05.12.2008

Die Tiere immer fest im Blick

Darmstabilität – und was Hähnchenmäster dafür tun können

Auf dem Betrieb von Martin Ziemann hat die Geflügelmast eine lange Tradition. „Mein Vater hat sich bereits 1966 auf die Geflügelhaltung spezialisiert“, berichtet der 49-jährige Betriebsleiter aus Lockstedt, Schleswig-Holstein. 1984 hat er das elterliche Unternehmen übernommen und damit begonnen, den Veredlungsbereich konsequent weiter auszubauen. In zwei neu errichteten Ställen stehen jetzt 80.000 Mastplätze zur Verfügung. Martin Ziemann produziert dort 1.900 g-Tiere ausschließlich für Wiesenhof.

Keine Kompromisse
Ziemann setzt in seinem Betrieb auf ein konsequentes Kokzidiosemanagement. „Nur mit gesunden Tieren lassen sich Gewinne erwirtschaften, hier lohnt jeder Aufwand“, ist seine Devise. Der gesamte Arbeitsablauf auf dem Betrieb ist deshalb auf die Gesunderhaltung der Tiere abgestimmt. „Das beginnt bereits
vor dem Einstalltag damit, den Küken ein optimales Umfeld vorzubereiten“, erläutert Ziemann. Zur Stalldesinfektion setzt er zusätzlich zur normalen Desinfektion schwefelsauren Ammoniak und Branntkalk ein, mit der
Wirkung dieser Behandlung ist Ziemann sehr zufrieden. In einem nächsten Schritt wird der Stall auf eine optimale Temperatur vorgeheizt und sparsam eingestreut. „Der geringe Strohanteil verhindert die Kondensbildung, die
Luft direkt über dem Boden bleibt frisch und betrocken.“
Zudem können bei einer knappen Einstreu mögliche Kotveränderungen
zu diesem frühen Zeitpunkt rechtzeitig erkannt werden.
Da die Kotbeschaffenheit der zuverlässigste Indikator für den Gesundheitsstatus der Tiere ist, stellt der Mäster am 4. Tag in jedem Stall einen
Kotkasten auf. „Dieses Instrument setze ich bereits seit vier Jahren sehr erfolgreich ein“, berichtet Ziemann, „keine andere Maßnahme gibt so schnell und zuverlässig Aufschluss über die Darmstabilität – und das ohne großen Aufwand.“ Die Funktionsweisedes von Elanco Animal Health entwickelten
Kastens ist denkbar einfach. Auf dem Boden wird jeden Tag ein frisches saugfähiges Millimeterpapier ausgelegt, darüber wird der Kasten gesetzt. Die Tiere, die über den Kasten laufen, koten auch dort, der Kot fällt durch ein Gitter auf das Papier. Je flüssiger der Kot, desto stärker breitet sich die Feuchtigkeit auf dem Papier aus. Am Umfang des Feuchtigkeitsringes lässt sich die Kotkonsistenz bewerten.


„Mein erster Gang jeden morgen führt mich deshalb zu den Kotkästen“, so Ziemann“, ist dort alles in Ordnung, kann ich den Tag beruhigt angehen lassen.“ Der große Vorteil des Kastens liegt im Zeitgewinn, denn ein zu feuchter Kot lässt sich auf dem Papier viel früher erkennen als in der Einstreu. „Das bringt mir zwei Tage Vorsprung, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Die Tiere wachsen
nicht auseinander und wirtschaftliche Einbußen, die in der kurzen Mastzeit nicht mehr aufgeholt werden können, lassen sich vermeiden.“
Vor allem die kritische Phase am 7. Tag kann durch das einfache Frühwarnsystem entschärft werden. Im Verdachtsfall berät Ziemann sich mit seinem Tierarzt, häufi g genügt der rechtzeitige Einsatz von speziellen Futtersäuren, um die Darmstabilität auch ohne Medikamente wieder herzustellen. Insgesamt konnten die Tierarztkosten durch das installierte Frühwarnsystem deutlich gesenkt werden.

