nach der Schmackhaftigkeit des Futters oder einer schwierigen Handhabbarkeit eine Rolle für den Einsatz spielen.
Früher hing den Rapsprodukten der Ruf an, nicht gerne gefressen zu werden. Diese Problematik ist bei den glucosinolatarmen Sorten nicht mehr gegeben. Versuche zeigen, dass sich die Futteraufnahme zwischen Gruppen, denen Sojaschrot oder Rapsschrot verfüttert wird, nicht unterscheiden.
Der zunehmende Einsatz von Futtermischwagen führt zudem dazu, dass die Bedeutung der Schmackhaftigkeit der Einzelkomponenten abnimmt.
Nährstoffgehalt
Sojaschrot als auch Rapsschrot sind eiweißreiche Futtermittel. Im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot liegt der Eiweißgehalt von Rapsextraktionsschrot etwa um 20% und der Energiegehalt um ca. 14% niedriger. Bei der Rationsgestaltung muss dieses berücksichtigt werden.
Fütterung
Die Frage nach der möglichen Leistung wurde in einem Fütterungsversuch mit 60 Fleckviehbullen in Grub getestet. Dabei wurde die Leistung beim Einsatz von Rapsschrot mit der bei der Verfütterung von Sojaschrot verglichen.
In der Untersuchung wurde Sojaextraktionsschrot einmal zu 50 % und in einer weiteren Gruppe zu 100% durch Rapsextraktionsschrot ersetzt. Zur Energieergänzung wurde Körnermais verfüttert. Als Grundfutter stand sehr gute Maissilage mit 11,4 MJ ME zur Verfügung. Die Energieversorgung in den einzelnen Gruppen war gleich. Das Kraftfutter wurde kontinuierlich der Gewichtsentwicklung angepasst. Die Energie- und Proteinversorgung entsprach in etwa den Empfehlungen der DLG. Die hohen Kraftfuttermengen führten zu hohen Stärkegehalten in den Rationen. Die mittleren Stärkegehalte steigerten sich während des Mastverlaufes von 32 % auf 38 % in der Ration, wobei die Rapsgruppe im Mittel 1–2 % darunter und die Sojagruppe 1% über dem mittleren Wert lag. Inwieweit der etwas unterschiedliche Stärkeanteil das Ergebnis beeinflusst hat, kann nicht quantifiziert werden.
Die Futteraufnahme war bei allen Gruppen hoch. Die Tiere der Soja/Raps-Gruppe erreichten dabei die höchsten Futteraufnahmen.
Die Unterschiede waren aber statistisch nicht absicherbar. Diese Differenzen bei der Futteraufnahme führten auch zu den Unterschieden bei der Energieaufnahme.
Die Rohproteinaufnahme und auch die errechnete Aufnahme an nutzbarem Protein war zwischen den drei Gruppen wegen der unterschiedlichen Proteingehalte von Soja- und
Rapsschrot signifikant verschieden.
Mastleistung
Tabelle 4 zeigt die erreichte Mastleistung. Insgesamt lagen die täglichen Zunahmen in
allen Gruppen sehr hoch. Es bestand kein Unterschied zwischen den Gruppen, die Soja- bzw. Rapsschrot zur Ergänzung verfüttert bekamen. Die Soja/Raps-Gruppe dagegen war den anderen Gruppen hinsichtlich Zunahmen überlegen. Der Abstand betrug 55 g zu der Raps-Gruppe und 56 g zu der Soja- Gruppe. Der aufgeführte Streuungsbereich zeigt einmal den großen Schwankungsbereich innerhalb der Gruppen. Es zeigt aber auch, dass kein Kümmerer die Auswertung beeinträchtigte.
Schlachtleistung
Tabelle 5 zeigt die Ergebnisse der Schlachtleistung. Die Ausschlachtung der mittelschweren Tiere war dabei sehr zufrieden stellend. Die Differenzen bei den Parametern Schlachthofgewicht, Ausschlachtung und Zweihälftengewicht warm, waren nicht absicherbar. Auch die Handels- und Fettklasseneinteilung lag im üblichen Rahmen. Unterschiede zwischen den Tieren der drei Fütterungsregime waren nicht erkennbar.
Preiswürdigkeit nach Löhr
Neben der erzielbaren Leistung ist die Bewertung der Kosten für die Ration bzw. für einzelne Futtermittel ein wichtiger Entscheidungsgrund für den Einsatz. Eine gängige Methode ist es, dazu die Preiswürdigkeit einzelner Futtermittel zu bestimmen. In diese Berechnung gehen die wichtigsten begrenzenden Parameter ein, in der Regel der Protein- und Energiegehalt. Im Ergebnis, (Tab. 6)
kommt dann zum Ausdruck, wie viel Rapsextraktionsschrot
bei angenommenen Preisen für Weizen und Sojaextraktionsschrot maximal kosten darf, um eingesetzt zu werden.
Momentan bei aktuellen Preisen von 12 EUR für Weizen und 22 EUR für Sojaschrot dürfte Rapsschrot maximal 17,63 EUR kosten. Zusätzliche Lagerkosten oder ähnliches sind dabei noch zu berücksichtigen.
Fazit
Erfolgt die Rohproteinversorgung nach DLG Norm, so ist eine Rohproteinergänzung durch Raps- anstelle Sojaextraktionsschrot in einer Maissilage betonten Ration gleichwertig.
Ein Mischen dieser beiden Komponenten scheint sogar Vorteile zu bieten. Mit dieser Ration ist bei einer Mast ab dem Fresserbereich immerhin ein Zunahmeniveau von über 1.350 g zu erreichen. Einer eventuell geringeren Schmackhaftigkeit und einer geringeren Energiekonzentration von Rapsextraktionsschrot stehen bei der Mischung die Vorteile einer unterschiedlichen Abbaubarkeit und Abbaugeschwindigkeit im Pansen gegenüber. Die etwas höheren Rohfasergehalte von Rapsextraktionsschrot dürften sich auch vorteilhaft auswirken. Zur abschließenden Bewertung der einzelnen Verfahren im praktischen Betrieb ist es notwendig, die aktuelle Preiswürdigkeit zu berücksichtigen.
Quelle: Veredlungsproduktion