Probleme gar nicht erst entstehen lassen
Erhöhte Feuchtigkeit im Stall, ausgelöst durch eine unerkannte Darminstabilität,
kann explosionsartig zu schweren Verlusten durch Bakterielle Enteritis, Kokzidiose oder Dysbakteriose führen. Auch wenn ein alleiniger Kokzidienbefall noch nicht zwingend Probleme bringen muss, agieren diese dennoch
als „Türöffner“ für Clostridien mit der Gefahr, dass die Futterverwertung und die täglichen Zunahmen sinken und die Tiere auseinander wachsen – und dies lange bevor die Tiere klinische Symptome aufzeigen. Auch die Schädlichkeit feuchter, verdichteter Einstreu darf nicht unterschätzt werden, denn diese
mit Bakterien geladene Einstreu kann Läsionen an den Fußballen hervorrufen. Nasse Einstreu und Durchfall müssen daher frühzeitig als klares Anzeichen für Probleme im Stall erkannt werden.

Deshalb werden die Ställe auf dem Betrieb Ziemann jeden Tag nacheingestreut und zwar jeweils so stark, dass die Hähnchen immer trocken stehen. „Das Monitoring der Einstreuqualität ist mühsame Handarbeit“, beschreibt er, „aber beim Einstreuen verdiene ich Geld. Eine permanent trockene Einstreu optimiert die klimatischen Bedingungen für die Tiere und sie ist eine Voraussetzung für
die Darmstabilität. Mit darmstabilen Tiere erreiche ich dann die gewünschten gleichmäßig hohen Endgewichte.“


Auch die Qualität des Strohs muss stimmen.
Martin Ziemann streut vorzugsweise kurz gehäckseltes Weizen- oder Triticale-Stroh ein.
„Wir achten bei der Strohbergung darauf, dass das Stroh hygienisch einwandfrei – also frei von Mykotoxinen – ist“, so Ziemann. „Eine
hygienische und vor allem trockene Lage Lagerung des Strohs unter Dach muss ebenfalls gewährleistet sein.“


Beratungsangebot in Anspruch nehmen
Auf das Kokzidioseprogramm, das über das Futter läuft, hat Martin Ziemann keinen direkten Einfluss. Allerdings garantiert ein reger Informationsaustausch zwischen dem Mäster, dem Integrator, des Futtermittellieferanten und des Tierarztes ein rechtzeitiges Reagieren, sollte es zu Auffälligkeiten in den Beständen kommen. Besonders positiv schätzt Ziemann auch den Beratungsservice von Elanco Animal Health ein. „Die Außendienstmitarbeiter
haben mir nicht nur den Kotkasten zur Verfügung gestellt, sondern sie informieren mich auch regelmäßig über neue Entwicklungen oder kontaktieren die Futtermittelhersteller, wenn hinsichtlich des Kokzidienprogramms einmal Probleme auftreten sollten.“


Stabile Verhältnisse
Insgesamt ist es Martin Ziemann gelungen, in seinen Ställen die Darmgesundheit der Tiere in einem optimalen Bereich langfristig zu stabilisieren. Kritische Tage wie der 7. oder 22. Tag haben an Brisanz verloren, das Kokzidienmanagement greift während der gesamten Mastperiode. Eine wesentliche Rolle beim Haltungsmanagement spielt die optische Wahrnehmung. Die Kotbeschaffenheit als Indikator für die Darmgesundheit überwacht
Ziemann mit dem Kotkasten. Probleme können sehr frühzeitig erkannt und gelöst sowie wirtschaftliche Einbußen wirksam verhindert werden. Täglich frische Einstreu an den kritischen Stellen hält den Stall trocken und
unterbindet die Ausbreitung von Kokzidien und Clostridien.